Boykottaufruf

Antifa nannte Wirt Nazi: Finnische Kneipe gibt auf

In der Bryggeri Helsinki floss finnisches Bier. Nun hat der angeblich rechtsextreme Wirt das Lokal geschlossen. Er spricht von Rufmord.

Zapfhahn zu, Stühle leer: Die Bryggeri Helsinki an der Raumerstraße hat überraschend geschlossen. Der Wirt gibt einer Kampagnen von linken Gruppen die Schuld.

Zapfhahn zu, Stühle leer: Die Bryggeri Helsinki an der Raumerstraße hat überraschend geschlossen. Der Wirt gibt einer Kampagnen von linken Gruppen die Schuld.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Die Barhocker sind verwaist, Teile der Theke abgebaut. In der Deutschlandniederlassung der bekannten Bryggeri Helsinki aus Finnland wird nie wieder Craftbier fließen. Das Ecklokal an der Raumerstraße in Prenzlauer Berg wird wohl in Kürze eine neue Bestimmung finden. Es war der Ort, in dem sich ein Konflikt zwischen linken Gruppierungen und einem Mann entlud, der als Vorsitzender eines Vereins wirkte. Einem Zusammenschluss, dem seine Gegner vorwerfen, die Gräueltaten der SS zu verherrlichen. Dieser Mann heißt Pekka Kääriäinen, ist der Eigentümer der Kneipe – und bestreitet alle Vorwürfe bis heute. Aber dem Boykottaufruf, der immer wieder gegen sein Lokal vorgebracht wurde, hatte er nichts entgegenzusetzen.

Viele Kneipenbesucher folgten dem Boykottaufruf

„Die vielen negativen Einträge bei Facebook und die Flugblätter gegen uns haben so einen Einfluss gehabt, dass wir sehr viele Kunden verloren haben“, sagte Kääriäinen in einem Telefonat mit der Berliner Morgenpost. „Schon im Frühling lief es sehr schlecht. Wir haben dann nur geschaut, ob sich die Lage über den Sommer bessert oder nicht.“ Als die Kundschaft weiter ausblieb, gab es für die letzten Unterstützer eine Freibierparty Mitte September. Und dann war die Bryggeri Helsinki zu. „Uns blieb gar nichts anderes übrig als zu schließen“, sagt der Wirt. Für ihn ist die Angelegenheit ein klarer Fall von Rufmord.

„Kein Bier von, für und mit Nazi-Fans“

Der Anfang vom Ende kam im März. Damals verteilte die Aktivisten des „Berliner Bündnis gegen Rechts“ (BBgR) in Prenzlauer Berg rund 3000 Flugblätter mit der Bitte, die Kneipe zu boykottieren. Das Motto: „Kein Bier von, für und mit Nazi-Fans“. Als Grund für die Brandmarkung des Lokals als Nazi-Kneipe gab das Bündnis Pekka Kääriäinen Aktivitäten im Verein „Brüderhilfe“ an, der auf Finnisch „Veljesapu-Perinneyhdistys ry“ heißt und bei dem es sich laut des Bündnisses um einen Traditionsverband der Freiwilligenverbände der Waffen-SS handeln soll.

Das BBgR führte als Beleg für einen rechtsextremen Hintergrund des Vereins auch eine frühere Gestaltung seiner Internetseiten an. Sie beinhaltete zwischenzeitlich Runen, die in rechtsextremen Kreisen gern gezeigt werden. Nicht lange nach dem Start des Kampfs gegen Kääriäinen und seine Kneipe meldete das BBgR auf seiner Internetseite erste Erfolge.

Antifa besprühte finnische Kneipe mit rosa Farbe

„Der Druck auf den Geschäftsführer der Brauerei und Kneipe Bryggeri Helsinki zeigt Wirkung. Herr Kääriäinen hat nach eigenen Angaben nicht nur den Vorsitz des SS-Traditionsvereins abgegeben, sondern ist auch nicht mehr Geschäftsführer von Bryggeri Helsinki. Das ist ein politischer Erfolg!“, lautet ein Eintrag. Tatsächlich hatte Kääriäinen die Geschäftsführung einer anderen Finnin übergeben, um das Lokal aus der Schusslinie zu nehmen, wie er sagt. Doch auch die Berliner Antifa nahm die Bryggeri ins Visier und lancierte einen Anschlag mit rosa Farbe, der dann online mit einem Foto dokumentiert wurde. „Der Verein ehrt das Andenken an die aus rund 1400 freiwilligen Soldaten bestehende 'Wiking'-Division, in der auch schon Kääriäinen Vater diente“, schrieb dazu die Antifa mit dem Hinweis auf die Aktivitäten Kääriäinens.

Kääriäinen streitet rechte Gesinnung der „Brüderhilfe“ weiter ab

Dass er nach einer Amtszeit von rund zehn Jahren nicht mehr Präsident des Vereins ist, gibt der Wirt im Gespräch mit der Morgenpost offen zu. „Das war eine normale Vorstandswahl, bei der eben ein anderer Vorsitzender gewählt gewählt wurde“, beschreibt Kääriäinen diese Zäsur. Bis heute streitet er ab, dass der Verein eine rechtsextreme Gesinnung hat – dies beruhe auf einem Missverständnis und sei nur eine Interpretation von linksextremen Gruppen. „Es wurden so viele falsche Informationen verbreitet – wer mir nicht glauben will, den werde ich nicht überzeugen können“, zeigt er sich resigniert.

Wirt kehrt Berlin wohl für immer den Rücken

Vielmehr handle es sich bei der „Brüderhilfe“ um einen neutralen Veteranenverein, der Kriegsgeschädigte versorgt. Tatsächlich habe es in Finnland während des Zweiten Weltkriegs Freiwilligenbataillone gegeben, die laut Kääriäinen halfen, die Unabhängigkeit Finnlands zu wahren. Berlin hat der Wirt den Rücken gekehrt. Er weilt in Finnland und hält eine Rückkehr seiner Kneipe in der deutschen Hauptstadt für unwahrscheinlich.

Berliner Bündnis gegen Rechts mit Kneipenschließung zufrieden

Das Berliner Bündnis gegen Rechts, das die Kampagne gegen die Bryggeri Helsinki vorantrieb, zeigt sich mit dem Ergebnis der Schließung zufrieden und hält an seiner Darstellung fest. „Mit unserer Öffentlichkeitsarbeit zum Geschäftsführer und Vorsitzenden des SS-Traditionsvereins ,Veljesapu-Perinneyhdistys ry’, Herrn Pekka Kääriäinen, wollten wir verhindern, dass das Geld, das mit der Bryggerie verdient wird, den SS-Verein finanziert. Deshalb haben wir dazu aufgerufen, kein Bier in der Kneipe zu trinken“, schreibt ein Sprecher auf Anfrage der Morgenpost.

Die Zapfhähne – das zeigt der Blick ins Fenster der finnischen Kneipe – sind versiegt.