Hygiene in Restaurants

Warum Pankows neue Seite für Lebensmittelkontrollen leer ist

Die „Smiley Ampel“ des Bezirks Pankow startet ohne Befunde. Bald soll man hier die Wahrheit über Sauberkeit in Restaurants erfahren.

Deutschlandweit einmalig: Die Internetseite „Lebensmittel Smiley“ des Bezirksamts Pankow.

Deutschlandweit einmalig: Die Internetseite „Lebensmittel Smiley“ des Bezirksamts Pankow.

Foto: Screenshot Bezirksamt Pankow / BM

Berlin. „Suchen – finden – lächeln“ – dieser Slogan im Kopf der Pankower Internetseite „Lebensmittel Smiley“ lässt an eine Singlebörse denken. Dabei geht es hier um eine durchaus unappetitliche Angelegenheit. Besucher sollen – wie schon bei einem ersten Versuch mit diesem Online-Angebot aus dem Jahre 2011 – erfahren, wo ein Restaurantbesuch oder Brötchenkauf aus Gründen der Lebensmittelhygiene nicht zu empfehlen ist. Doch obwohl die Seite jetzt freigeschaltet wurde und laut des zuständigen Stadtrats Daniel Krüger (für AfD) aktuelle Befunde von Lebensmittelkontrollen vorliegen, bleibt die Liste leer. Und das hat mit der Schließung von Restaurants während des aktuellen Lockdowns nichts zu tun.

Pankow konfrontiert Betriebe mit Ergebnissen

Der tatsächliche Grund: Betriebe haben einen Anrecht, die Bewertungen vor der Veröffentlichung zu lesen. Dies soll helfen, inhaltliche Fehler zu vermeiden, begründet Krüger die Verzögerung. In jedem Fall soll die Lebensmittel Smiley-Seite, den Lokalen eine Benotung in Form eines lächelnden, neutralen oder wütenden Gesichts zuweist, anders als im ersten Anlauf rechtssicher sein . Kontrollierte Betriebe landen in fünf Rubriken – von „sehr gut“ bis „nicht ausreichend“. Und wenn missliebige Ergebnisse auftreten? Stadtrat Krüger sieht das Pionierprojekt in Einklang mit einer neuen EU-Verordnung – somit soll die „Smiley-Ampel“ vor Klagen verärgerter Gastronomen sicher sein.

Selbst wenn die ersten Befunde online gehen, ist der Bezirk von einem vollständigen Überblick zur Sauberkeit in Betrieben mit Lebensmittelverarbeitung noch weit entfernt. Obwohl in Pankow zuletzt rund 2300 Lebensmittelkontrollen pro Jahr stattfanden, kommen viele der oftmals kritischen Befunde für eine Veröffentlichung nicht in Frage . „Alte Ergebnisse dürfen wir nicht verwenden“, erklärt der Stadtrat. Erst nach und nach werde sich die Internetseite mit aktuellen Meldungen füllen.

Lebensmittelkontrollen: Land Berlin plant Aushänge an den Türen

Bei der Organisation „Foodwatch“, die seit Jahren eine zu geringe Zahl an Lebensmittelkontrollen in Berlin beklagt und gravierende Hygieneprobleme befürchtet, erntet Pankows neu gestartete Smiley-Ampel Lob. „Die Erfahrungen aus Ländern wie Dänemark, Norwegen oder Wales zeigen: Transparenz über die Kontrollergebnisse führt zu weniger Beanstandungen und damit zu mehr Hygiene“, sagt Geschäftsführer Martin Rücker. Foodwatch verlangt über das Pankower Online-Angebot hinaus auch die Anbringung der Ergebnisse direkt an den Ladentüren der Betriebe.

Tatsächlich wird auch diese eindringliche Art der Information zum Einsatz kommen. So hat Verbraucherschutzsenator Dirk Behrend (Grüne) für ganz Berlin ein „Transparenzbarometer“ angekündigt , wobei eine Skala von grün bis dunkelrot zu sehen sein wird. In dieser Form müssten Wirte die Aushänge an den Türen hinnehmen – allerdings wird das Gesetz wohl nicht vor dem Ende der Corona-Krise verabschiedet. So lange bleibt Pankows Smiley-Seite deutschlandweit allein auf weiter Flur.

Kontrollergebnisse findet man künftig unter: pankow.lebensmittel-kontrollergebnisse.de