Posse in Prenzlauer Berg

Bäcker drohte 25.000 Euro Strafe – wegen großer Buchstaben

Karsten Greve schrieb die Gewichtsangabe „kg“ für Kilogramm bislang groß. Doch dann schritt das Landesamt für Messwesen ein.

Kuriose Korrektur: Bäcker Karsten Greve schreibt die Gewichtsangabe Kilogramm wegen einer möglichen Strafzahlung jetzt klein. Ärger droht ihm nun wegen seiner nostalgischen Dekoration: die Wage rechts im Bild ist nicht geeicht.

Kuriose Korrektur: Bäcker Karsten Greve schreibt die Gewichtsangabe Kilogramm wegen einer möglichen Strafzahlung jetzt klein. Ärger droht ihm nun wegen seiner nostalgischen Dekoration: die Wage rechts im Bild ist nicht geeicht.

Foto: Thomas Schubert

Am Ende nahm er dann doch lieber einen Lappen und wischte die Buchstaben aus. Bis zu 25.000 Euro Strafe sollte Bäcker Karsten Greve nach eigenen Angaben zahlen, weil er die Abkürzung „kg“ für Kilogramm auf seiner Preistafel bislang groß schrieb – so wie alle Buchstaben auf dem schwarzen Brett des Ladens „100 Brote“ im Bötzowviertel. Die Kontrolleure belehrten ihn eines Besseren.

„Das könnte Kunden irritieren“, nennt der Eigentümer den Satz, den er bei einer Kontrolle des Landesamts für Eich- und Messwesen Berlin-Brandenburg zu hören bekam. Die Abkürzung „kg“ müsse klein geschrieben werden, verlangten die Kontrolleure. Erst dachte Greve an einen Scherz. Aber das Amt blieb hart – und nannte eine erstaunliche Begründung.

Verwechslungsgefahr für Bäckerkunden

Man könne die Gewichtsangaben, wenn sie groß geschrieben werden, mit den Maßeinheiten Kelvin und Gauß verwechseln, sei ihm gesagt worden. In Kombination stünden das große K und das große G für die Gesellschaftsform Kommanditgesellschaft. So oder so – die Angabe sei physikalisch falsch. „Die Kontrolleure haben ja recht. Eine richtige Angabe ist gesetzlich vorgeschrieben“, zeigt der Bäcker Einsicht.

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„Aber jedes Amt hat auch einen Ermessensspielraum. Und welcher Kunde denkt denn ernsthaft, dass ich hier Kommanditgesellschaften verkaufe? Ich bin doch bloß ein kleiner Brotladen.“ Um die Strafzahlung zu vermeiden und sein Geschäft zu schützen, hat Greve die Tafel am Montag berichtigt. Jetzt weist die Tafel das Gewicht des Brots mit „kg“ aus. So, wie es sein soll: klein geschrieben.

Senatsverwaltung für Wirtschaft spricht von unüblichem Vorgang

In der Senatsverwaltung für Wirtschaft, der das Amt für Messwesen unterstellt ist, sorgte der geschilderte Hergang der Kontrolle für Verwunderung. Eine Sprecherin sagte am Dienstag auf Anfrage der Berliner Morgenpost, dass dieses Vorgehen, vor allem mit der Androhung einer hohen Geldstrafe, unüblich sei. Man habe beim Messamt Erkundigungen eingeleitet und wolle den Vorgang genauer prüfen.

Auf der Internetseite der Senatswirtschaftsverwaltung wird das Amt als „gemeinsame Vollzugbehörde der Länder Berlin und Brandenburg für die gesetzliche Überwachung der Richtigkeit von Messergebnissen, von denen die Verbraucherinnen und Verbraucher und die Unternehmen betroffen sind“ beschrieben.

Im Fokus seien Messgeräte im Einzelhandel, an Tankstellen und im Straßenverkehr, Verbrauchsmessgeräte für Elektrizität, Gas, Wasser und Wärme sowie die Qualitätssicherung in medizinischen Laboratorien.

Ärger wegen nicht geeichter Dekoration

Bäcker Karsten Greve weiß, dass auch seine Messgeräte auf der Prüfliste stehen. Denn er habe schon mit der nächsten Beanstandung zu kämpfen. Eine nostalgische Waage, die in der Bäckerei nur zu dekorativen Zwecken ausgestellt ist, sei einer Prüfung unterzogen worden. Das Ergebnis: Sie ist nicht richtig geeicht. Das Messamt befürchte deshalb Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung. „Die haben sich sogar die Seriennummer der Waage aufgeschrieben“, staunt Greve.

Diese zweite Aktion scheint ihm so abstrus, dass er die Behebung des Mangels verweigert. Aus Trotz stellte er auch noch eine zweite historische Waage auf, die ebenfalls nicht geeicht ist und keinen anderen Zweck erfüllt, als alt auszusehen. Beim nächsten Kontrollgang ist Ärger also garantiert.