Wer sein Fahrrad abends am Bahnhof Pankow abholt, ist unappetitliche Überraschungen gewohnt. Zwischen den doppelstöckigen Abstellanlagen, am Bahndamm und an Imbisswänden: überall kündet Uringeruch davon, dass sich Trinker und Obdachlose auf einem belebten Platz erleichtern. Eine öffentliche Toilette ist zwar vorhanden – aber die Kosten in Höhe von 50 Cent scheinen den meisten schlicht zu hoch.
Kostenlose Pissoirs gegen Hygieneproblem
Nach monatelangen Beratungen der Politiker in den Fachausschüssen der Bezirksverordnetenversammlung ist klar: Das Bezirksamt bekommt jetzt offiziell den Auftrag, kostenlose Pissoirs beschaffen zu lassen und damit das Hygieneproblem zu lösen. Eine breite Mehrheit unterstützt inzwischen die Idee der SPD-Fraktion, die zu einer „deutlichen Reduzierung der Verschmutzung und somit zu einem besseren Zustand für alle führen soll“, wie es im Antrag heißt. Neben dem Bahnhof Pankow sind auch die Stationen Schönhauser Allee und Eberswalder Straße für das Projekt vorgesehen. Auch hier gehört Wildpinkeln zur Tagesordnung.
Vorbild sind Toiletten an der Reeperbahn
Als Vorbild wählte die SPD Pissoirs mit Sichtschutz, wie sie an der Reeperbahn in Hamburg zum Einsatz kommen. Jene sind mit Stückpreisen von 30.000 aber recht teuer. Und so sorgte die Frage der Anschaffungs- und Pflegekosten für Diskussionen im Ausschuss für öffentliche Ordnung. Schließlich waren sich die Bezirkspolitiker einig, dass der Senat, die BVG und die Deutsche Bahn die Kosten tragen sollten.
In der abschließenden Stellungnahme des Ausschusses klingt das – diplomatisch formuliert – wie folgt: „Hier soll zunächst ein Prozess angeregt werden, in dem viele Beteiligte für dieses Vorhaben durch das Bezirksamt gewonnen werden müssen. In diesem Prozess entscheidet sich auch, wer am Ende die Verantwortung für die Umsetzung trägt, und damit auch die Kosten.“
tsc


