Industrie

Statt Bürgerstadt Buch: Pankow bietet Gewerbepark Tesla an

Auf einem Acker soll ein Industriegebiet mit S-Bahnhöfen und Autobahnanschluss entstehen. Ein Plan für 40.000 Wohnungen ist damit tot.

Im Herzen des Gebiets der Fläche der sogenannten Bürgerstadt Buch entstehen keine Wohnungen, sondern ein umweltfreundlicher Gewerbepark und ein S-Bahn-Werk.

Im Herzen des Gebiets der Fläche der sogenannten Bürgerstadt Buch entstehen keine Wohnungen, sondern ein umweltfreundlicher Gewerbepark und ein S-Bahn-Werk.

Foto: BM

Berlin. Ackerflächen in Pankow sind ein kostbares Gut, ihre Entwicklung bietet Stoff für politische Konflikte. Nun traf das Bezirksamt für ein Feld an der Autobahn A114 eine Entscheidung, die den Plan für 40.000 Wohnungen in der Bürgerstadt Buch endgültig durchkreuzt, aber Berlins Wirtschaft ein Industriegebiet verschafft, was es in der Form noch nicht gab. Im sogenannten Gewerbegebiet Buchholz-Nord zwischen Schönerlinder Straße und Bucher Straße – mitten im Gebiet der Bürgerstadt – entsteht möglicherweise das erste Null-Emissionen-Gewerbegebiet Berlins. Ein potenzieller Ankermieter: Tesla.

Pankow will Hightech-Firmen ansiedeln

„Das Forschungs- und Entwicklungszentrum von Tesla würde super passen“, erklärt der Planer Benjamin Otto, dessen Büro Empirica soeben das offizielle Entwicklungskonzept für den Park ausgearbeitet hat. Die Tesla-Ansiedlung setzt natürlich voraus, dass Elon Musk seine Ankündigung wahr macht und wirklich solch ein Zentrum in Berlin als Ergänzung zu einer möglichen Gigafactory in Grünheide errichtet. Auch wenn der amerikanische Elektroauto-Bauer nicht für den Standort zu gewinnen sein sollte, wird Pankow um andere national und international aufgestellte Hightech-Firmen im Gewerbegebiet Buchholz-Nord werben, wie Wirtschaftsstadträtin Rona Tietje (SPD) ankündigt.

Benjamin Otto: „Null-Emission-Gewerbepark wäre möglich“

Als Vorbild gilt laut Benjamin Otto der geplante Economy Park Oosterwolde, das nachhaltigste Gewerbegebiet Hollands. „Wir haben ein grünes, nachhaltiges Gewerbegebiet als Leitbild“, erklärt Otto den besonders umweltfreundlichen Schwerpunkt. „Es wäre hier sogar der Null-Emission-Gewerbepark möglich, der in Berlin zwar vorgesehen ist, aber noch nirgends umgesetzt wurde“, spekuliert er auf ein Alleinstellungsmerkmal.

In 30 Minuten zur Tesla-Gigafactory in Grünheide

Aber noch handelt es sich bei der künftigen Industrie-Vorzeigefläche zwischen Buchholz und Buch um einen landwirtschaftlich genutzten Acker. Trotz dieser eher bescheidenen Ausgangslage sind die Vorzeichen günstig: Das 190 Hektar große Areal der früheren Rieselfelder befindet sich vollständig im Besitz des Landes Berlin, was bereits Begehrlichkeiten für den Wohnungsbau weckte. Es ist über die Auffahrt Schönerlinder Straße direkt an die Autobahn A114 angebunden. In etwa 30 Minuten wäre man über die hier anschließende A10 in Grünheide am potenziellen Standort der Tesla-Gigafactory.

