Verkehrswende

Radschnellweg Panke-Trail braucht bis zu sechs Brücken

60 Millionen Euro für 18 Kilometer lange Strecke von Pankow bis nach Mitte: So soll der Panke-Trail durch Berlins Nordosten verlaufen.

Am Bahnhof Pankow muss der Radschnellweg Panke-Trail über eine stark befahrene Kreuzung geführt werden – das funktioniert nur mit einer weiteren Brücke.

Am Bahnhof Pankow muss der Radschnellweg Panke-Trail über eine stark befahrene Kreuzung geführt werden – das funktioniert nur mit einer weiteren Brücke.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Hier die Querung durch das künftige neue Stadtquartier Pankower Tor, dort das Kopfsteinpflaster und eine Spielstraße in Prenzlauer Berg: der Radschnellweg Panke-Trail soll dem umweltfreundlichen Verkehr im Nordosten Berlins einen entscheidenden Schub geben. Doch die 18 Kilometer lange Strecke zwischen dem S-Bahnhof Karow und den Zielpunkten im Bezirk Mitte ist mit einigen Schwierigkeiten gespickt.

Wie man sich die Vorzugsvariante für die zumeist vier Meter breite, beleuchtete Trasse im Detail vorzustellen hat, zeigte die landeseigene Entwicklungsgesellschaft Infravelo nun bei der ersten offiziellen Präsentation. Im nördlichen Streckenteil führt der Trail vom S-Bahnhof Karow aus neben dem Damm der Zugstrecke her, ab dem Bahnhof Pankow-Heinersdorf zieht sich ein Ast zur Straße Esplanade über Gesundbrunnen bis zum S-Bahnhof Nordbahnhof, der andere Ast durch das Quartier Pankower Tor und durch den Kollwitzkiez in Prenzlauer Berg bis zur Torstraße.

Auch einen ersten Kostenrahmen gab Janosch Krol, der Projektverantwortliche für den Panke-Trail, an: Rund 60 Millionen Euro müsste das Land Berlin ausgeben. Aus Sicht der Infravelo eine lohnende Investition. „Selbst bei sehr hohen Baukosten würde der Nutzen die Kosten übersteigen“, heißt es von der Projektleitung. Welchen Aufwand das Land Berlin beim Bau des Radschnellwegs ab 2024 tatsächlich treiben will, wird auch davon abhängen, wie viele der „High End“-Lösungen, die Entwicklungsbüros mit der Infravelo konzipiert haben, es tatsächlich in die Planung schaffen.

Knackpunkt des Panke-Trail bei der Gabelung am Bahnhof Pankow

In der Vorzugsvariante sind zur Überwindung von geografischen Hindernissen für die Express-Radverbindung einige Probleme zu überwinden: Bis zu sechs neue Brücken und drei Unterführungen werden Radfahrer vom Start am Stadtrand bis ans Ziel in Mitte passieren. Aus guten Gründen. Ziel soll es ja sein, dass möglichst wenige Kreuzungen und Umwege das Vorankommen auf dem Panke Trail bremsen. „Dann hätte man eine sehr hochwertige Streckenführung“, sagt Krol zur optimalen Variante mit entsprechend vielen Über- und Unterführungen. „Es heißt aber nicht, dass tatsächlich so viele Brücken gebaut werden.“ Generell lässt sich die Vorzugsvariante bis zur endgültigen Entscheidung noch verändern. Aber eine besonders wichtige Passage am S-und U-Bahnhof Pankow gilt als gesetzt.

Wo der Radschnellweg vom Gelände des Pankower Tors über die Berliner Straße führt, müssen die Planer mit einer Brücke einen besonders stark befahrenen Verkehrsknoten überwinden, damit der Schnellweg nicht zur Staustrecke wird. Dieses Bauwerk beschreibt Krol als „wohl relativ teure und komplizierte Angelegenheit“. Auch das Thema Artenschutz wird an diesem Punkt des Wegs als Risikofaktor beschrieben – denn bekanntlich gedeihen auf dem Gelände des Pankower Tor-Investors Kurz Krieger streng geschützte Kreuzkröten und Zauneidechsen. Deren Umsiedlung wird nun doppelt wichtig: sowohl für das neue Wohnquartier als auch für das Verkehrsprojekt.

