Denkmal verkauft

Australische Botschaft: Kunsthaus in Pankow weicht Schule

Die letzten Künstler räumen das denkmalgeschützte Diplomatengebäude. Jetzt übernimmt hier der Humanistische Verband.

Lernort für Kinder statt Kunsthaus: Der früheren australischen Botschaft der DDR steht eine neue Nutzung bevor.

Lernort für Kinder statt Kunsthaus: Der früheren australischen Botschaft der DDR steht eine neue Nutzung bevor.

Foto: Thomas Schubert

Sie hatten monatelang verhandelt, sogar Pläne für den Aufkauf der früheren australischen Botschaft der DDR geschmiedet, manche hatten auch nach dem Ende ihrer Mietverträge in den Studios ausgeharrt – aber jetzt haben die Künstler den Poker um die Zukunft des Baudenkmals verloren. Das frühere Diplomatengebäude an der Grabbeallee in Niederschönhausen ist verkauft.

Es wird sich nun nicht mehr in eine Residenz mit hochwertigen Eigentumswohnungen verwandeln, wie es der bisherige Besitzer, die Immobilienfirma Prexxot, geplant hatte. Es wird aber auch für die Kunst nicht mehr länger zur Verfügung stehen, wie es die Gemeinschaft der Kreativen sich unter einem neuen Eigentümer erhofft hätte.

Auch die Versuche, das Haus für einen Kaufpreis von etwa 8,5 Millionen Euro zu übernehmen, waren vergeblich, obwohl man nach eigenen Angaben zwei Drittel der Summe schon beisammen hatte. Die Zwischennutzung als Kunstort ist zu Ende.

Bezirk prüft Nutzung von Leichenhalle als Atelierfläche

Neuer Eigentümer ist der Humanistische Verband Berlin Brandenburg. Und der will in der australischen Botschaft eine Kita und eine Privatschule in freier Trägerschaft eröffnen. Details zu möglichen Umbaumaßnahmen und zu einem Eröffnungstermin von Kita und Schule sind noch nicht bekannt.

Zugleich sieht Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke), der auch für Kulturangelegenheiten verantwortlich ist, momentan kaum Chancen, den Künstlern eine Ersatzfläche zu verschaffen. „Der Bezirk hat keine ungenutzten Räume und kann auch keine zukaufen“, sagte er auf Anfrage seiner Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung.

Auf dem Gelände des Bezirksamts in Prenzlauer Berg, dessen Gründerzeitgebäude derzeit grundlegend saniert werden, könnten aber in näherer Zukunft Räume frei werden, die sich als Ateliers nutzen lassen. Etwas makaber wirkt noch eine weitere Option auf diesem Areal. Laut Sören Benn prüft der Bezirk eine „kulturelle Nachnutzung“ der Leichenaufbewahrungshalle in der Fröbelstraße 17.