Bahnbrache

Pankower Tor: Krieger baut Holzkitas, Schulen und Galerie

Investor Kurt Krieger gibt Einigung beim Bau von 2000 Wohnungen und Schulen bekannt. Aber eine wichtige Frage bleibt.

Der große Rundlokschuppen auf der Bahnbrache des Pankower Tors ist gerettet. Aber die Nutzung ist noch offen.

Der große Rundlokschuppen auf der Bahnbrache des Pankower Tors ist gerettet. Aber die Nutzung ist noch offen.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Nach harten Schlussverhandlungen, die sich über Monate hinzogen, hat Investor Kurt Krieger den Durchbruch für die Aufstellung des Bebauungsplans für das Pankower Tor bekanntgegeben. Auf dem Gelände des früheren Güterbahnhofs Pankow ist der Weg nun frei für den Bau von 2000 Wohnungen. Davon kommen 30 Prozent mit geförderten Mieten besonders preisgünstig auf den Markt. Ein „wichtiger Meilenstein“, wie Krieger verkündete.

Neu sind folgende Abmachungen mit dem Bezirksamt Pankow: Krieger baut auch zwei Kindertagesstätten, die in Holzbauweise errichtet werden sollen, eine Grundschule auf dem Hauptteil des Areals und eine weiterführende Schule im Ostteil des Geländes. Dort befinden sich derzeit aber nach wie vor drei Eisenbahn-Denkmale, über die seit vielen Jahren auch gerichtlich gestritten wird.

Historischer Rundlokschuppen wird saniert und neu genutzt

„Derzeit wird von den Fachämtern geprüft, ob es möglich ist und was es braucht, um auf der Fläche östlich der Prenzlauer Promenade eine weiterführende Schule bauen zu können“, heißt es in der Mitteilung Kriegers. Damit liegt die Verantwortung bei den Denkmalschutzbehörden und dem Bezirksamt Pankow. Baustadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) hatte bereits vor Wochen eine Einigung angedeutet: „Herr Krieger hatte seine Bereitschaft erklärt, den Rundlokschuppen zu sanieren. Allerdings war das verknüpft mit einigen anderen Aspekten, unter anderem die Entscheidung des Bezirks, eine Schule auf der Ostfläche einzuordnen“, sagte Kuhn. Wie der sanierte Rundlokschuppen, das prägende Bauwerk auf der riesigen Brache, genutzt wird, ist noch offen.

Denkmalschutz versus Schulplatzmangel

Der Verbleib der beiden anderen Bahn-Denkmale, einem Halbrundschuppen aus der Gründer- und einem Wirtschaftsgebäude aus der DDR-Zeit, wird immer noch heftig diskutiert. Denn genau in diesem Bereich soll die neue Gemeinschaftsschule gebaut werden. Vom Rückkauf der Gebäude bis zum Abriss scheint alles möglich. In jedem Fall steht hier Denkmalschutz gegen Schulbedarf.

In allen anderen Punkten herrscht jetzt Konsens. Die Krieger Handel SE sicherte am Freitag zu, „alle Kosten, die direkte Folgen oder Voraussetzungen des Wohnbauvorhabens sind“, zu tragen. Dazu zählen beispielsweise die soziale, technische und grüne Infrastruktur am Pankower Tor. Ein Schwerpunkt liegt hier im Bereich des S- und U-Bahnhofs Pankow. Hier soll ein offen gestaltetes Stadtquartier mit einem Nutzungsmix aus Einzelhandel, Dienstleistungen, Wohnen und Büros sowie Flächen für eine bezirkliche Bibliothek und Galerie entstehen. Letztere will Krieger an den Bezirk vermieten.

Krieger halbiert Verkaufsfläche am Pankower Tor im Sinne von „Vielfalt im Quartier“

Voraussetzung für die Einigung war eine Reduzierung der zunächst geplanten Verkaufsflächen von 25.000 auf 12.500 Quadratmeter, was die Krieger Handel SE zugesteht. „Letztlich gibt es dadurch mehr öffentliche Nutzungen und Vielfalt im Quartier“, heißt es in der Stellungnahme des Investors. Die nächsten Schritte auf dem Weg zur Grundsteinlegung sind laut Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) bereits in Vorbereitung: Im März soll nun definitiv ein Werkstattverfahren starten, das sich wegen der harten Verhandlungen und immer neuen Rückschlägen um Monate verzögert hat. Im Rahmen einer Runde mit Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) und Kurt Krieger habe man bereits vor Weihnachten Absprachen für den Start des Workshops getroffen, sagt Benn.

Zugleich fasste das Bezirksamt den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan, der eine nochmalige Bürgerbeteiligung vorsieht. Ein erstes Verfahren hatte Krieger aus eigener Tasche bezahlt. Diesmal wird sich wohl auch entscheiden, welche Bestimmung dem Rundlokschuppen zukommt. Ideen sammeln zum Beispiel die Pankower Grünen schon seit Jahren – dabei reichte die Spanne vom Fahrradkaufhaus bis zum Atelier.

Verhandlungen mit Krieger zogen sich 13 Jahre hin

Was das Verfahren zur Planung des 34 Hektar großen Neubauquartiers zwischen dem noch größer konzipierten Zukunftsquartier mit bis zu 6000 Wohneinheiten, dem Blankenburger Süden, und den historischen Vierteln von Alt-Pankow noch bremsen kann, sind eine Reihe von Gutachten – etwa zu Umweltgegebenheiten und zur Mobilität. Zuletzt hatten alle Fraktion der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) sich darauf verständigt, das Verfahren für das Pankower Tor nicht behindern zu wollen. Krieger (71) kam persönlich zur Tagung und verlieh seiner Resignation nach dem 13 Jahre dauernden Streit um das Quartier auf persönliche Weise Ausdruck. „Ich kann nicht versprechen, dass ich ewig lebe“, bat er um Eile beim 500-Millionen-Euro-Projekt. Wenn beim Bebauungsplanverfahren nichts dazwischenkommt, muss er bis zur Grundsteinlegung nur noch zwei bis drei Jahre warten.