Aber wie genau fügt sich der Panke-Trail überhaupt in das künftige Stadtviertel mit 2000 neuen Wohnungen ein? Das wird laut Infravelo noch Gegenstand von Verhandlungen sein – ohne Einigung über den Streckenverlauf auf dem Privatgelände gibt es hier keinen Trail. Auch im nördlichen Bereich, wo der Radschnellweg neben der S-Bahnstrecke verläuft, braucht es vor dem Bau die Abstimmung mit der Deutschen Bahn. Von der müsste man die eingeplanten Flächen wohl kaufen. Im Süden der Strecke braucht es für den linken Streckenast außerdem eine Freigabe für die Überquerung der Liesenbrücke in Gesundbrunnen – sie befindet sich ebenfalls in Privatbesitz.

In Prenzlauer Berg führt der Radschnellweg durch neue Fahrradstraßen

Der rechte Ast wiederum führt vom Gelände des Pankower Tors über die Neumannstraße mit einem Schlenker über die Wisbyer Straße in Duncker- und die Senefelder Straße. Zuletzt geht es durch die Kollwitzstraße auf ein kurzes Stück der Schönhauser Allee und dann ans Ziel in der Torstraße. Hier, im dicht bebauten Prenzlauer Berg, lässt sich der Panke-Trail nicht mehr über eine eigene Trasse führen, sondern ist als Fahrradstraße ausgelegt – die Anlieger auch mit Autos befahren dürfen. „Hier müsste man Pflasterstraßen asphaltieren“, nennt Krol eine Bedingung, die einer Klärung bedarf. „Es gibt denkmalgeschützte Straßenbilder, die kritisch werden können.“

Um genügend Durchfahrbreite herzustellen, dürfte sich im Bereich der Kollwitzstraße die Anordnung der Parkplätze verändern. Wenn Autos längs statt quer stehen würden, hätte man im Gründerzeitviertel genügend Raum. „Das Parken wird aber nicht vollständig entfallen müssen“, heißt es. Und dann ist da noch der Konflikt mit einer Spielstraße an der Senefelder Straße. „Wir müssen klären, wie wir da durchkommen“, sagt dazu eine Infravelo-Planerin. Patrizia Flores, eine Bürgerdeputierte der Grünen, sieht hier noch weitere Probleme. Im Bereich der Dunckerstraße müsse man sich mit 1500 Kindern der umliegenden Schulen arrangieren. „Es gibt jetzt schon Probleme mit Auto- und Radfahrern“, warnt Flores. „Und die Spielstraße dürfen wir Kindern nicht wegnehmen.“

Radschnellweg Panke-Trail lässt sich nach Brandenburg erweitern

Und die Alternative, den Panke-Trail an der Schönhauser Allee entlangzuführen statt mitten durch den Kollwitzkiez? Die Option habe sich als weniger geeignet erwiesen, weil das Anliegen von Rad-Pendlern, die fünf bis zehn Kilometer am Stück fahren, nicht zum Konzept der lokalen Geschäftsstraße Schönhauser Allee passt. So die Erklärung der Planer. Nur den letzten Stummel von der Kollwitzstraße bis zur Torstraße führt der Trail auf der Allee entlang.

Nach Norden hin lässt sich der Panke-Trail nach seiner Fertigstellung voraussichtlich 2026 wohl später noch strecken. So spricht sich Verkehrsstadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) bereits für die Weiterführung nach Brandenburg aus, „denn es gibt viele neue Bauvorhaben an der Achse.“ Dieser Radschnellweg, so viel ist klar, wird eine Verkehrsschlagader, die viele Tausend Anwohner in Pankows Zukunftsquartieren zum Fahrrad bekehren soll. Wenn denn die Hürden mit Brücken, Kröten, Spielstraßen und Kopfsteinpflaster genommen sind.