Corona-Krise

Grüne in Pankow: Heizer für Restaurants nur mit Ökostrom

Wenn die Restaurants nach dem Corona-Lockdown wieder öffnen, stehen neue Kontrollen an. Es geht um klimafreundliches Heizen.

Solche Gas-Heizpilze sind in Pankow verboten – nur die elektrische Variante wird akzeptiert. Doch den Grünen ist nicht jeder Strom genehm.

Solche Gas-Heizpilze sind in Pankow verboten – nur die elektrische Variante wird akzeptiert. Doch den Grünen ist nicht jeder Strom genehm.

Foto: Daniel Karmann / dpa

Berlin. Hier die Corona-Krise, dort der Klimanotstand – und dazwischen die Wirtschaft, die es vor dem Niedergang zu retten gilt: Ausnahmeregeln für Restaurants sorgen erneut für verhärtete politische Fronten.

In Pankow, einem Bezirk mit besonders vielen Lokalen, gab es vor dem erneuten Lockdown zwar klare Bestimmungen für Wirte, wie sie ihre Fläche zur Bewirtung von Gästen vergrößern können. Aber so gut wie keine Kontrollen darüber, ob die Regeln auch befolgt werden. Die Bedingungen des Bezirksamts sind simpel: Zelte und elektrische Heizungen vor den Lokalen sind erlaubt , Heizpilze mit fossilen Brennstoffen verboten.

Ob die Art der Wärmequelle zulässig ist, soll das Ordnungsamt nach Wiedereröffnung der Betriebe im Dezember strenger überprüfen, verlangt Pankows Linksfraktion in einem Antrag, der eine breite Mehrheit fand. Noch weiter wollen die Grünen gehen. Ihre Forderung: Elektrische Heizer sollen künftig nur noch dann zulässig sein, wenn sie sie mit Ökostrom betrieben werden.

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Bezirksamt Pankow soll Stromverträge der Wirte prüfen

„Wir wollen dafür sorgen, dass Energie für die Heizstrahler aus ökologischen Quellen kommt und nicht aus Braunkohle-Verstromung“, erklärt Sprecherin Almuth Tharan einen eigenen Antrag der Grünen. Bei der Genehmigung von Zelten könne der Bezirk direkt die Stromverträge der Wirte prüfen, schlägt sie vor.

Doch selbst die Partner der rot-rot-grünen Allianz in Pankow winken ab. „Wir sollten Wirten keine Stromanbieter vorschreiben. Kalten Straßenraum zu heizen, das ist so oder so Stromverschwendung“, sagt Roland Schröder von der SPD-Fraktion.

Zustimmung im Lager der Zählgemeinschaft gibt es lediglich für den Antrag der Linken: Sie wollen das Ordnungsamt nach Ende des Lockdowns prüfen lassen, ob Gastronomen statt der erlaubten elektrischen Heizungen die in Pankow illegalen Heizpilze einsetzen . Weil ein Großteil der Lokale in Parkraumbewirtschaftungszonen in Prenzlauer Berg liegt, sollen Politessen ein Auge auf die Außenterrassen haben, schlägt Linken-Sprecher Wolfram Kempe vor.

FDP will Heizpilze auch in Pankow erlauben

Aus Sicht des FDP-Verordneten Thomas Enge geht die Debatte um Ökostrom und Klimabilanzen der Heizkörper an der Lebenswirklichkeit der Wirte vorbei. Auch weil manche Berliner Bezirke die gasbetriebenen Heizpilze trotz ihrer umweltschädlichen Wirkung im Rahmen der Corona-Krise ausnahmsweise erlaubt haben , Pankow aber nicht. Es brauche pragmatische, schnelle Lösungen, um der Wirtschaft zu helfen, meint Enge.

Auch aus Sicht des Corona-Infektionsschutzes seien Heizpilze flexibler einzusetzen als Heizstrahler, weil sie keine Steckdose brauchen – „mit elektrischen Strahlern ziehen wir automatisch alle Tische vor die Steckdosen an der Wand“. Ein Problem für die Einhaltung der Abstandsregeln.

Mit dieser Ansicht bleibt Pankows FDP allerdings allein. Ihr Antrag für eine Ausnahmegenehmigung von fossilen Heizpilzen in Pankow stößt auf breite Ablehnung. Denn die Befürchtung im rot-rot-grünen Lager lautet wie folgt: Wenn man jetzt den Kauf von neuen Pilzen erlaubt, müssen sie gleich nach der Pandemie – wenn die Ausnahme endet – auf den Schrott.