Zwei neue S-Bahnhöfe und ein S-Bahnwerk im Süden des Gebiets

Für modernes Gewerbe ebenso wichtig: Zwei neue S-Bahnhöfe an der Schönerlinder und der Bucher Straße sollen das Gebiet auf dem Schienenweg an die Berliner Innenstadt anbinden. Außerdem ist ein Teilstück des Gewerbegebiets Buchholz-Nord laut Otto für den Bau eines neuen S-Bahnwerks reserviert. Das war bereits aus den Unterlagen des Senats für die Ausschreibung des Berliner S-Bahnring bekannt geworden. Ein neues Werk für die Wartung der Züge kann im Gewerbepark problemlos mit anderen Nutzungsarten einhergehen.

Infrastruktur für die wachsende Stadt braucht einen Standort

Laut Auskunft von Pankows Wirtschaftsstadträtin Rona Tietje lässt sich das Gebiet in der Zeit von 2020 bis 2025 schrittweise entwickeln und kommt für jede Art von nachhaltigem Gewerbe infrage. „Nur große Logistik sehen wir skeptisch“, nennt sie eine Einschränkung. Weil der Norden Berlins und das anschließende Umland in Brandenburg massiv wachsen, brauche man hier dringend neue Infrastrukturbetriebe wie zum Beispiel Entsorger. Bei direkten Verhandlungen mit Tesla über einen Standort in Berlin wird Pankow allerdings keine Mitsprache haben. „Auf jedem Fall wäre Tesla als Ankermieter toll“, sagt Tietje.

Tesla könnte auch in die Urban-Tech-Republic ziehen

Laut Auskunft der Senatswirtschaftsverwaltung führt Berlin Partnergespräche mit den Amerikanern. Einen aktuellen Informationsstand wolle man noch nicht mitteilen, hieß es auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Als aussichtsreiche Gebiete neben dem neuen Gewerbegebiet Buchholz-Nord in Pankow gelten die künftige Urban-Tech-Republic auf dem Gelände des Flughafens Tegel, der Clean-Tech Businesspark in Marzahn-Hellersdorf oder der Technologiepark Adlershof. Ein zweiter potenzieller Standort in Pankow, der Campus Buch, wäre laut Stadträtin Tietje zu klein – seine Erweiterung ist bereits durchgeplant und kommt eher Betrieben für Medizintechnik entgegen.

Pläne für Bürgerstadt Buch mit 40.000 Wohnungen stießen auf breite Ablehnung

Wenn weitere große Technologiefirmen nach Pankow kommen, wird die Entscheidung also auf Buchholz-Nord fallen. Mit der Weichenstellung für die früheren Rieselfelder enden die Überlegungen für die Bürgerstadt auf eben diesem Gelände. Auch wenn eine SPD-nahe Projektgruppe mit einem Plan für 40.000 Wohnungen im Sommer Aufsehen erregt hatte – in der Pankower Bezirkspolitik war das Vorhaben schon seit vielen Jahren kein Thema mehr.

Weder Linke, CDU noch die Bezirks-SPD hießen die Vorstellung eines riesigen neuen Quartiers gut. Denn die wesentlichen Flächen der Bürgerstadt waren längst für Naturschutz- und Gewerbegebiete verplant. Und die Verkehrsanbindung für rund 100.000 neue Bewohner wäre auch nicht zu leisten gewesen, lautete einhellig der Tenor. Nun zeigt sich die eigentliche Bestimmung des Gebiets.

Hunderte Wohnungen entstehen im Umfeld des Gewerbegebiets Buchholz-Nord

Hunderte Wohnungen werden laut Baustadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) trotzdem gebaut. „Es gibt Potenziale in der Nähe, etwa in der Ludwig-Quidde-Straße, im Gebiet der Schäferei und in Buch und auf der gesamten Achse von Pankow nach Wandlitz. Auch in Brandenburg wird massiv gebaut“, betont Kuhn. Mit dem neuen Hightech-Park fügt sich ein anderes Teil des Puzzles ein: Für die künftigen Bewohner ergibt sich die Aussicht auf besonders gut bezahlte Jobs.