Bauarbeiten in Berlin

BVG-Baustellen bremsen massiv den Verkehr in Prenzlauer Berg

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Vom eigenen Bett hinüber auf die linke Fahrspur: Auf der Berliner Straße in Pankow fahren Straßenbahnen bis zum Herbst über provisorische Betonbahnen – zu Lasten von Autofahrern.

Vom eigenen Bett hinüber auf die linke Fahrspur: Auf der Berliner Straße in Pankow fahren Straßenbahnen bis zum Herbst über provisorische Betonbahnen – zu Lasten von Autofahrern.

Foto: Thomas Schubert / Berliner Morgenpost

Für die Sanierung der U2-Hochbahn-Rampe wechselt die Tram auf eine Betonbahn auf der Straße. Staus bremsen Ersatzbusse der Linie M10.

Berlin. Es ist ein ungewöhnlicher Anblick als Vorbote einer ungewöhnlichen Baustelle: Auf der Berliner Straße in Pankow rollen Straßenbahnen seit März über eine erhöhte Betonbahn mitten auf der Straße – und nehmen dem Autoverkehr dadurch eine komplette Spur.

Ziel des Umzugs der Tram vom eigenen Gleisbett hinüber auf die Fahrbahn: Baufachleute der BVG müssen Platz schaffen für die Sanierung der 100 Jahre alten „Rampe“ des Hochbahn-Viadukts der U-Bahnlinie U2 – also des Abschnitts, auf dem die U-Bahnen von der aufgeständerten Trasse durch Prenzlauer Berg wieder in den Untergrund fahren. Diesen Platz erhalten sie nur, wenn die Tram aus dem Gleis direkt neben dem Viadukt von der Rampe wegrückt: auf die Berliner Straße.

Bauarbeiten auf der Berliner Straße in Pankow – Engpass bis November

Der Effekt für den motorisierten Verkehr: Weil jeweils in Fahrtrichtung Nord und Süd die Tram Straßenraum belegt, verengt sich die wichtige Nord-Süd-Verbindung vor dem U-Bahnhof Vinetastraße. Autos, denen die linke Fahrspur fehlt, stehen zu Stoßzeiten auf einer der meistbefahrenen Strecken Pankows im Stau. Und das noch bis zum November. Erst dann wird die provisorische Betontrasse der Tramlinien M1 und 50 wieder entfernt und der Verkehr zwischen dem Pankower Zentrum und Prenzlauer Berg entlastet.

Man müsse „vorhandene Schäden“ an der Rampe beheben, heißt es von der BVG zum Anlass der Arbeiten. „Hierzu wird die Verkleidung aus Spaltklinkerriemchen entfernt, die Betonunterkonstruktion saniert und schließlich wieder neu aufgebaut“, beschreibt ein Sprecher die Maßnahme. Selbst mit bloßem Augen lassen sich die Schäden an den Klinkersteinen der Rampenwand leicht erkennen. Auch wenn die Tram ab November wieder auf ihre Betten neben der Rampe zurückkehrt sollen sich die Arbeiten noch hinziehen. Bis Anfang 2023 sei die Baustelle angesetzt, heißt es.

Schienenersatzverkehr bei Tramlinie M10: Busse in Prenzlauer Berg oft überfüllt

Wesentlich kürzer, aber ähnlich intensiv, fallen die Belastungen für den Verkehr aktuell entlang der Danziger Straße aus. Bis auf weiteres erreicht man den Berliner Hauptbahnhof von Prenzlauer Berg aus nur noch mit Bussen des Schienenersatzverkehrs. Weil die BVG an den Gleisen der Tramlinie M10 baut, endet der Straßenbahnverkehr ab Warschauer Straße schon in der Kniprodestraße. Von hier aus gelangen Fahrgäste nur noch mit Ersatzbussen über die Danziger und Eberswalder Straße weiter nach Mitte und zum Hauptbahnhof. Auswirkungen gibt es auch auf den Linien M5 und M8, die mit veränderten Streckenführungen verkehren.

Hintergrund der Arbeiten ist der Streckenneubau für die Verlängerung der Straßenbahn vom Hauptbahnhof bis zur Turmstraße in Tiergarten. In der Invalidenstraße in Mitte seien bereits erste Gleise sowie zwei Weichen zur Anbindung an die vorhandenen Gleise verlegt worden, berichtet die BVG. Nun werde hier eine Bauweiche dieses Projekts wieder entfernt. Auswirkungen erlebt man nicht nur vor Ort in Mitte, sondern in weiten Teilen von Prenzlauer Berg.

Ersatzbusse in Prenzlauer Berg: Ein- und Ausstieg auf dem Radweg

In der Praxis zeigt sich, dass Fahrgäste hier viel Geduld mitbringen müssen. Weil die Ersatzbusse auf der Linie M10 leicht in Staus geraten, wartet man an den Stationen teilweise 15 Minuten und länger auf die nächste Abfahrt. In oft überfüllten Bussen lässt sich Fahrgästen anmerken, dass sie den gewohnten Tram-Verkehr im 5-Minuten-Takt vermissen. Auch Radfahrern kann diese Belastung durch den ungewohnten Busverkehr auf der Danziger Straße kaum entgehen. So erfolgt an einigen Ersatzhaltestellen der Busse der Ein- und Ausstieg direkt auf dem Radweg.

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