Stadtentwicklung in Berlin

Online-Riesen ziehen in Schlachthof an Landsberger Allee

Das Gewerbequartier eröffnet 2021, der Investor präsentiert erste Mieter. Wo früher Schweinehälften hingen, sitzen bald Programmierer.

Schreibtische statt Schlachtbänke: Das Projekt „Dstrct“ gibt der letzten Brache des Schlachthofs an der Landsberger Allee eine neue Bestimmung.

Schreibtische statt Schlachtbänke: Das Projekt „Dstrct“ gibt der letzten Brache des Schlachthofs an der Landsberger Allee eine neue Bestimmung.

Foto: Promo / BM

Die ersten Dächer sind neu gedeckt, die ersten Namen von Mietern im alten Schlachthof bekannt: Strato und Ionos, zwei Internetunternehmen mit Zehntausenden Kunden beziehen zur Fertigstellung des Projekts „Dstrct“ ab 2021 Räume an den generalsanierten früheren Gemäuern der Fleischerindustrie. Zum Richtfest gab der slowakische Investor HB Reavis jetzt erstmal detaillierte Einblicke in die Zukunft des Areals an der Landsberger Allee. Es ist der letzte Bestandteil des alten Viehhofs, der eine moderne Bestimmung bekommt. Und dass der Neustart gelingt, war lange Zeit ungewiss.

Gelände schien nach einem Großbrand verloren

Nach erheblichem Widerstand aus der Nachbarschaft gegen den ursprünglichen Plan zur Umfunktionierung der Hallen in ein Einkaufscenter und nach einem Großbrand im April 2018 schien das Gelände wieder dem Verfall preisgegeben. Dann unternahm der Projektentwickler HB Reavis einen neuen Anlauf – mit dem Ziel, die rund 50.000 Quadratmeter große Fläche am S-Bahnhof Landsberger Allee als neuen Büro- und Gewerbestandort mit kreativem Einschlag neu zu beleben. Schon die Projektbezeichnung „Dstrct“ verweist auf ein großes Vorbild in New York City: Hier mauserte sich der Meatpacking District vor Jahren vom Fleischerviertel zum modernen Quartier mit Geschäften und Büros.

Online-Unternehmen lassen 650 Mitarbeiter einziehen

Jetzt ist klar: 650 Mitarbeiter von Strato und Ionos ziehen an der Landsberger Allee in einen Büroneubau, der hinter den früheren Schlachthallen entsteht. Bei der Strato AG handelt es sich um einen Internetdienstanbieter, der bereits seinen Hauptsitz in Berlin hat und zur Unternehmensgruppe United Internet gehört. Der Betrieb hat nach eigenen Angaben über 2 Millionen Kundenverträge und betreibt etwa 4 Millionen Internet-Domains mit 70.000 Servern. Auch Ionos als Ableger der Gesellschaft „1&1“ ist United Internet angeschlossen und verdient sein Geld als Internetdienstanbieter.

Maßgebend für das Gewerbequartier sollen die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter sein. „Schon vor dem Einzug berät und unterstützt das multidisziplinäre Team von Origameo, eine Marke von HB Reavis, die künftigen Mieter bei der das Wohlbefinden der Menschen stärkenden Gestaltung und Organisation der Räume“, kündigt der Investor in seiner neuen Projektbeschreibung an. Der Investor will die Standards auch offiziell belegen und strebt die Zertifikate „Well-building standard Gold“, „DGNB Gold und „Wired-score Platin“ an.

Foodmarket soll in Viehauktionshalle eröffnen

In einer historischen Viehauktionshalle sei ein Foodmarket geplant, der die Angebote von Cafés und Restaurants abrunden soll. Neben einer gesunden Arbeitsatmosphäre gibt es noch einen zweiten Schwerpunkt: Die Nachbarschaft im Drei-Bezirke-Eck zwischen Pankow, Lichtenberg und Friedrichshain-Kreuzberg soll das Gelände als Teil des Kiezes erleben. Denn der Investor hat aus der konfliktreichen Vorgeschichte gelernt und will die neue Situation offener kommunizieren als es zuvor bei der Planung einer Mall gegen den Willen der Anwohner der Fall war. Am „Tag des Nachbarn“ im Frühling habe im Rahmen eines Kiezspaziergang bereits ein „reger, direkter Austausch“ mit Nachbarn stattgefunden, heißt es von HB Reavis.

So ergibt sich auch das Motto für das Projekt: „Work. Eat. Meet“ – ein Wortspiel, das auf die englische Vokabel „Meat“ (Fleisch) anspielt und damit auf die Vergangenheit der Schlachthallen. Auch wenn es hier durchaus Gastronomie geben soll – das Fleischerbeil wetzt künftig niemand mehr.