Großprojekt in Pankow

Stadion-Abriss im Jahn-Sportpark mobilisiert 12.000 Bürger

Zwei Petitionen sind vorerst abgeschlossen. Doch Sport-Senator Andreas Geisel nahm nur eine persönlich an. Zum Ärger der Kritiker.

Philipp Dittrich von der Bürgerinitiative Jahn-Sportpark (r.) übergibt einer Büroleiterin von Andreas Geisel die Petition zum Erhalt des Stadions. Der Senator hatte für seine Kritiker keine Zeit.

Philipp Dittrich von der Bürgerinitiative Jahn-Sportpark (r.) übergibt einer Büroleiterin von Andreas Geisel die Petition zum Erhalt des Stadions. Der Senator hatte für seine Kritiker keine Zeit.

Foto: Thomas Schubert

Berlin-Pankow. Es ist ein Streit, in dem ein ganz eigentümlicher Sportsgeist liegt: Gegner und Unterstützer des Großprojekts zur Neugestaltung des Pankower Jahn-Sportparks mit dem vorgesehenen Abriss des Stadions haben monatelang ihre Anhänger mobilisiert. Jetzt sind die Petitionen beider Lager beendet – und gelangten fast zeitgleich auf den Tisch der Senatssportverwaltung.

Rund 7200 Unterschriften sammelte ein Bündnis von Vereinen um den Landessportbund Berlin für die geplante Durchführung des Vorhabens mit dem Abbruch und behindertengerechten Neubau der Arena in Prenzlauer Berg. 5200 Unterstützer unterschrieben hingegen das Papier der Bürgerinitiative Jahn-Sportpark, die sich ebenfalls eine Umgestaltung zum Inklusionssportpark wünscht – aber den Abriss des Stadions für zu teuer, umweltbelastend und ineffektiv hält. Während die erste Gruppe, die den Plan des Stadion-Ersatzneubaus unterstützt, ihr Papier Sport-Senator Andreas Geisel (SPD) im Stadion persönlich übergeben durfte, erlebte die kritische Initiative nun einen eher kühlen Empfang.

Stadion-Projekt soll auf Umgebung in Prenzlauer Berg Rücksicht nehmen

Eine Büroleiterin Geisels nahm die Petition am Mittwoch vor dem Portal der Senatssportverwaltung entgegen – und versprach, dass der Senator beide Anliegen sorgsam abwägen wird. Aber die Abriss-Kritiker zeigen sich durch die ungleichen Bedingungen bei der Unterschriftenübergabe in ihren Zweifeln an einer ergebnisoffenen Neuprüfung des Großvorhabens bestätigt. Sprecher Philipp Dittrich und seine Anhänger fordern mit der Übergabe ihrer Petition erneut eine umfassende Bürgerbeteiligung, einen interdisziplinären Wettbewerb für die Sportpark- und Stadiongestaltung und einen behutsamen Umbau der heutigen Arena. „Der Stadtraum Mauerpark - Jahn-Sportpark - Falkplatz ist kein unbeschriebenes Blatt. Wer nicht bereit ist, sich auf diesen vielschichtigen Bestand einzulassen, muss anderswo bauen“, verlangt Dittrich.

Auf der Gegenseite hatte die Allianz des Landessportbunds mehrfach die Meinung geäußert, dass eine barrierefreie Neugestaltung des Jahn-Sportparks nur mit einem Abriss und Ersatzneubau des Stadions zu haben ist. In diesem Lager geht die Angst um, dass der politische Kampf um den Erhalt der alten Arena, forciert von Linken und Grünen, das gesamte Projekt für die Schaffung eines Inklusionssportparks in Prenzlauer Berg lähmt. Und Behinderte die Leidtragenden sein könnten.

Pankows Bürgermeister wollte vermitteln – doch es gibt weiter Streit

Im Sommer hatte Pankows Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) bei einem Ortstermin im Jahn-Sportpark verlangt, die Belange von Anwohnern stärker zu berücksichtigen und versucht, die beiden rivalisierenden Lager zu versöhnen. Was er vorschlug, waren gemeinsame Gespräche, die zu einer einheitlichen Linie führen können und eine politische Blockade des Projekts verhindern. Doch aus Sicht von Thomas Draschan, einem der Abriss-Kritiker aus Dittrichs Initiative, ist man davon inzwischen wieder weit entfernt. Das hochtrabende Vokabular der Gegenseite stehe den Verhandlungen im Weg, klagt Draschan – der sich zum Beispiel an der Bezeichnung des Projekts als „Leuchtturm“ stört.

Stefan Schenk vom Behindertensportverband Berlin, ein Vertreter der Gegenseite, zeigt sich wiederum für Gespräche, wie sie Sören Benn anregt, weiterhin offen. Man habe sich dazu bereit erklärt, aber bisher keinen Terminvorschlag von der projektkritischen Initiative bekommen, sagt Schenk. Zugleich kündigt er an, dass die Unterschriftensammlung weiter geht. Das bisherige Marke von 7200 Stimmen sei „nur ein Zwischenstand“.

Erste Klarheit, ob der Berliner Senat weiterhin am immer wieder kritisierten Stadion-Abriss in diesem Winter festhält, wird eine überarbeitete Machbarkeitsstudie der Sportverwaltung erbringen. Erst nach einer Diskussion der Studie wird im Abgeordnetenhaus über die Freigabe des Budgets für den Stadion-Abbruch entscheiden. Kostenpunkt: 14 Millionen Euro.