Neue Tramhaltestelle

BVG will Fußgängertunnel Greifswalder Straße zuschütten

Der Umbau der Tram-Haltestelle in Prenzlauer Berg wird immer wieder vertagt. Fest steht nun: Der Tunnel wird bis zur Decke verfüllt.

Überholtes Konzept: Der kurze Fußgängertunnel unter den Tramgleisen des S-Bahnhof Greifswalder Straße wird definitiv geschlossen.

Überholtes Konzept: Der kurze Fußgängertunnel unter den Tramgleisen des S-Bahnhof Greifswalder Straße wird definitiv geschlossen.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Treppe runter, zwanzig Schritt laufen, Treppe hoch. Der Fußgängertunnel unter den Gleisen der Straßenbahnlinie M4 am S-Bahnhof Greifswalder Straße war eine Idee der Epoche, als Fußgänger Autos und Zügen nicht im Weg stehen sollten. Planer der DDR legten ihn für eine Nutzungsdauer von 90 Jahren aus.

Nun der Paradigmenwechsel. Vor drei Jahren beschlossen der Senat und die BVG die Prüfung einer ebenerdigen Passage zur S-Bahn. 2019 stand fest: Der Tunnel schließt. Jetzt die Gewissheit: Er bleibt nicht einfach als Hohlraum erhalten, sondern wird mit Beton oder anderen Baustoffen verfüllt. Und ein konkreter Zeitplan? Nicht bekannt - zumindest wird er nicht mehr kommuniziert.

Fußgängertunnel an der Greifswalder Straße: „Hohlraumfreie Verfüllung“

Seit Jahren schon setzt der SPD-Abgeordnete Tino Schopf Anfragen auf, um Informationen zum lange geplanten Haltestellenumbau zu erfahren. Fakt ist, dass Senat und BVG den Fußgängertunnel, der den S-Bahnhof und die Tramstation verbindet, schließen wollen. Zugleich wird die ganze Station unter die Bahnbrücke verrückt und mit einer ebenerdigen Querung über die Greifswalder Straße versehen.

Diesmal berichtet Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese nach Rücksprache mit der BVG immerhin konkrete Details: „Die baulichen Eingriffe sehen eine Entkernung und hohlraumfreie Verfüllung der Tunnelanlage und der Betriebsräume mit Fließboden sowie den Rückbau und niveaugleiche Abdeckelung der Treppenabgänge vor“, heißt es zu dem Projekt. Das heißt, genau da, wo man bisher in den Tunnel hinabsteigt, entsteht die Ampelkreuzung. Nur die Frage wann bleibt unbeantwortet: „Die erforderlichenbaulichen Eingriffe im Einzelnen können somit noch nicht präzisiert werden. Ein konkretes Schließungsdatum der Fußgängertunnelanlage liegt noch nicht vor.“

Zuschüttung des Tunnels geht mit zeitweiliger Sperrung der Greifswalder Straße einher

Auch seitens der BVG gibt es keine Informationen über den Start der Haltestellen-Verlegung. Sprecherin Petra Nelken verweist darauf, dass die Unterführung gar nicht den Verkehrsbetrieben gehört, sondern dem Senat. Eine Zeitschiene müssten die dortigen Planer vorlegen. Laut Staatssekretär Streese wird die Zuschüttung des Tunnels – wann auch immer – zeitweilig zu Verkehrsproblemen führen. Durch Voll- oder Teilsperrungen der Greifswalder Straße.

Verwundert über die unklare Situation zeigt sich Tino Schopf, den die Sache „langsam nervt“. Dass eine Mehrheit der Nutzer von S-Bahn und Tram den Tunnel meiden und lieber eine Ampelquerung nutzen, die man aber nur über Umwege erreicht, sieht er als erwiesen an. Interessant erscheint ihm eine Alternative zur Zuschüttung des Tunnels. „Man könnte darüber nachdenken, ihn als Fahrradgarage zu nutzen“, bringt er eine ältere Idee wieder ins Spiel. In jedem Fall müsse man beim Haltestellenumbau geeignete Fahrradabstellplätze schaffen. Momentan schließen die meisten Pendler ihre Räder provisorisch an Absperrgittern ab.

BVG sieht Fahrradparkhaus im Fußgängertunnel skeptisch

Der Bedarf an Stellflächen wird eher noch steigen, wie Staatssekretär Streese mitteilt: „Den 80 vorhandenen Fahrradabstellplätzen stehen derzeit etwa 190 abgestellte Fahrräder gegenüber. Nach der Basisprognose sind im Jahr 2030 etwa 350 Abstellplätze erforderlich.“ Im Bereich der Greifswalder Straße habe man bereits Platz für 360 Bügel lokalisiert. Auch bei der BVG will man diesen Punkt genau bedenken – allerdings weist Sprecherin Nelken auf ein Problem der Idee eines unterirdischen Fahrradparkhauses im Tunnel hin: „Es ist nicht barrierefrei erreichbar. Und das müsste der Fall sein“, nennt sie das wesentliche Bedenken.

Zweiter Fußgängertunnel an der Landsberger Allee wird aufgewertet

Ein barrierefreier Ausbau eines Tunnels ist nur eine S-Bahnstation weiter südlich bereits im Gange. An der Landsberger Allee ist die lange Passage zwischen dem Zustieg der Ringbahn und den Straßenbahnen seit August 2019 in der Mitte gesperrt. Hier lassen die Verkehrsbetriebe derzeit hinter Holzverschlägen einen Aufzug einbauen, der den Verkehrsknoten für Menschen im Rollstuhl oder Familien mit Kinderwagen besser nutzbar macht. Ein Abschluss des Umbaus soll laut BVG zum Sommer 2020 erfolgen. Eine optische Aufwertung hatten im Jahre 2018 Künstler des Kollektivs „Tape that“ geleistet. Sie beklebten die langen, kahlen Wände derart mit hellen und dunklen Streifen, so dass die ungewollte Graffiti-Zierde im Tunnel, die sich kaum unterbinden lässt, nicht mehr auffällt.

Wie eine bewusste Wandgestaltung Schmierereien entgegenwirkt zeigt sich am wohl populärsten der drei Fußgängertunnel an Ringbahn-Stationen in Prenzlauer Berg: Die im Jahre 1962 eingefügte Passage zwischen S- und U-Bahnsteigen an der Schönhauser Allee erfreut die Menschen mit historischen Schwarz-Weiß-Bildern aus dem Stadtleben früherer Jahrzehnte. Im düsteren Tunnel an der Greifswalder-Straße wird man sich über Graffitischutz keine Sorgen machen müssen. Mit Zuschüttung des Durchgangs entfällt ganz einfach die sprühempfindliche Wand.