Nicht jeder wird verstanden haben, dass in Pankows Welterbe-Kiez Parken für Auswärtige seit dieser Woche etwas kostet. Und tatsächlich übt das Bezirksamt Nachsicht mit Autofahrern, denen entfallen ist, dass die Wohnstadt Carl Legien jetzt als Parkzone gilt. Wie Stadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU) mitteilt, verteilt das Ordnungsamt statt Strafzetteln derzeit Flyer mit freundlichen Erinnerungen. Die Botschaft der Eröffnungsaktion: Diesmal ist es nur ein Hinweiszettel – nächstes Mal ein Knöllchen.

Ab dem 19. April soll diese „Karenzzeit“ für Nachbarn, die sich noch keine Anwohnervignette besorgt haben und Ortsfremde, die kein Parkticket ziehen, enden, erklärt Anders-Granitzki. Zugleich bedeutet diese Toleranz keineswegs, dass dreistere Formen des Falschparkens geduldet werden. „Verkehrsdelikte, die nicht die neuen Parkzonen-Regelung betreffen, ahnden wir natürlich jetzt schon – etwa Parken im Fünf-Meter-Raum an Kreuzungen“, stellt die Stadträtin klar.

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Parkzone in der Wohnstadt Carl Legien: 900 Euro Einnahmen in zwei Tagen

Wo der Denkmalschutz Parkuhren verbietet, da können Auswärtige keine Tickets ziehen: Die Wohnstadt Carl Legien in Prenzlauer Berg macht Auswärtige zu Falschparkern.
Wo der Denkmalschutz Parkuhren verbietet, da können Auswärtige keine Tickets ziehen: Die Wohnstadt Carl Legien in Prenzlauer Berg macht Auswärtige zu Falschparkern.© Unbekannt | Thomas Schubert

Dass sich die Einführung der Parkzone in der Wohnstadt Carl Legien nach jahrelangen Schwierigkeiten für das Bezirksamt Pankow rechnen dürfte, lässt sich an einer ersten Blitz-Bilanz ablesen. Allein in den ersten beiden Tagen der neuen Parkzone in diesem Teil von Prenzlauer Berg habe man schon 900 Euro an Gebühren einnehmen können, berichtet Anders-Granitzki. So gesehen scheinen Verkehrsteilnehmer, die ihre Autos im denkmalgeschützten Kiez an der Gubitzstraße abstellen, durchaus zu begreifen, dass Parken jetzt etwas kostet – auch ohne Flyer. Die Akzeptanz zu zahlen, sie scheint vorhanden.

Kein Wunder, meint Linken-Verkehrsexperte Wolfram Kempe: „Die Leute haben ja auch sieben Jahre auf diese Parkzone gewartet.“ Tatsächlich zog sich die Einführung der Regelung über einen beispiellos langen Zeitraum hin. Der Grund: Planerische Konflikte, ausgelöst durch den Status der Wohnstadt Carl Legien als UNESCO-Weltkulturerbe. Dieser besondere Schutz der vor rund 90 Jahren von Bruno Taut konzipierten Siedlung verbietet aus Sicht von Denkmalschützern die Aufstellung von Parkscheinautomaten.

Welterbe-Status bedeutet besondere Regeln für den Pankower Kiez

Von einem Architektenteam um Bruno Taut geplant und heute streng geschützt: Die Siedlung Wohnstadt Carl Legien entstand ab 1928.
Von einem Architektenteam um Bruno Taut geplant und heute streng geschützt: Die Siedlung Wohnstadt Carl Legien entstand ab 1928.© Unbekannt | Thomas Schubert

Erst nach mehreren Planungs- und Ausschreibungsrunden zurrte das Bezirksamt Pankow den jetzigen Kompromiss fest: Er sieht vor, dass im Kerngebiet der Wohnstadt überhaupt keine Automaten stehen dürfen – und dass Auswärtige deshalb nicht in diesem Kerngebiet parken sollen, sondern lediglich Anwohnerautos mit Vignetten an den Scheiben. Auch das gilt in Berlin als außergewöhnlich und erinnert mehrere Tausend Nachbarn daran, in welch einem besonderen Teil von Prenzlauer Berg sie leben.

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