Es ist ein unübersehbares Frühlingserwachen: In der Kulturbrauerei, einem der prägenden Orte für das Lebensgefühl in Berlin-Prenzlauer Berg, bewerben die Clubs ihre Wiedereröffnung nach einem dunklen Corona-Winter. Und noch vor diesem Winter hatten manche Marktbeobachter prophezeit, dass die gesamte historische Anlage mit Kino, Theater und Ausgehadressen in Kürze den Eigentümer wechselt. Dass sich die Eigentümergesellschaft TLG trotz Dementi von ihrer Prestigeimmobilie trennt.

Davon ist heute zwar nichts mehr zu hören – doch die Reaktion des Bezirksamts Pankow auf einen möglichen Verkauf mit einer Verdrängungsgefahr für Betriebe wie den Frannz-Club oder das Cinestar-Kino, sie steht. Wie Baustadträtin Rona Tietje (SPD) in einer neuen Vorlage an die Bezirksverordneten mitteilt, soll nun ein seit Monaten angekündigter Bebauungsplan greifen. Jenes amtliche Instrument, mit dem Pankow eine Kulturnutzung der früheren Schultheiss-Brauerei amtlich vorschreiben will. Eine Festlegung, die eine Umwandlung der denkmalgeschützten Bauten in Büroflächen unterbindet. Eben diesen „Rettungsplan“ hatte die damalige rot-rot-grüne Zählgemeinschaft im vergangenen Herbst gefordert.

Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg wird in zwölf Sondergebiete unterteilt

Ziel sei eine „geordnete städtebauliche Entwicklung des Areals als Kulturstandort mit kleinteiliger Nutzungsmischung“, heißt es in Tietjes neuer Vorlage. Gerade den vorhandenen Mix soll der Bebauungsplan bewahren. Er dient dazu, Eigentümer baurechtlich zu verpflichten, die heutigen Hauptnutzungen mit Diskotheken und Tanzcafés, Lichtspieltheater, Betrieben der Kultur- und Kreativwirtschaft und Einzelhandelsbetriebe zu erhalten.

Die Kulturbrauerei an der Schönhauser Allee gehört zu den prägenden Bau-Ensembles in Prenzlauer Berg. 100 Million D-Mark kostete die Sanierung in den 1990er Jahren.
Die Kulturbrauerei an der Schönhauser Allee gehört zu den prägenden Bau-Ensembles in Prenzlauer Berg. 100 Million D-Mark kostete die Sanierung in den 1990er Jahren.© Thomas Schubert

Mit einer Unterteilung der Brauerei in zwölf Sondergebiete will das Bezirksamt dafür sorgen, dass keine der einzelnen Hauptnutzungen übermäßig hervorsticht. Und dass etwa der Einzelhandel nicht zu sehr gegenüber Tanzcafés dominiert.

Pankower Baustadträtin: Kulturbrauerei bleibt offen für Anwohner und Gäste

„Die Kulturbrauerei ist ein wichtiger Kulturstandort, der einen Anziehungspunkt weit über Pankow hinaus darstellt. Mit dem Bebauungsplan ist sichergestellt, dass die Mischung von vielen kleinteiligen, kulturellen Nutzungen wie Theater, Kino, Museum und unterschiedlichen Veranstaltungsorten erhalten wird“, sieht Stadträtin Tietje einen Erfolg. „So bleibt die Kulturbrauerei ein lebendiger Ort; offen sowohl für Anwohnerinnen und Anwohner, als auch für Gäste.“ Es werde wirksam verhindert, dass andere gewerbliche Nutzungen wie Büros irgendwann das Areal dominieren.

Bezirk Pankow prüft Antrag für Wiedererrichtung eines historischen Kinderheims

Ein besonders interessantes Detail: Tietje gibt in ihrer Vorlage auch bekannt, dass Investoren die Kulturbrauerei gern durch Nachverdichtung erweitern würden. Es liege bereits ein Bauantrag vor, das frühere Kinderheim-Gebäude im Inneren der Brauerei wiederaufzubauen. Dazu würden die heutigen ein bis zwei Geschosse des Heims, die verblieben sind, mit weiteren drei Geschossen überbaut.

Wie das Bezirksamt Pankow mit diesem Antrag zur Nachverdichtung umgehen wird, ist noch offen. Tietje berichtet, ein positiver Bescheid für das Projekt stehe noch aus. Es handle sich aber um die einzige Stelle, wo eine Nachverdichtung in der Kulturbrauerei überhaupt möglich ist.