Corona-Krise

Berliner Saunen wollen Öffnung einklagen

Sauna-Betriebe fühlen sich von Lockerungen übergangen. Nun setzen sich Saunen aus Pankow und Reinickendorf juristisch zur Wehr.

Berlin. Der Brandbrief der Berliner Sauna-Betriebe war nur der Anfang. Nun, da eine Wiedereröffnung der Wellness-Anlagen auch bis zum Herbst nicht in Sicht ist, wollen Franziska Witt und ihre Mitstreiter rechtliche Schritte starten. „Wir wehren uns jetzt mit einer Klage“, erklärt Witt, die am Rathaus Pankow das „Saunarium“ leitet.

Sie hält es für absurd, dass Berliner Saunen wegen des Coronavirus dauerhaft geschlossen bleiben sollen, aber in nahezu allen anderen Bundesländern öffnen dürfen. Das Virus und die Hygienesituation sei überall gleich, aber der Umgang der Gesundheitsbehörden völlig verschieden. Dass Berliner derzeit problemlos die geöffneten Saunen in Brandenburg nutzen dürfen, bedeutet für Betreiber in der Hauptstadt schlimmstenfalls den Ruin.

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Berlin lässt Öffnung von Sauna-Betrieben „evaluieren“

Auch Sandra Wollgast von der Sauna Rykestraße in Prenzlauer Berg bangt durch die Dauerschließung in Berlin bei gleichzeitiger Öffnung der Saunen hinter der Stadtgrenze um ihre Existenz. Es gebe derzeit nicht einmal die Chance, dass sich Saunen durch Umgestaltung den neuen Regeln anpassen dürfen.

„Wenn es einen Grund gibt, weshalb wir nicht öffnen dürfen, wäre es wunderbar, wenn uns das jemand sagt“, erklärte Wollgast nun bei einem Krisentreffen, das bei Facebook übertragen wurde. Doch diese Bitte um eine Erklärung konkreter Gründe der Senatsgesundheitsverwaltung, um die 13 Berliner Saunen in ihrem Brief gebeten hatten, steht bis heute aus. Fest steht nur: Berlin vertraut bei der Prüfung einer Lockerung auf wissenschaftlichen Rat.

„Der Senat von Berlin ist berufen und verpflichtet – unabhängig von der festgelegten Geltungsdauer der Sars-CoV-2-Infektionsschutzverordnung –, sowohl die festgesetzten Maßnahmen fortlaufend zu evaluieren als auch auf neue und gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse einzugehen“, heißt es in dem Antwortschreiben an die Saunen, das der Berliner Morgenpost vorliegt. Eine solche „Evaluation“ sei derzeit in den Gremien im Gange, aber nicht abgeschlossen. Während der politischen Sommerpause ist allerdings wohl kaum mit einer Entscheidung zu rechnen.

Pankower Sauna hat durch Corona schon 100.000 Euro verloren

Für Franziska Witt vom Pankower Sanuarium, die nach eigenen Angaben Verluste von bis zu 100.000 Euro verbuchen musste und 2019 eine Schließung abwenden konnte, ist das nicht hinzunehmen. Sie erinnert daran, dass die Idee der Sauna sogar darauf beruht, das Immunsystem zu stärken und gegen Krankheiten abzuhärten – auch gegen Covid-19, wie Witt meint. „Wir sehen jetzt keine andere Möglichkeit mehr, als unsere Rechte einzuklagen“, sagt Sandra Wollgast vom Saunabad Prenzlauer Berg – auch wenn sie diese Möglichkeit schade finde. Ebenfalls zu den Vertretern des Berliner Sauna-Bündnisses gehört das „Holliday Spa“ in Reinickendorf, das ohne Lockerung den Sommer kaum überstehen würde.

Den Erfolg bringen soll jetzt eine einstweilige Anordnung auf Wiedereröffnung, wie ein Jurist der Kanzlei Bauer erklärt, der die Saunen vertritt. Die Erfolgschancen seien „sehr hoch“, sofern die Betriebe ein Hygienekonzept vorlegen können. Unterstützung kommt außerdem vom Reinickendorfer Kneipenwirt Norbert Räder. Er hat nach der Lockerung schon eine Sauna in Brandenburg besucht und meint: „Bei Hygiene sind die Saunen weit vorne. Sie wissen, was sie tun.“