Verkehr in Berlin

Abriss der Schönhauser-Allee-Brücke: U2-Trasse kann bleiben

Beim Neubau der Brücke der Schönhauser Allee drohen Einschränkungen beim S-Bahn- und Fernverkehr. Für die U-Bahn besteht Hoffnung.

 Die Brücke über den Graben von S-Bahn und Fernbahn aus dem Jahre 1888 (im Bild oberhalb des Zugs) gehört zu den frühesten Bauwerken von Prenzlauer Berg - und ist nicht mehr lange tragfähig.

Die Brücke über den Graben von S-Bahn und Fernbahn aus dem Jahre 1888 (im Bild oberhalb des Zugs) gehört zu den frühesten Bauwerken von Prenzlauer Berg - und ist nicht mehr lange tragfähig.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Auf der Brücke Autos, Straßenbahnen und Lastwagen, unter der Brücke die Ringbahn und Gleise des Fernverkehrs. Und zwischen den beiden Segmenten: die Hochbahn-Trasse der BVG Linie U2. Die 132 Jahre alte Schönhauser-Allee-Brücke wird seit Generationen massiv beansprucht. Für Laien ist die mehrfach überbaute Konstruktion dennoch schwer erkennbar.

Fest steht, dass der Senat die Überbrückung des Bahngrabens ab 2024 gegen einen kompletten Neubau ersetzen muss. Dabei drohen bis zum Ende des Jahrzehnts erhebliche Verkehrsprobleme für die gesamte Region in Pankow und Prenzlauer Berg. Nach Informationen der Berliner Morgenpost sind die Planer aber zumindest eine große Sorge los.

So soll die Auto- und Straßenbahnbrücke zu beiden Seiten des Viadukts der Hochbahn so aufgebaut sein, dass sie von der U2-Trasse auf den Ständern von den kaputten Bereichen darunter entkoppelt ist. In dem Fall ließen sich die beiden Teilstücke der Überführung nacheinander abbrechen, ohne das Viadukt in der Mitte anzugreifen. „Die U-Bahnbrücke steht in der Tat in keinem statischen Zusammenhang mit der Autobrücke. Allerdings sind die genauen Abhängigkeiten erst im konkreten Planungsprozess erkennbar“, sagt dazu Jan Thomsen, Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung.

Abriss der Brücke der Schönhauser Allee: „Auswirkungen immens“

Wie stark hingegen der Verkehr für die S-Bahnlinien S41, S42, S8 und S85 während des wohl sechsjährigen Umbaus beeinträchtigt werden wird, ist aber weiterhin unklar. Die Gleise führen direkt unter der maroden Auto- und Trambrücke hindurch. „Die Auswirkungen stelle ich mir leider immens vor“, sagt SPD-Verkehrsexperte Tino Schopf.

Sorge bereitet dem Abgeordneten vor allem auch die Tatsache, dass genau hier auch der Zubringer zwischen dem ICE-Werk der Deutschen Bahn in Rummelsburg und dem Berliner Hauptbahnhof verläuft. Auch eine Unterbrechung der Tram-Linie 1, die Berlin-Mitte und Prenzlauer Berg mit Pankow, Niederschönhausen und Rosenthal verbindet, hätte aus seiner Sicht gravierende Auswirkungen auf den Alltag Zehntausender Berliner. „Es braucht in jedem Fall ein schlüssiges Gesamtkonzept für den Verkehr während der Bauzeit“, meint Schopf.

Noch im ersten Quartal 2020 will der Senat einen Entwickler verpflichten, der weitere Prüfungen durchführt. Erst danach lassen sich Details zur Planung und Terminkette festlegen. Nach einer Statikprüfung der stark befahrenen Brücke in Prenzlauer Berg war im Frühjahr 2019 bekannt geworden, dass dieses Bauwerk nicht mehr zu retten ist.

Begrenzung der Tonnage von Lkw auf der Schönhauser Allee verschoben

Anwohner und Gewerbetreibende in Prenzlauer Berg beschäftigt auch die Tatsache, dass sich die Großbaustelle in direkter Nähe des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks befindet, wo demnächst das große Stadion abgerissen wird und nach der Fertigstellung des Neubaus weitere Umbauten für eine inklusive Sportstätte bevorstehen dürften. „Selbstverständlich werden die Arbeiten aufeinander abgestimmt“, erklärt dazu Jan Thomsen von der Verkehrsverwaltung. „Ebenso selbstverständlich können solche umfangreichen Arbeiten nicht ohne Verkehrseinschränkungen vonstatten gehen.“

Eine erste Einschränkung lässt indes auf sich warten. Die Ende 2019 angekündigte Sperrung der Schönhauser Allee-Brücke für Fahrzeuge mit einem Gewicht von über 16 Tonnen wurde noch einmal ausgesetzt und wird derzeit von Fachplanern neu abgestimmt.