Prenzlauer Berg

Pankow verbannt Hunde zum Wohle von Kindern

Immer mehr Orte werden zu Spielplätzen erklärt – dann sind Hunde dort nicht erlaubt. Halter reagieren empört. Und umgehen das Verbot.

Ein Platz für Kinder und Hunde: Die Initiative "Hunde in den Park" schlägt vor, dass Flächen zeitlich versetzt als Spielplatz und Hundeauslaufgebiet genutzt werden sollen. Doch Pankow lehnt ab.

Ein Platz für Kinder und Hunde: Die Initiative "Hunde in den Park" schlägt vor, dass Flächen zeitlich versetzt als Spielplatz und Hundeauslaufgebiet genutzt werden sollen. Doch Pankow lehnt ab.

Foto: Hunde in den Park / BM

Berlin. Es gibt in Berlin so manche Familien, die der Ansicht sind, dass Kinder und Hunde an den selben Orten spielen dürfen. Im Bezirksamt Pankow teilt man diese Auffassung allerdings nicht. An immer mehr belebten öffentlichen Plätzen setzt das Straßen- und Grünflächenamt aus hygienischen Gründen eine Anordnung um, wonach Hunde den Bereichen fernbleiben müssen. Gleichgültig ob sie angeleint sind und ihre Halter die Häufchen forträumen.

Nachdem Pankow im Leise-Park, einem umgewidmeten Friedhof im Süden von Prenzlauer Berg, ein Hundeverbot verfügt hat – mit dem Argument, dass diese Anlage als Spielplatz gilt –, trifft die gleiche Entscheidung nun weitere Orte im kinder- und hundereichen Stadtteil. So müssen die Vierbeiner zugunsten von Knirpsen zum Beispiel auch vom frisch sanierten Fröbelplatz, vom Helmholtzplatz und dem Gelände am Wasserturm im Kollwitzkiez fernbleiben. All diese Bereiche werden mit Spielplätzen gleichgesetzt. Aus Sicht des verantwortlichen Stadtrats Vollrad Kuhn (Grüne) stützt sich diese Handhabung auf Regeln, die schon lange gelten.

Hunde in Pankow: Unbekannte haben Schilder für das Verbot geschwärzt

„Gemäß Grünanlagengesetz gilt für Hunde ein Leinenzwang, sowie auf Grundlage des Kinderspielplatzgesetzes ein Hundeverbot für Spielplätze. Liegt innerhalb einer Grünanlage ein Kinderspielbereich, der nicht separat durch einen Zaun abgegrenzt ist, gilt das Hundeverbot für die gesamte umzäunte Grünanlage“, beschreibt Kuhn die Situation.

Aus Behördensicht mag diese Interpretation von Gesetzen zutreffend sein – die Hundehalten aus Prenzlauer Berg versetzt sie in Aufruhr. „Wir sind verzweifelt, fühlen uns kriminalisiert, ja diskriminiert. Wir zahlen Steuern und können morgens mit dem Hund nirgendwo hingehen“, klagt Anwohnerin Agnieszka Klement. Bereits nach der Verbannung von Hunden aus dem Leise-Park, der in seiner ganzen Ausdehnung einen Spielplatz darstellen soll, hatte sich eine neue Initiative formiert. Ihr Name ist Programm: „Hunde in den Park“.

Nun erfasst der Streit auch den Wasserturmplatz, wo der Bezirk das gleiche Problem erkennt. „Das Hochplateau liegt als erhabene Fläche innerhalb von zwei umgebenden Spielflächen. Für den Zugang muss man erst eine der Spielflächen queren, das heißt, den Spielplatz mit Hund betreten, um zu einem der Zugänge zum Hochplateau zu kommen“, stellt Stadtrat Kuhn fest. Ein solches Hundeverbot sei im Grunde nicht neu, sondern nur durch eine zusätzliche Beschilderung an den Zugängen zum Plateau noch einmal verdeutlicht worden.

Kommentar: Die Verbannung von Hunden in Pankow ist nicht umzusetzen

Mit der Ausgrenzung der Vierbeiner vom Plateau des Wasserturms sehen die Hundefreunde eine neue Eskalationsstufe erreicht. Sie meinen: Der ungelöste Konflikt aus dem Leise-Park werde nun auf weitere Orte ausgedehnt. „Es wird immer auf die Gesundheitsgefahr verwiesen, die von Hunden ausgeht. Was ist mit den im Park lebenden, sterbenden, kotenden Füchsen, Raten, Mäusen und anderen wilden Tieren?“, wundert sich Agnieszka Klement. Was die Initiative besonders stört, sind die riesigen Verbotsschilder, die am Wasserturm ganz unvermittelt von der neuen Situation kündeten.

Auch die Kontrollen des Ordnungsamts empfinden viele Hundehalter als Schikane. Stadtrat Daniel Krüger (für AfD) bestätigt, dass Überprüfungen des Verbots stattfinden. Allerdings nicht schwerpunktmäßig, sondern nur im Rahmen des üblichen Streifendienstes. Krüger betont außerdem: „Die Kollegen des Ordnungsdienstes handeln mit Augenmaß.“

Am Mittwochmorgen spazierten fünf angeleinte Hunde, unbehelligt von Kontrolleuren, gleichzeitig über das Plateau am Wasserturm. Alle Halter zweifeln an, dass ein Verbot überhaupt existiert. Was wohl auch daran liegen mag, dass inzwischen alle Schilder entweder abmontiert oder mit schwarzer Farbe übersprüht wurden. Ob und wann sie der Bezirk wieder kenntlich macht, war am Mittwoch nicht zu klären.

Zahlreiche Spielplätze wegen mangelnder Wartung gesperrt

Was dem Konflikt Brisanz gibt, ist ein doppelter Mangel. Denn in Pankow sind zahlreiche Spielplätze wegen fehlender Wartung in den vergangenen Jahren teilweise oder ganz gesperrt. Noch schlimmer trifft es Hundehalter, die ihre Vierbeiner legal umhertollen lassen wollen. Dafür existieren im Bezirk lediglich zwei Auslaufgebiete: Eines am Mauerpark und eines ganz im Norden an der Arkenbergen.

Auch deshalb brachten die Hundehalter zuletzt für den Leise-Park einen Kompromissvorschlag ins Spiel: Die Grünanlage soll im zeitlichen Wechsel Kindern und Hunden zur Verfügung stehen. Eine Idee, der das Bezirksamt nun aber eine Absage erteilt: „Der Leise-Park ist für die Kinder der Heinrich-Roller-Schule und der nahen Kitas als Spielplatz- und Auslauffläche sehr wichtig und wurde deshalb auch nicht für Hunde zugelassen“, lässt Stadtrat Kuhn ausrichten. „Angesichts der möglichen Gefährdungen und Verunreinigungen durch Hunde bleiben wir bei der schon lange gültigen Festlegung.“

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