Kein strahlendes Vorbild

Trotz Gas-Krise: Warum Pankows Wahrzeichen noch leuchtet

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Heller Schein zur blauen Stunde: Das imposante Tor des Bürgerparks Pankow lässt sich nicht so einfach verdunkeln, wie es der Bezirk gerne möchte.

Heller Schein zur blauen Stunde: Das imposante Tor des Bürgerparks Pankow lässt sich nicht so einfach verdunkeln, wie es der Bezirk gerne möchte.

Foto: Thomas Schubert

Verdunkelung von Sehenswürdigkeiten, sie funktioniert nicht überall durch Umlegen eines Schalters. In Pankow zeigt sich eine Hürde.

Berlin.  Längst ist das Brandenburger Tor dunkel, den Berliner Dom umfängt die Finsternis der Nacht. Doch das Portal des Bürgerparks Pankow bleibt ein strahlendes Beispiel für die Schwierigkeit, das Licht an Sehenswürdigkeiten zu löschen. Der Wille, Energie zu sparen, um eine Eskalation der Gas-Krise zu verhindern, er ist auch im einwohnerstärksten Bezirk durchaus stark. Aber Energiesparen funktioniert nicht überall durch Umlegen eines Schalters. Am denkmalgeschützten Dreifach-Torbogen illuminiert ein Scheinwerfer unfreiwillig die Pracht.

Denn die Lage ist laut Bezirksbürgermeisters Sören Benn (Linke) so: Bei der Installation der Elektroanlagen gebe es in Pankow „oft eine Vermischung zwischen notwendiger Beleuchtung und repräsentativer Beleuchtung“. Weil die in Krisenzeiten ungewollte Anleuchtung bestimmter Bauwerke also mit der weiter notwendigen Straßenbeleuchtung verbunden ist, muss der Bezirk vor Ort technische Lösungen finden.

Bezirksamt Pankow sucht Elektriker für „kleinteilige Aufträge“

Dafür seien „kleinteilige Aufträge“ notwendig, betont Benn. „Der Mangel an Fachkräften und die derzeitige Urlaubszeit verzögern diese Maßnahmen zusätzlich.“ Bei der Abschaltung von Beleuchtung müsse der Bezirk stets „zwischen den berechtigten Sicherheitsinteressen und der Nutzung repräsentativer Beleuchtung entscheiden“.

Ein Besuch am späten Sonntagabend zeigte: Im Rathaus Pankow, dem Dienstsitz des Bürgermeisters, ist die Entscheidung gefallen und eine Lösung gefunden. Nun bleibt der rote Backsteinbau mit dem markanten Uhrwerk im Turm dunkel. Doch hundert Meter weiter leuchtet der Torbogen des Bürgerparks wie ein Postkartenmotiv in der Dämmerung.

Energiesparen in Pankow - dafür müssen alle Mitarbeiter mitdenken

So nähert sich Pankow, wie alle anderen Berliner Bezirke, schrittweise dem Ziel des Senats an, im Zeichen des drohenden Gasmangels zehn Prozent Energie in der Verwaltung einzusparen. Dazu müsse man „ein verlässliches Energiemanagement mit Kontroll- und Handlungsoptionen implementieren“, berichtet Benn auf Anfrage des Grünen-Bezirksverordneten Reemt Heuke.

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Mit richtig eingestellten Heizungsanlagen will der Bezirk seinen Teil an der Energie-Einsparung erbringen. Zusätzlich gilt eine Absenkung der Raumtemperatur im Winter als sicher - wobei die Bezirke für ihre Dienstgebäude aber keine eigene Entscheidung treffen wollen. In Pankow wartet man dazu auf eine Regelung der Bundesregierung, die bislang aussteht.

Stärker beachtet werden nun auch Selbstverständlichkeiten. So soll in Büros, wo sich niemand aufhält, kein Licht brennen. Da geht es aber nicht um die Technik, sondern um den Faktor Mensch. Laut Bürgermeister kommt es hier „auf das wache Mitdenken und Mittun der Kolleginnen und Kollegen an“.

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