Prenzlauer Berg

Jahn-Sportpark in Pankow: Stadion-Abriss vorerst abgesagt

Die rot-rot-grüne Koalition will den Umgang mit dem Cantian-Stadion im Jahn-Sportpark mit einem Werkstattverfahren überprüfen.

Ein Abbruch des Cantian-Stadions im Jahn-Sportpark war ursprünglich für diesen Winter geplant.

Ein Abbruch des Cantian-Stadions im Jahn-Sportpark war ursprünglich für diesen Winter geplant.

Foto: picture alliance / Berlin_Pictur

Berlin. Monatelang sorgte der Konflikt um den geplanten Abriss und Neubau des Cantian-Stadions im Jahn-Sportpark für Spannungen in der Koalitionen der rot-rot-grünen Landesregierung. Nun haben sich die Spitzen auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt. Wie der Pankower Grünen-Abgeordnete Andreas Otto berichtet, soll es keinen vorschnellen Abriss der Arena geben. Zwar hatte der Senat den Abbruch bereits auf den bevorstehenden Winter terminiert. Nun sollen laut Otto vor den Bauarbeiten aber in jedem Fall weitere Planungsschritte erfolgen.

Angedacht sei nun, dass die Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung und Sport Anfang 2021 ein städtebauliches Werkstattverfahren für einen Masterplan für den Jahn-Sportpark starten. Erst im dritten Quartal wäre mit Ergebnissen zu rechnen. Der geplante Baubeginn für die Neugestaltung des Jahn-Sportparks mit dem Abriss des Stadions in diesem Winter wäre damit vom Tisch. Denn in der von Otto veröffentlichten Fassung des neuen Konzepts heißt es: „Eventuelle Rückbaumaßnahmen erfolgen frühestens nach Abschluss des Wettbewerbs.“

Jahn-Sportpark: Werkstattverfahren klärt auch Umgang mit Graffitiwand im Mauerpark

Im Ergebnis des Werkstattverfahrens würden verschiedene Varianten der Umgestaltung zum Inklusionssportpark untersucht. Das würde wohl den direkten Vergleich beider Szenarien ermöglichen: Die von Grünen und Linken bevorzugte behutsame Modernisierung des Stadions und den Ersatzneubau, den SPD-Politiker, die Berliner CDU und Sportverbände als notwendig ansehen, um behindertenfreundliche Verhältnisse herzustellen. Die Planer sollen bei dem Verfahren auch überprüfen, welche Optionen im Umgang mit der denkmalgeschützten Hinterlandmauer im benachbarten Mauerpark und der Einbeziehung der Max-Schmeling-Halle bestehen und welche Rolle der bauliche Bestand – also vor allem das Cantian-Stadion – spielen kann.

Erst mit Vorliegen der Ergebnisse des Werkstattverfahrens soll ein Realisierungswettbewerb starten, der weitere sechs Monaten andauert. „Ziel bleibt die schnellstmögliche Realisierung des Projekts“, heißt es im Konzept.

Gegner der Stadion-Abrisses haben mehr als 5000 Unterschriften gesammelt

Sprecher der Initiative Jahn-Sportpark, die einen Umbau zum Inklusionssportparks befürwortet, aber den Stadionabriss strikt ablehnt, wertet diese Planänderung als Erfolg. Im Sommer hatte man eine entsprechende Petition mit mehr als 5000 Unterschriften an Sportsenator Andreas Geisel (SPD) übergeben . „Schön zu sehen, dass die hartnäckige Initiative von Bürger*innen politisch etwas bewegen konnte. Der nun gefundene Kompromiss berücksichtigt die unterschiedlichen Interessen und bietet eine gute Basis für den weiteren Prozess“, schreibt Vertreterin Nina Weniger. Trotzdem seien noch viele Fragen offen. So will die Initiative klären lassen, wie die Teilnehmer des Werkstattverfahrens ausgewählt werden und wie dabei eine Beteiligung von Bürgern stattfinden soll.

SPD-Fraktion: Barrierefreiheit nur mit Stadion-Neubau

Dennis Buchner, der sportpolitische Sprecher der SPD-Fraktion bestätigt die Einigung mit Grünen und Linken und sieht auch beim Aufschub der Baumaßnahmen keine Probleme. „Es ist unschädlich, später anzufangen“, sagt Buchner – denn das Bebauungsplanverfahren für den Jahn-Sportpark ziehe sich ohnehin bis 2022 hin, weswegen einen schnelleren Start nicht ratsam sei. Buchners Fraktion hält allerdings am Abriss der Arena fest. So sagte der Abgeordnete der Morgenpost: „Ich gehe weiter davon aus, dass es die vollständige Barrierefreiheit nur mit einem kompletten Stadion-Neubau geben kann.“

Linke: „Fehler früherer Berliner Großvorhaben vermeiden“

Für Michail Nelken von der Berliner Linksfraktion steht fest, dass die Entscheidung nur mit „aktiver Mitwirkung“ der Nutzer und Anwohner des Sportparks fallen kann. Bei diesem für Prenzlauer Berg prägenden Projekt sollten „die Fehler früherer Berliner Großvorhaben vermieden werden.“

Grünen-Politiker Andreas Otto sieht die Einigung in der Koalition als Chance sowohl für die Sportstätte als auch für die Umgebung und sagt: „Der historische Ort am ehemaligen Todesstreifen mit der Mauer und den markanten Flutlichtmasten muss ebenso berücksichtigt werden, wie der Naturschutz und der Charakter als Park.“