Rechtsextremismus

Von Nazis ermordet: Gedenktafel in Pankow für Dieter Eich

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Alexander Rothe
Archivbild: Eine Gedenktafel hält den durch Nazis ermordeten Dieter Eich in Erinnerung und soll auf den verwurzelten Hass auf Erwerbslose in der Gesellschaft hinweisen.

Archivbild: Eine Gedenktafel hält den durch Nazis ermordeten Dieter Eich in Erinnerung und soll auf den verwurzelten Hass auf Erwerbslose in der Gesellschaft hinweisen.

Foto: Bernd Settnik / dpa

22 Jahre nach seiner Ermordung durch Neonazis erhält Dieter Eich eine Gedenktafel in Buch. Drei der vier Täter mussten nicht in Haft.

Berlin. Er passte nicht in ihr Weltbild, wurde von ihnen als „Asozialer“ beschimpft, verprügelt und schließlich ermordet. Am 24. Mai, 22 Jahre nach der Ermordung von Dieter Eich durch Neonazis in Buch, wird eine Gedenktafel vor dem Haus des Getöteten aufgestellt, die an die kaltblütige Tat in Pankow erinnern soll.

Der Sozialhilfeempfänger Eich wurde am 24. Mai 2000 in seiner Wohnung von vier betrunkenen Rechtsextremen zunächst verprügelt, später mit einem Jagdmesser ermordet. Sie bezeichneten ihn als „asozialen Dreck“, prahlten sogar mit der Tat im Bekanntenkreis. Erst drei Monate nach dem Verbrechen wurde durch die Ermittler und Staatsanwaltschaft publik, dass es sich um eine rechtsextremistische Tat handelte.

Linke: Hass auf erwerbslose gesellschaftlich tief verwurzelt

„Die Gedenktafel soll die Botschaft vermitteln, dass niemand vergessen wird“, erklärt Maximilian Schirmer, sozialpolitischer Sprecher der Linksfraktion in Pankow. „Es ist wichtig zu zeigen, wozu Hass führen kann. Besonders der Hass auf erwerbslose Menschen ist weiter tief in unserer Gesellschaft verwurzelt.“ Er manifestiere sich beispielsweise darin, dass einkommensschwache oder obdachlose Personen zur Zielscheibe von Witzen und Häme gemacht würden, und könne in der Ermordung dieser Menschen münden. „Jedes Opfer rechter Gewalt ist eins zu viel und wer glaubt dass diese Gewalt keinen Platz hat in Deutschland der irrt, sie ist immer noch mitten unter uns, jeden Tag.“

Eingebracht hat Schirmer den Antrag auf die Gedenktafel bereits 2020 – zusammen mit dem heutigen BVV-Vorsteher Oliver Jütting (Grüne). Dass das Denkmal erst zwei Jahre später kommt, begründet Schirmer damit, dass in die Erarbeitung mehrere Initiativen und Organisationen eingebunden gewesen seien, die versucht hätten, das Leben Dieter Eichs möglichst detailliert zu beleuchten. „Gedenkkultur muss sich Zeit nehmen, daher finde ich den Schritt richtig sich die notwendige Zeit zu nehmen und freue mich nun, dass an dem Todestag von Dieter Eich die Gedenktafel eingeweiht werden kann.“

Drei der vier Täter ohne Haft

Drei der vier Täter wurden im März 2001 zu Jugendstrafen verurteilt, die sie aber nie antreten mussten, da die Vollstreckung auf Bewährung ausgesetzt wurde, wie die Generalstaatsanwaltschaft Berlin mitteilt. Diese Strafen seien bereits erlassen. Lediglich der vierte Täter wurde mit einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung bestraft. „Die Vollstreckung dieser Freiheitsstrafe hatte sich durch den Tod des Verurteilten im März 2016 erledigt.“

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