Wohnungsbau

Pankower Tor: Anwohner befürchten Verkehrschaos

Beim Dialogverfahren zum Großprojekt mit 2000 Wohnungen gingen über 300 Kommentare ein. Am meisten diskutiert wird das Thema Mobilität.

Oben Wohnungen, unten Ladenladelokale: Diese Aufteilung wünschen sich die meisten Teilnehmer des Dialogverfahrens.

Oben Wohnungen, unten Ladenladelokale: Diese Aufteilung wünschen sich die meisten Teilnehmer des Dialogverfahrens.

Foto: KGG Projekt Simulation

Bis Heiligabend war jeder Wunsch willkommen. Bis dahin konnte jeder, der sich vom Großprojekt Pankower Tor mit 2000 Wohnungen, einem Einkaufszentrum und einem Möbelhaus betroffen fühlt, Kommentare schreiben, Einwände vorbringen und Vorlieben äußern. Investor Kurt Krieger ließ sogar ein Infomobil durch Pankow touren, um ein möglichst breites Meinungsbild zu sichern. Ein halbes Jahr nach dem Ende des Dialogverfahrens liegt nun das Ergebnis dieser Wünschesammlung offiziell vor.

Mehrheit wünscht sich autoarmes Quartier

Mehr als 13.700 Mal riefen Besucher die Seite des Verfahrens im Internet auf und hinterließen dort 306 Kommentare. Besonders viel Rückmeldung verzeichnete das Projektteam des Büros „Zebralog“ zum Thema Verkehr – hier gab es 163 Zuschriften mit oftmals kritischem Inhalt. Konsens besteht bei der Feststellung, dass die jetzige Verkehrsinfrastruktur eine Verbesserung braucht.

Doch welchem Verkehrsmittel wieviel Raum beizumessen ist, dazu gehen die Meinungen auseinander. Eine Mehrheit wünscht sich ein autoarmes Quartier, eine „vielfältige und übersichtliche Verkehrsanbindung“ und eine Unterbindung von Durchgangsverkehr. Dafür kommen aus Sicht der Dialogteilnehmer sowohl Einbahnstraßen, Poller und Schwellen als auch Tempo 30-Zonen in Frage.

Autos sollen in Garage verschwinden

Anderseits sollen das Möbelhaus und der Einzelhandel ohne Einschränkungen erreichbar sein – auch für Kunden, die mit dem Pkw zum Einkauf kommen. Gewünscht wird ein Parkhaus oder eine Tiefgarage, um die Autos platzsparend abzustellen.

Eine mögliche Lösung zur Bewältigung des Lieferverkehrs wäre der Bau eines „Logistik-Hubs“. An einem solchen Umschlagplatz könnten Lieferwagen von der Autobahn A114 kommend Waren abladen, die dann mit umweltfreundlichen Elektrofahrzeugen und Lasträdern weitertransportiert werden. Als zentrale Verkehrsachse soll eine Nord-Süd-Verbindung dienen, die in einem Tunnel verläuft.

Panke-Trail könnte unterirdisch verlaufen

Umstritten ist die Frage, ob diese zentrale Achse den Radschnellweg „Panke-Trail“ aufnehmen soll oder ob dessen Trasse besser am Rande des Quartiers neben den S-Bahngleisen an der Damerowstraße verlaufen sollte. „Die Teilnehmenden sind sich einig: Pankow ist bereits jetzt durch ein hohes Verkehrsaufkommen belastet“, lautet das Fazit des Projektteams.

Ob die Planer so viele oft, gegensätzliche Bedenken erwartet hatten? In jedem Fall erweist sich die Auswertung als so langwierig, dass der gewünschte Zeitplan nicht mehr zu halten ist. Denn neben dem dominierenden Thema Verkehr müssen Kurt Krieger, der Senat und der Bezirk noch etliche weitere Anforderungen übereinbringen, wie das Projektteam in seiner Auswertung schreibt. „Es gilt außerdem bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, die Tramstrecke und die Radwege auszubauen, die Artenvielfalt zu sichern, grüne Ruheinseln zu schaffen und vieles mehr“, heißt es im 52-seitigen Schreiben.

Lieber kleine Läden als eine große Mall

Probleme bereiten auch widerstreitende Interessen bei der Einzelhandelsnutzung. In der Auswertung wird dazu eines deutlich: Pankower sehen eine weitere Mall eher kritisch und befürworten stattdessen kleinteiligen Einzelhandel mit Restaurants und Kulturangeboten in den Erdgeschossen der Wohnhäuser. In jedem Fall soll der Handel so maßvoll platziert werden, dass er die jetzigen Läden in Alt-Pankow nicht gefährdet.

Workshop kann erst in der zweiten Jahreshälfte starten

Diese und andere Meinungsbekundungen müssen nun in die Fachplanung einfließen. „Erst wenn in den jeweiligen Fachplanungen Lösungen in Sicht sind, geht es mit einem Workshopverfahren weiter, in dem Architekten- und Planungsteams einen Masterplan für das Pankower Tor entwickeln sollen“, lautet der Ausblick am Ende des Auswertung.

Eigentlich sollte die Vorbereitung zum Workshopverfahren längst im Gange sein. Aber derzeit gibt es nur eine vage Auskunft zum Start: „in der zweiten Jahreshälfte“.

Schon bei der letzten Anwohnerversammlung zum Pankower Tor im November 2018 schien Kurt Kriegers Prognose ambitioniert, als er sagte: „Im Herbst 2021 werden hier die Kräne tanzen.“ Mit der jetzigen Verzögerung wird immer deutlicher: Der Baubeginn des neuen Quartiers erfolgt sicher nicht mehr vor der nächsten Berlin-Wahl in eben diesem Jahr.