Handel in Berlin

Ikea zieht in ehemaliges Restaurant am Dorfanger Pankow

Die neue Ikea-Fiale in Pankow startet bereits im Sommer. Und es ist nicht der einzige Neuzugang im boomenden Florakiez.

Näher dran an der Kundschaft: Ikea zieht es in die Innenstädte – so war es in Hamburg. Und so soll es ab Sommer 2020 in Berlin-Pankow sein.

Näher dran an der Kundschaft: Ikea zieht es in die Innenstädte – so war es in Hamburg. Und so soll es ab Sommer 2020 in Berlin-Pankow sein.

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Berlin. Nicht Prenzlauer Berg, sondern Alt-Pankow: Ikea hat sich, wie berichtet, bei der Standortwahl seines ersten Planungsstudios in Berlin für den Florakiez entschieden, in dem neu zugezogene Familien, Alteingesessene und Senioren in verkehrsgünstiger Lage abseits der Innenstadt leben. Nun gibt es Hinweise auf den genauen Standort. Wie der „Tagesspiegel“ berichtet, soll Ikea die Räume eines Restaurants beziehen, das in Kürze schließt. Dabei handelt es sich um das griechische Lokal „Olivenbaum“ in einem Neubau zwischen dem Bleichröderpark und der Kirche am Dorfanger von Pankow. Ikea hat den Einzug inzwischen offiziell bestätigt. Das Restaurant hat seinen Schriftzug an der Fassade demontiert und bereitet die Räumung in den nächsten Wochen vor.

Ikea spricht von einer einvernehmlichen Ablösung des Restaurants Olivenbaum

„Pächter Ioannis Pantopoulos möchte sein Lokal aus privaten Gründen schließen“, teilt Ikea dazu in seinem Unternehmensblog mit. Zitiert wird der Gastronom mit dem Satz: „Ich freue mich darüber, dass es mit Ikea einen Nachmieter gibt, der es mir ermöglicht, problemlos aus meinem Mietvertrag auszusteigen.“ Das Möbelunternehmen soll das Haus an der Breite Straße 33-34 nach eigenen Angaben zum 15. April übernehmen. Wenige Tage vorher wird Pantopoulos von seinen Gästen Abschied nehmen, die er seit 2003 im Florakiez bewirtet.

Pankow hat wachsende Kaufkraft, aber relativ wenig Handelsfläche

Mit der Neueröffnung im Sommer 2020 geht Ikea neue Wege, rückt von Großfilialen jenseits der Berliner Zentren ab – und sucht die direkte Nähe zur Kundschaft in Bezirken, die bislang nicht erschlossen waren. „Wir freuen uns darauf, unsere Türen für die Pankower Bürger zu öffnen, die Breite Straße mitzugestalten und unseren Kunden mit einem attraktiven, neuen Format zu begegnen“, teilt Ikea-Managerin Nele Bzdega mit.

Ikea löst C&A in Potsdam ab

Nun steht auch fest, wo das zweite neue Planungsstudio der Region in Potsdam eröffnet: Es handelt sich um Räume in der Brandenburger Straße, die bislang C&A als Verkaufsfläche diente. Auch hier kommt es zu einer Ablösung des Altmieters.

Laut Nils Busch-Petersen vom Handelsverband Berlin Brandenburg handelt es sich bei Pankow um ein Wachstumszentrum, das inzwischen beachtliche Kaufkraft besitzt – bei den Handelsflächen herrscht hingegen noch ein Defizit. Wegen dieser Konstellation hätten die Schweden Pankow schon lange im Auge gehabt, sagt Busch-Petersen. Gleiches gelte für den zweiten neuen Ikea-Standort neben Pankow: die brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam. Auch hier will das schwedische Möbelhaus einen Laden in der Innenstadt beziehen.

Ikea wird Waren an Kunden verschicken – geschaut wird im Planungsstudio

Besucher des neuen Ikea-Planungsstudios im Florakiez nehmen ihre Ware nicht mehr direkt mit nach Hause, sondern erhalten sie auf Bestellung. Besichtigt werden die Produkte gemäß des neuen Konzepts in der Kiezfiliale der Nachbarschaft. So kann Ikea auf eigene Parkplätze verzichten und sich direkt in einem Wachstumszentrum platzieren.

Neben Ikea wird die Brache der alten Kaufhalle bebaut

Direkt neben dem Restaurant „Olivenbaum“ wartet die Brache der früheren DDR-Kaufhalle auf ihre Bebauung. Der Investor ANH Hausbesitz und das Bezirksamt Pankow haben sich zuletzt auf ein Konzept geeinigt, das drei Neubauten mit bis zu fünf Geschossen vorsieht. Geplant ist eine Mischnutzung aus Gewerbe, bis zu 80 neuen Wohnungen und einem Hotel. Frühester Baubeginn: 2022.

Ein noch größeres Projekt kommt kurz danach zur Umsetzung. Unweit des Standorts an der Breiten Straße in Alt-Pankow startet derzeit das Bebauungsplanverfahren für das Großquartier Pankower Tor mit 2000 Wohnungen. Passend zur Ikea-Ansiedlung ist auch hier ein Möbelunternehmer die treibende Kraft: Der Investor heißt Kurt Krieger, der es mit den Möbelmärkten Höffner und Sconto zu einem Vermögen brachte.

Pankow wird zum Standort einer Reha-Klinik mit Sauna und Schwimmbad

Dass der einst verschlafene Florakiez es in Sachen Urbanität inzwischen mit Prenzlauer Berg und anderen prosperierenden Citylagen der Berliner Innenstadt aufnehmen kann, zeigt eine weitere prominente Neuansiedlung. Schon 2021 soll nicht weit von Ikea Pankow eine neue Reha-Klinik der Michels-Unternehmensgruppe eröffnen. 16 Millionen Euro nimmt der Betreiber, der auch in Wandlitz einen Klinikstandort in der früheren Waldsiedlung, der Residenz der DDR-Eliten, schuf, in die Hand, um auf der bisherigen Fläche von Werkstätten und Gebrauchtwagenhandlungen einen fünfgeschossigen Neubau zu beziehen. Im dem Komplex sollen dann auch eine Sauna und ein Schwimmbad eröffnen.

Ikea will in Berlin drei bis sechs weitere Geschäfte eröffnen

Die Ikea-Neueröffnung im Berliner Florakiez wiederum ist nur der Anfang einer Expansionsstrategie, die man auch in Städten wie New York, London oder Moskau verfolgt. Ein Unternehmenssprecher stellt bereits weitere City-Läden an der Spree in Aussicht und sagt: „Wir schaffen Touchpoints, an denen die Menschen in unmittelbarer Nähe ihres Wohnortes mit Ikea interagieren sowie ihre Produkte planen und bestellen können. In Berlin sehen wir Potenzial für drei bis fünf weitere Planungsstudios und auch einen XS-Store.“