Bauverzögerung

Fünf Jahre Bauarbeiten für eine neue Turnhalle in Pankow

Der Bau einer Schulturnhalle überfordert den Bezirk. Die Baugrube im Florakiez kündet vom Streit zwischen Baufirmen und Behörden.

Weit und breit keine Turnhalle in Sicht: Die Baustelle an der Neuen Schönholzer Straße in Pankow liegt seit Monaten brach.

Weit und breit keine Turnhalle in Sicht: Die Baustelle an der Neuen Schönholzer Straße in Pankow liegt seit Monaten brach.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Nirgends in Berlin lastet ein höherer Druck auf Behörden, Schulen einer wachsenden Zahl von Kindern anzupassen. Nirgends ist die Liste von Erweiterungen von heutigen Lernorten so lang wie in Pankow. In diesem Bezirk, wo derzeit drei Oberschulen fehlen und bis 2030 nicht weniger als 24 neue Grundschulen erbaut und eröffnet werden müssen, kann aber schon die Errichtung einer Turnhalle zu massiven Schwierigkeiten führen. Das zeigt auch eine riesige Baugrube mitten im Florakiez – ein Loch, an dem schon seit Monaten kein Bagger mehr gegraben hat. Im Gegenteil: Alle Baufahrzeuge sind im Frühling verschwunden. Und die Gründe haben mit der Corona-Krise nichts zu tun.

Bezirksamt Pankow verweist auf Serie von Problemen

An der zweigeschossigen Halle mit vier Sportfeldern und Außenbereich an der Neuen Schönholzer Straße haben sich Baufirmen viel länger als erwartet mit einem Fundament abgemüht. Das Grundproblem: Das in einem Architektenwettbewerb erarbeitete Modell steht auf einem verhältnismäßig feuchten Boden. So braucht die Sporthalle eine „Sohle“, um trotz des hohen Grundwasserpegels stabil zu stehen. „Hochdruckinjektionsverfahren“ heißt diese Vorbereitung für das Fundament im Planerdeutsch. Normalerweise ist das kein Hexenwerk. In diesem Fall aber lief offenbar fast alles schief, was bei einem Berliner Schulbauprojekt passieren kann.

Stromversorgung der Baustelle wurden gestohlen

Die Zusammenarbeit mit der ersten Baufirma habe sich ab 2017 sehr schwierig gestaltet, erklärt Pankows Schulstadtrat Torsten Kühne (CDU) auf Anfrage der SPD-Fraktion. „Hinzu kamen weitere Verzögerungen durch Witterung, mehrfachen Diebstahl der Baustromversorgung und schadstoffbelastetem, andienungspflichtigem Aushub“, zählt Kühne eine Serie von Problemen auf. Daraufhin habe die Baufirma Nachforderungen an den Bezirk gestellt. Die waren laut Aussage des Stadtrats aber „überhöht“. Die Konsequenz: „Unkonstruktives Verhalten des Auftragnehmers bis hin zur Leistungseinstellung führten im März 2018 zur Kündigung.“ Fast zeitgleich stieg auch der Generalplaner des Bauprojekts aus den Verträgen aus. Eine Neuausschreibung blieb jedoch ohne Erfolg. Und dann platzte auch noch der Versuch, die gekündigte Baufirma zurückzuholen. Ihre Forderungen waren laut Kühne immer noch zu teuer.

Technische Normen für die Sporthalle haben sich geändert

So stand das Bezirksamt Pankow monatelang ohne Baufirma und ohne Planer da. Zwischenzeitlich stritten sich dann auch noch Baufirmen mit Hilfe einer Schlichtungsstelle um die Vergabe. Als die Arbeiten dann ab Herbst 2019 endlich mit neuer Besetzung weitergingen, galt es sofort das nächste Problem zu lösen: Die Umsetzung der Pläne für die Sporthalle war wegen „massiver Änderungen technischer Normen und Vorschriften“ nicht mehr zulässig. Unter den neuen Voraussetzungen ging es Anfang 2020 mit den Bauarbeiten wieder los – bis zum abermaligen Abbruch im Februar – weil die neuen „Ausführungsplanung“ immer noch nicht vorlag. An diesem Punkt hängt das Projekt immer noch fest.

Drei Pankower Schulen warten seit 15 Jahren auf die neue Halle

Pankows SPD-Fraktion hält die Schwierigkeiten auch deshalb für misslich, weil allein die Vorplanung schon zehn Jahre verschlang. Der Bedarf, im Florakiez neue Sportflächen zu schaffen, sei sogar noch wesentlich älter, stimmt Kühne zu. Drei Bildungseinrichtungen - die Reinhold-Burger-Schule, das Carl-von-Ossietzky-Gymnasium und die Arnold-Zweig-Grundschule - warten darauf, die Doppelstock-Halle gemeinsam in Betrieb zu nehmen. Aber die Kinder haben seit Jahren nur die leere Baugrube vor Augen. Und durch so viele Unterbrechungen und Planänderungen werden die bereitstehenden 14 Millionen Euro Baukosten für die Sporthalle wohl nicht mehr genügen.

Noch in diesem Jahr sollen die Baufahrzeuge aber zurückkehren. „Gemäß heutigem Erkenntnisstand ist frühestens im Schuljahr 2021/22 mit einer Fertigstellung zu rechnen“, gibt Stadtrat Kühne den neuen Zeitplan bekannt. Dann wären fünf Jahre vergangen seit dem Beginn der Bauarbeiten. Und fünfzehn Jahre seit dem Start der Planung.