Deutsche Bahn

Großinvestition in Pankow: Bahn baut Basis für ICE-Züge

Acht Fernzüge sollen auf der Anlage Platz haben. Vier S-Bahn-Brücken werden abgerissen und neu gebaut. Weitere Strecken entstehen.

Die neue Abstellanlage der Deutschen Bahn im früheren Pankower Grenzgebiet soll helfen, den Ausbau des ICE-Verkehrs in Berlin abzuwickeln.

Die neue Abstellanlage der Deutschen Bahn im früheren Pankower Grenzgebiet soll helfen, den Ausbau des ICE-Verkehrs in Berlin abzuwickeln.

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Berlin. An der Grenze der Bezirke Pankow und Reinickendorf soll eine völlig neue Station zum Parken, Reinigen und Warten von Fernzügen der Deutschen Bahn entstehen. Am seit Jahren brachliegenden Güterbahnhof Schönholz im früheren Mauerstreifen wird der Staatskonzern bis zum Jahr 2026 eine Fläche so ausbauen, dass Platz entsteht für bis zu acht Fernzüge vom Typ Intercity (IC) und ICE. Das Projekt ist Teil einer Großinvestition der Deutschen Bahn in die Zugstrecken zwischen den S-Bahnhöfen Bornholmer Straße und Wilhelmsruh und wurde nun durch Auskünfte des Senats auf Anfrage des Pankower SPD-Abgeordneten Torsten Hofer bekannt.

Diese Investition beinhaltet auch Baumaßnahmen, die in den nächsten Jahren zu erheblichen Einschränkungen führen werden. Denn um den Schienenverkehr der Zukunft im Berliner Norden aufzunehmen, müssen nicht weniger als vier S-Bahnbrücken abgerissen und komplett neu errichtet werden.

ICE-Züge gelangen von Gesundbrunnen aus zur neuen Anlage

Betroffen sind laut den Angaben, die Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese übermittelt, die Eisenbahnüberführungen an der Wollankstraße, Provinzstraße, Klemkestraße und Kopenhagener Straße – hier verkehren S-Bahnen der Linien S1 und S25, die vom Berliner Stadtzentrum Strecken ins nördliche Berliner Umland befahren. Künftig müssen die vier Brücken im früheren Berliner Grenzgebiet zusätzliche Last verkraften, weil das lange geforderte zweite S-Bahn-Gleis der S25 zwischen den Haltepunkten Wollankstraße und Reinickendorf entsteht. Und weil auch Fernzüge die neue Basis in Schönholz erreichen sollen. Zur Neugestaltung gehört außerdem ein neues elektronisches Stellwerk in Tegel, dass 2021 in Betrieb gehen soll. Trotz des erheblichen Bauumfangs der Maßnahmen Mitte der 2020er-Jahre soll am Ende nicht nur Berlin, sondern auch Brandenburg von dem Projekt profitieren. So hängen auch Vorhaben des Infrastrukturprogramms i2030 an dem Projekt.

Denn durch den Neubau der Brücken wird bis zum Ende des Jahrzehnts der Ausbau der Heidekrautbahn bis zum Bahnhof Gesundbrunnen möglich sein. Eine erste Etappe der für Pendler besonders wichtigen Verbindung in Richtung Barnim wird vorerst noch in Wilhelmsruh enden. Auch die Verlängerung des Prignitzexpress’ von Hennigsdorf nach Schönholz als zweite Brandenburg-Verbindung soll über die ausgebauten Schienenwege verlaufen.

Neubau von Brücken hilft der Heidekrautbahn

Und so dürften am Ende die Vorteile von mehr Regionalzügen und einem neuen S-Bahngleis für die S25 für Beschwerlichkeiten während der Bauphase entschädigen. „Das ist eine ganz große Chance. Die Brücken müssen auf jeden Fall neu gebaut werden, da kommt man nicht drum herum“, sagt der Abgeordnete Torsten Hofer zu den Plänen des Senats und der Deutschen Bahn, an die sich die Niederbarnimer Eisenbahn mit ihrer Heidekrautbahn gleich anschließen kann. In den nächsten beiden Jahren müsse sich bei den Planungen der Senatsverkehrsverwaltung zeigen, ob sich die vier neuen Brücken mit Hilfe von großen Fertigteilen einfach einhängen ließen – „dann wäre es wohl schneller erledigt als man glaubt“, meint Hofer.

Weil wegen der Bauarbeiten für die Einzelprojekte immer wieder Sperrungen und Einschränkungen des Zugverkehrs drohen, will Staatssekretär Streese die Vorhaben lieber gebündelt angehen lassen. „Der Senat ist bestrebt, die verschiedenen Planungen zum Wiederaufbau der Heidekrautbahn, zur Durchbindung des Prignitzexpress‘ bis zum Bahnhof Gesundbrunnen und zur Errichtung der Zugbehandlungsanlage der DB Fernverkehr zusammenzuführen“, teilt Staatssekretär Streese mit.

ICE-Basis für 30-minütigen Takt zwischen Metropolen

Mit der Zugbehandlungsanlage gemeint ist die neue Basis für Fernzüge am Güterbahnhof Schönholz. Allein dafür bringt die Deutsche Bahn laut Streese einen „mittleren zweistelligen Millionenbetrag“ auf. Die acht Gleise der Anlage sind jeweils 410 Meter lang, zwei von ihnen werden für die Innenreinigung, Frischwasserversorgung und Abwasserentsorgung ausgestattet. Bislang übernimmt solche Aufgaben vor allem das ICE-Werk in Rummelsburg. Wichtig ist die neue Station im Bereich Pankow deshalb, weil die Deutsche Bahn Berlin mit anderen Metropolen im 30-Minuten-Takt verbinden will. Entsprechend mehr Platz braucht man für zusätzliche ICEs. Man wolle den Fernverkehr ausbauen „zu einer metropolenverbindenden S-Bahn“, erklärte Bahn-Vorstand Berthold Huber im vergangenen Winter. Eine Basis für diesen Plan in Berlin findet der Konzern nun am Güterbahnhof Schönholz