Nach Baumposse

Denkmalschutz in der Klimakrise: Modellprojekt für Pankow?

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Denkanstoß für eine Debatte über Klimaschutz: Nadine Kastirke und Christian Dietrich von der Nachbarschaftsgruppe "Der Grüne Carl" bekommen Beistand von Pankower Grünen-Abgeordneten.

Denkanstoß für eine Debatte über Klimaschutz: Nadine Kastirke und Christian Dietrich von der Nachbarschaftsgruppe "Der Grüne Carl" bekommen Beistand von Pankower Grünen-Abgeordneten.

Foto: Thomas Schubert

Streit über baumfreie Vorgärten in der Welterbe-Siedlung Carl Legien: Grünen-Abgeordnete fordern klimagerechte Denkmalschutz-Politik.

Berlin. Es fing an mit dem Streit über die Fällung von zwei Rotdorn-Bäumchen in denkmalgeschützten Vorgärten der Wohnstadt Carl Legien. Nun erklären die Grünen-Abgeordneten Julia Schneider und Andreas Otto den Konflikt zwischen dem Bezirksamt Pankow und Anwohnern, die einen Kahlschlag ablehnen zum Politikum für ganz Berlin. Sie wollen die Auffassung des Senats und Bezirks, wonach Klimaschutz dem Denkmalschutz in der Welterbe-Siedlung folgen muss, umkehren – und fordern ein neue Denkmalpolitik mit Fokus auf die Begrünung kahler Flächen.

„Um diesem Zielkonflikt konstruktiv zu begegnen, schlagen wir vor, das UNESCO-Weltkulturerbe Wohnstadt Carl-Legien zum Modellprojekt für Denkmalschutz in der Klimakrise zu machen und dabei das bereits vorhandene bürgerschaftliche Engagement einzubinden“, schreibt Schneider der Morgenpost. „Berlin hat die Klimanotlage erklärt. Ein entscheidender Schritt gegen überheiße Quartiere im Sommer sind Fassadenbegrünung und Baumpflanzungen. Der Konflikt in der Wohnstadt Carl Legien ist nicht der erste, der zeigt, dass Denkmalschutz noch nicht unter den Vorzeichen der Klimakrise gelebt wird. Dies ist jedoch notwendig, um Quartiere auch in Hitzesommern oder bei Starkregenereignissen lebenswert zu erhalten“, sagt Schneider zur Begründung.

Welterbe-Status der Legien-Siedlung verpflichtet zu baumfreien Gärten

Nach einem Aufruhr über die Forderung des Bezirksamts Pankow an die Anwohnergruppe „Grüner Carl“, zwei unerlaubt in die Gärten gepflanzte Bäume wieder fällen zu lassen, steht zunächst einmal ein Kompromiss. So hat der Bezirk seine Forderung zur Baumfällung zurückgezogen und bietet stattdessen an, die beiden Rotdorne von der Gubitzstraße an eine Stelle zu versetzen, wo keine Konflikte mit dem Denkmalschutz bestehen – also außerhalb der in Gänze geschützten Welterbe-Siedlung in Prenzlauer Berg.

Bei der Anwohnergruppe gibt es jedoch weiterhin den Wunsch, die Gärten mit Neupflanzungen zu versehen und Gebäude in heißen Sommern so vor der Überhitzung zu schützen. Doch eine Anfrage von Julia Schneider und Andreas Otto an den Senat ergibt: Der Forderung nach einer Aufforstung an diesem Ort ist aussichtslos.

Auf die Frage der Grünen-Abgeordneten, ob es der Senat begrüßen würde, wenn aus der Bürgerschaft eine Aktion zur Pflanzung von mehreren hundert Bäumen in der Wohnstadt Carl Legien durchgeführt würde, schreibt Kultur-Staatssekretär Gerry Woop: „Nein, eine solche Aktion würde der Senat aus den hier genannten Gründen nicht unterstützen. Die bewusst gestalteten Grünanlagen bilden einen wesentlichen Teil des denkmalgeschützten Ensembles.“

Baumstreit in Pankow: Senat sieht Klimaschutz und Denkmalschutz nicht im Widerspruch

Weiterhin vertritt der Senat die Ansicht, die Vorgärten seien „fester Bestandteil des Erscheinungsbildes der Siedlung, das weltweit Beachtung und Anerkennung findet. Insofern gilt es die Erlebbarkeit der Siedlung zu erhalten.“ Dass der Blick auf die Fassaden nicht durch Bäume verstellt wird, hält das Landesdenkmalamt für essenziell.

Die Deutung der Grünen, wonach der in Berlin ausgerufene Klimanotstand für die Gestaltung des Viertels in Prenzlauer Berg ein Umdenken zur Folgen haben muss, bezweifelt man im Senat. „Klimaschutz und Denkmalschutz sind gesetzlich verankerte Belange und stehen nicht im Widerspruch zueinander. Ziel ist es, unter Berücksichtigung und Abwägung der jeweiligen Belange gemeinsame Lösungen und Kompromisse zu finden“, schreibt Staatssekretär Woop. Wenn es also eine Lösung gibt, dann außerhalb der Wohnstadt Carl Legien.

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