Abriss von Denkmälern

Pankower Tor: Lokschuppen können Schule weichen

Um das Großprojekt Pankower Tor mit 2000 Wohnungen zu ermöglichen, wollen Bezirkspolitiker nun Baudenkmäler opfern.

Streitobjekt: Der Rundlokschuppen steht den Projekt mit 2000 Wohnungen im Weg - meint der Investor.

Streitobjekt: Der Rundlokschuppen steht den Projekt mit 2000 Wohnungen im Weg - meint der Investor.

Foto: Thomas Schubert

Zur Frage nach dem Abriss oder Erhalt der historischen Bahngebäude am S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf führte das Bezirksamt gegen den Investor Kurt Krieger einen Prozess. Und sorgte mit einem Gerichtsurteil Anfang 2019 dafür, dass zumindest der große Rundlokschuppen erhalten bleiben muss. Allerdings erwies sich die Standortsuche für eine Gemeinschaftschule für das neue Quartier mit 2000 Wohnungen inzwischen als sehr problematisch. Jetzt scheint auf dem riesigen Areal nur noch der Standort der Lokschuppen für den Lernort in Frage zu kommen. Deshalb kam es am Mittwochabend zur politischen Kehrtwende. Mit gravierenden Konsequenzen.

Pankow muss Abriss der Lokschuppen am Pankower Tor nicht mehr verhindern

Die Pankower Bezirksverordneten haben einen Antrag der SPD-Fraktion beschlossen, wonach das Bezirksamt den Abriss des großen Rundlokschuppens, des kleineren Ringlokschuppens und des Wirtschaftsgebäudes aus der DDR-Zeit nicht mehr verhindern muss – trotz Denkmalschutz.

Damit wäre die alte Forderung des Investors Kurt Krieger erfüllt und der Weg für die Aufstellung eines Bebauungsplanbeschlusses für das Großquartier mit Einzelhandelsflächen und Möbelhaus endgültig frei. Auch wenn es bedeutet, die historischen Bauten des alten Güterbahnhofs Pankow, die in den bisherigen Ideenwettbewerben als Kaufhäuser und Kulturorte gehandelt wurden, zu opfern.

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Kurt Krieger darf über die Lokschuppen verfügen

„Für die dringend benötigte Gemeinschaftsschule wird die in der Grundsatzvereinbarung mit der Firma Krieger Handel SE mit ,F’ bezeichnete Fläche östlich der Prenzlauer Promenade als Standort vorgesehen“, heißt es im Antrag der SPD. Im Amtsdeutsch wird damit das bisherige Tabu gebrochen. Das heißt: Wenn es tatsächlich keine andere Lösung für den Schulstandort geben sollte, dürfte Krieger über die Gebäude in der Fläche „F“, wo die Lokschuppen stehen, frei verfügen. Denn an der Schulfrage droht das gesamte Projekt zu scheitern.

Der Möbelunternehmer war durch den Gerichtsbeschluss ohnehin nur verpflichtet, den großen Rundlokschuppen und das DDR-Gebäude vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Eine teure Neunutzung war nicht vorgesehen, hatten Vertreter der Firma Krieger ein ums andere Mal betont.

Bei einem Besuch in der Bezirksverordnetenversammlung im November hatte Kurt Krieger dringend um eine Abrissgenehmigung gebeten und dabei sogar auf seinen Gesundheitszustand verwiesen: „Ich bin 71 und kann Ihnen nicht versprechen, dass ich ewig lebe“, sagte der Unternehmer, der am Pankower Tor 500 Millionen Euro in das neue Quartier investieren will.

Bezirksamt Pankow muss entscheiden

Zum jetzigen Beschluss des SPD-Antrags in der BVV sagte der Fraktionsvorsitzende Roland Schröder: „Die Debatte muss endlich zu Ende gehen. Wir sind nun optimistisch, dass wir im Januar oder Februar einen Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan vorliegen haben.“ Damit liegt der Ball nun beim Bezirksamt Pankow.