Stadtentwicklung

Pankower protestieren mit Sternmarsch gegen Großprojekte

Initiativen fordern Lösung der Verkehrsprobleme und eine Gesamtbetrachtung der Neubaugebiete mit über 10.000 Wohnungen.

Im nächsten Jahrzehnt entstehen im Nordosten Pankows mehrere neue Quartiere, die aus Sicht der Anwohner eine völlig neue Verkehrsinfrastruktur erfordern.

Im nächsten Jahrzehnt entstehen im Nordosten Pankows mehrere neue Quartiere, die aus Sicht der Anwohner eine völlig neue Verkehrsinfrastruktur erfordern.

Foto: McPHOTOvia www.imago-images.de / imago images / McPHOTO

Berlin. Dass Pankow in etwa zehn Jahren die 460.000 Einwohner-Marke durchbrechen wird, liegt vor allem an den Plänen für den Nordosten des Bezirks. Die Liste der Planungen ist lang und umfangreich wie in keinem anderen Teil Berlins. Vom Blankenburger Süden mit bis zu 6000 zu Wohnungen über die Elisabeth-Aue mit etwa 5000 Einheiten bis hin zu den Entwicklungsgebieten in Karow und Buch mit jeweils über 3000 Wohnungen reicht die Spanne der Projekte, die in den 2020er Jahren zur Grundsteinlegung kommen sollen.

Initiativen aus Pankow marschieren zum Dorfanger in Blankenburg

Selten debattiert wird die zusätzliche Nachverdichtung in Heinersdorf, Französisch Buchholz und Weißensee. Neuerdings forcieren SPD-nahe Gruppen dafür Pläne für die Bürgerstadt Buch, mit der eine 40.000 Wohnungen große Trabantenstadt entstehen würde. In der Pankower Bezirkspolitik wollen das aber weder CDU, Grüne noch Linke.

Wie groß der Druck auf Pankow lastet, zeigt sich bei den Demonstrationen gegen die Neubauvorhaben, die inzwischen regelmäßig stattfinden. Am Donnerstag, 26. September, planen Anwohnerinitiativen aus verschiedenen Teilen des Bezirks nun einen Sternmarsch zum Blankenburger Dorfanger. Laut Ines Landgraf von den Siedlerfreunden der Anlage Blankenburg starten die Protestzüge gegen 16.30 Uhr aus vier Richtungen und kommen gegen 18 Uhr zu einer Abschlusskundgebung zusammen. „Es wird zu Verkehrsbeeinträchtigungen kommen“, warnt der Zusammenschluss von Initiativen in seiner Ankündigung des Sternmarschs.

Lösung für „unhaltbares Verkehrschaos“ gefordert

Landgraf nennt politische Forderungen, die in ähnlicher Form auch von einem neuen Zusammenschluss aus 17 Pankower Initiativen seit Wochen immer wieder vorgetragen werden: Die Aktivisten wollen „eine Lösung des unhaltbaren Verkehrschaos durch sinnvolle Ertüchtigung von neuralgischen Verkehrsknotenpunkten mit allen Fachplanern und zuständigen Senatsverwaltungen“ und eine Gesamtbetrachtung aller Bauvorhaben im Nordosten von Pankow. Bislang würden die verschiedenen Großprojekte einzeln betrachtet – auch verkehrliche und bauliche Belange seien meist unabhängig voneinander eine Thema.

Autofahrer in Pankow müssen mit langen Staus rechnen

Neben den Siedlerfreunden der Anlage Blankenburg wollen der örtliche Bürgerverein Stadtentwicklung, die evangelische Kirchgemeinde, die freiwillige Feuerwehr, die Bürgerinitiative Buchholz-Ost, die Bürgerinitiative Karow, die Bürgerinitiative Berlin Nord Ost, der Verein Gesund leben an der Schiene und die Bürgerinitiative Pro Malchower Luch aufmarschieren.

Autofahrer müssen am Donnerstag in weiten Teilen von Pankow mit massiven Verkehrsbehinderungen rechnen. Denn zum Sternmarsch kommt parallel eine zweite Veranstaltung hinzu: In der Wackenbergstraße in Niederschönhausen planen Anwohner einen Sitzstreik, um gegen Lastwagen zu protestieren, die sich ihren Weg durch das Wohngebiet suchen.