Traditionslokal

Warum der Prater-Biergarten in Pankow geschlossen hat

Bauarbeiten statt Bier: Der älteste Vergnügungsort in Prenzlauer Berg wird umgestaltet, obwohl sich die Wirtin gegen das Projekt wehrt.

Ende der Saison - aber kein Ende für immer: Der Prater Biergarten ist geschlossen und soll nach einjährigem Umbau 2021 wieder eröffnen, verspricht das Bezirksamt Pankow.

Ende der Saison - aber kein Ende für immer: Der Prater Biergarten ist geschlossen und soll nach einjährigem Umbau 2021 wieder eröffnen, verspricht das Bezirksamt Pankow.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Am Zaun verkündet es ein Schild mit leuchtend roten Lettern: Der Prater Biergarten ist geschlossen. Und es bedeutet nicht einfach nur das Ende der Freiluft-Saison, sondern den bevorstehenden Auftakt eines großen Umbaus. Ein ganzes Jahr lang nimmt niemand mehr an den Bänken des historischen Vergnügungsorts Platz. Es kommt zu einer Betriebspause, in der Arbeiter mehr als 20 Kastanien fällen, Versorgungsleitungen aus dem Boden ziehen und neue Röhren verlegen. Auch ein laufender Rechtsstreit mit der Pächterin Dagmar Hillig wird das Bezirksamt Pankow nicht davon abhalten, den Umbau in diesen Tagen zu starten, mit dem Ziel die 1837 gegründete Institution mit Garten und Kultur-Gebäude denkmalgerecht instandzusetzen. Verzögerungen beim Baustart im Garten soll es trotz des offenen Streits nicht geben, sagt Immobilienstadtrat Torsten Kühne (CDU).

Zugleich wehrt er sich gegen die These, dass die Bauarbeiten das Aus für den Prater bedeuten. Dies ist laut Kühne eine Falschaussage, die aber immer wieder verbreitet wird. „Das Gegenteil ist der Fall. Wir sichern den Prater für die Zukunft“, betont er. Nun, da Fördergelder des Landes Berlin bereitliegen, werde man die Sanierung planmäßig starten – „es sei denn, es wird uns untersagt“.

Prater in Prenzlauer Berg: Kein Frieden in Streit um Sanierung

Worauf der Stadtrat wohl anspielt, ist ein Verfahren vor dem Landgericht Berlin. Hier wird darüber entschieden werden, wie das Bezirksamt die Bauarbeiten im Prater tatsächlich gestalten darf. Im Raum stehen Forderungen für Einnahmeausfälle der Pächterin, die sich in einer Spanne zwischen 500.000 und 1,85 Millionen Euro bewegen sollen. Die will aber eigentlich nicht um Geld streiten, sondern um die vertragliche Sicherheit, dass sie mit der Bewirtschaftung dauerhaft fortfahren darf. Generell fühlt sich Hillig zu wenig und zu spät in die Umbaupläne einbezogen.

Ein Friedensschluss mit der Wirtin ist auch nach der Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung am Mittwochabend (BVV) nicht in Sicht – Auskunft zu den Streitpunkten geben wollte das Bezirksamt nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Grünen-Fraktion hatte einen langen Fragekatalog vorgelegt, bei dem es unter anderem darum ging, wie sich die beiden Seiten mit Hilfe eines Mediators einigen könnten.

Aus Rücksicht auf das laufende Verfahren gibt es weiterhin so gut wie keine offiziellen Informationen zum Konflikt seitens des Bezirks. So beginnt an der Katanienallee in diesem Oktober der nächste Part eines Millionen-Projekts, über das die Meinungen auseinander gehen.

Galerie und Theater im Prater werden verspätet fertig

Anlass zur Sorge gibt die Verzögerungen bei der Fertigstellung des Umbaus am Galerie- und Theatergebäude an der Stirnseite des Prater-Geländes. Weil Baufirmen ihren Dienst quittiert haben, wird sich das Ende der Sanierung um mehrere Monate verzögern. So wird die Volksbühne Berlin das Theater in dem Gebäude nicht wie geplant Ende 2020 übernehmen können. Und die neue Kommunale Galerie Pankow, die nach jahrelanger Pause im Prater-Gebäude neu gegründet wird, dürfte erst im Frühjahr 2021 eröffnen.

Fest steht, dass nun der Zeitpunkt gekommen ist, die Bauarbeiten aus dem Kulturgebäude auf den Biergarten des Praters auszuweiten. „Die Versorungsleitungen werden nicht besser und die Bäume gesünder“, sagt Stadtrat Kühne zur Notwendigkeit der nächsten Schritte. Auch in den Reihen der Pankower Fraktionen in der BVV gibt es Verständnis dafür, die Sanierung zügig anzugehen und keine Fördergelder zu vergeuden.

SPD Pankow: „Da wurde Zeit vertrödelt“

Allerdings werden auch Forderungen laut, dass der gastronomische Betrieb im Prater durch die Sanierung möglichst wenig beeinträchtigt werden soll. „Man hätte versuchen können, einen Teil der Bauarbeiten im Biergarten während des Corona-Hauptzeit durchzuführen. Da wurde Zeit vertrödelt“, nennt Roland Schröder von der SPD eine aus seiner Sicht vertane Chance. „Hätten sich Bezirksamt und Pächterin damals zum Handeln entschlossen, wäre der wirtschaftliche Schaden der Pächterin sicherlich kleiner.“ Es sei klar, dass Pankows Gastronomie in diesen Zeiten möglichst viel Entgegenkommen braucht, heißt es bei der SPD. Bislang beschränkt sich das Entgegenkommen des Bezirks darauf, dass zumindest die Gaststätte des Praters, die sich neben dem Biergarten befindet, auch während der Bauarbeiten in Betrieb bleiben darf. Die Schließung dieses Lokals soll sich auf wenige Wochen beschränken.

Grüne wollen im Prater markante Bäume bewahren

Aus Sicht der Pankower Grünen muss der Bezirk die Bauarbeiten als Ganzes schnell und schonend gestalten – auch für den Baumbestand, den die Grünen so weit wie möglich erhalten wollen. Und nochmals von Fachleuten untersuchen lassen werden. „Wir sind mit dem Bezirksamt seit längerem im Gespräch über die Baumfällungen. Unsere Baumexperten gehen sehr akribisch die Liste der Bäume durch und werden gegebenenfalls Einzelgutachten fordern“, sagt Fraktionschefin Cordelia Koch. Denn längst nicht in jedem Fall sei eine Abholzung akzeptabel. „Einige Bäume sind krank, andere zerstören Leitungen. Aber es gibt auch einige, bei denen als Grund für die Fällung ,Wildwuchs’ angegeben ist. Dass ein Baum nicht von einem Menschen gepflanzt wurde, ist aus bündnisgrüner Sicht selbstverständlich kein Grund, ihn zu fällen“, meint Koch.

Konsens besteht auf allen Seiten, dass der Biergarten als gesellschaftlicher Mittelpunkt für Prenzlauer Berg erhalten bleibt. Dass die Tore nun geschlossen sind, muss sich jedenfalls erst einmal herumsprechen. George Newsome und seine Frau standen am Mittwoch nichtsahnend vor dem Schild mit den roten Lettern. Das Paar war für den Prater-Besuch zwar nicht aus England angereist, hatten den Ausflug aber immerhin als eine der Attraktionen auf ihrer Liste. Newsome will sich den Biergarten nun nach dem Umbau ansehen – „vielleicht im nächsten Herbst.“