Stadtentwicklung

Neues Tram-Depot für Pankow: Wohnsiedlung bleibt verschont

Jahrelange Standortsuche für Straßenbahnbetriebshof des Quartiers Blankenburger Süden entschieden. Die BVG investiert 120 Millionen Euro.

Der heutige Straßenbahn-Betriebshof Weißensee reicht nicht mehr aus.

Der heutige Straßenbahn-Betriebshof Weißensee reicht nicht mehr aus.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Es ist einer der schwierigsten Bausteine für das größte derzeit geplante Wohnquartier Berlins. Zeitweilig sah es so aus, als sollte der neue Straßenbahnbetriebshof zur Erschließung des künftigen Stadtgebiets Blankenburger Süden mit bis zu 6000 Wohnungen mitten in einer heute schon vorhandenen Siedlung, der Erholungsanlage Blankenburg, entstehen – und dort die Enteignungen und den Abriss von Dutzenden Häusern erfordern.

Doch nun kommt es anders. Nach jahrelanger Standortsuche für das 120 Millionen Euro teure und sechs Hektar große Depot, das den Betrieb von Bahnen der Linie M2 in Pankows Norden ermöglichen soll, nennt Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese nun als Vorzugsstandort eine Fläche, von der keine Bewohner umgesiedelt werden müssen: das Gewerbegebiet Heinersdorf, südöstlich des Blankenburger Südens gelegen. Das geht aus einer Anfrage des SPD-Abgeordneten Torsten Hofer hervor, die der Berliner Morgenpost vorab vorliegt.

In diesem Gewerbegebiet droht zwar keine Verdrängung von Bewohnern durch die BVG. Es ergibt sich dafür ein anderer Nachteil, wie Hofer von der Senatsverkehrsverwaltung erfuhr: „Da sich der Standort nicht im Landeseigentum befindet, wird die BVG beauftragt, Ankaufsverhandlungen mit den Eigentümern aufzunehmen. Auf der Basis der Verhandlungen kann eine Entscheidung getroffen werden“, erklärt Streese. Somit würde die Investition in den Betriebshof für Straßenbahnen der Linie M2, die das neue Stadtquartier auf den früheren Rieselfeldern am Blankenburger Pflasterweg mit dem Alexanderplatz und dem S-Bahnhof Blankenburg verbinden, wohl deutlich teurer sein als wenn man landeseigene Flächen nutzt – und das Depot in der Erholungsanlage Blankenburg baut.

Elisabeth-Aue wurde als Standort verworfen

Der SPD-Politiker Hofer hatte deshalb noch auf eine andere Variante gehofft, die ebenfalls mitgeprüft, aber verworfen wurde: ein Depot auf der etwa acht Kilometer entfernten Elisabeth-Aue, die genau wie das Blankenburger Rieselfeld für eine Neubebauung mit bis zu 5000 Wohneinheiten in Frage kommt. Und ebenso dem Land Berlin gehört. Es gibt aber inzwischen auch das Kompromissangebot einer Bürgerinitiative aus Französisch Buchholz, das für die Aue eine moderate Bebauung mit wenigen Hundert Wohnungen, einer neuen Schule und einem Park aus Kleingärten vorsieht.

Dazu hätte ein Straßenbahn-Depot gepasst, meint der Sozialdemokrat. Denn an dieser Stelle hätte man mit dem Betriebshof eine Lücke im Pankower Straßenbahnnetz zwischen den Endbahnhöfen der Linie M1 in Niederschönhausen und der Linie 50 in Buchholz schließen können. Das sei „ein alter Traum vieler Anwohner“. Denn man hätte damit ganz neue Streckenvarianten, die einen Umstieg vom Auto auf die Tram begünstigten. „Diese Ecke ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht erschlossen. Man kommt aus dem Pankower Zentrum schneller zur Friedrichstraße als hierhin“, ärgert sich Hofer.

Straßenbahn-Planung für Pankow stieß auf Widerstand

Dennoch scheint ihm auch die teurere Lösung durch den Kauf von Flächen im Gewerbegebiet Heinersdorf an der Blankenburger Straße akzeptabel. „Da wird ein Riesen-Konflikt entschärft“, sagt er mit Blick auf die Auseinandersetzung mit Siedlern der Anlage Blankenburg, die einen Kampf gegen die Straßenbahnstrecke und das Tramdepot führen und damit das Verfahren für die Planung der 6000 Wohnungen im benachbarten Blankenburger Süden bremsen.

Die Initiative „Wir sind Blankenburger und Berliner“ hatte im Sommer die Bürgerbeteiligung des Senats zu einem Werkstattverfahren mit vier Entwürfen für das neue Quartier heftig kritisiert. Mehr als 2500 Rückmeldung gingen im Online-Portal des Senats binnen weniger Wochen ein – die meisten Kommentare fielen angesichts der vorgeschlagenen Bauhöhe von teilweise mehr als zwölf Geschossen ablehnend aus. Und im Werkstattverfahren mit vier Planerteams war die Platzierung des Tram-Depots noch nicht einmal enthalten. Weil es zu der Zeit zu sehr umstritten war.

120 Grundstücke in Blankenburger Siedlung weiter bedroht

Mit der Planung des Depots im Gewerbegebiet Heinersdorf zeigt sich Thomas Stein, der Sprecher von „Wir sind Blankenburger“, zufrieden. „Ursprünglich sollte es ja mitten in bewohntem Gebiet stehen. Schön, dass es nicht passiert“, sagt Stein. „Dann hätten etliche Grundstücke weichen müssen. Und ausgerechnet in Bereichen, wo viele betagte Bewohner leben.“ Die wären im Rentenalter verdrängt worden und hätten einen Neuanfang wagen müssen.

Auch Ines Landgraf vom Siedlungsverein hält es für „sehr begrüßenswert, dass der Betriebshof nicht zu uns kommt“. Nach monatelangem Widerstand habe man jetzt einen „Mini-Sieg errungen“. Aber selbst wenn den Blankenburgern das Depot erspart bleibt, wird die verlängerte Straßenbahn-Trasse der Linie M2 immer noch Tribut fordern. Etwa 120 bis 200 Grundstücke gehen laut Stein und Landgraf dafür verloren.

Aus Sicht der Pankower CDU-Fraktion ist das ein zu hohes Opfer für eine Tram, die mit dem Blankenburger Süden und weiteren Zukunftsquartieren überfordert wäre, wie Fraktionschef Johannes Kraft befürchtet. Man brauche für die mehr als 20.000 im Umfeld geplanten Wohnungen eine Gesamtlösung, die über einzelne verlängerte Straßenbahnlinien hinausgeht. Sowohl der Ausbau der Linie M2 als auch der Betriebshof in Heinersdorf seien „zu klein gedacht“, warnt Kraft. Das Depot gehöre nach Malchow, wo der Rangierbetrieb niemanden stört. In Heinersdorf werde die Anlage künftig von den Neubauten des Blankenburger Südens umschlossen sein. Dann gäbe es sehr viele neue Nachbarn, denen der Tram-Knoten mit quietschenden Bahnen den Nerv raubt.