LKA ermittelt

Giftmüll lagert wochenlang vor Schulhof in Prenzlauer Berg

An einer Baustelle vor dem Gymnasium im Europasportpark entdeckten Eltern Asbestplatten. Der Streit um die Entsorgung schwelt.

Elternvertreterin Vanessa Remy steht auf der Schultreppe nur wenige Meter entfernt vom Zaun, hinter dem der verdächtige Bauschutt liegt.

Elternvertreterin Vanessa Remy steht auf der Schultreppe nur wenige Meter entfernt vom Zaun, hinter dem der verdächtige Bauschutt liegt.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Zwei Arten von Müll lagern seit Februar einen Steinwurf von dem Hof, auf dem die Schüler des Gymnasiums im Europasportpark normalerweise ihre Pausen verbringen. Zum einen ganz gewöhnlicher Bauschutt – zum anderen Platten aus Asbest. Während der Schutt planmäßig bei den Bauarbeiten an einem Plattenbau-Bürogebäude anfiel, sollten die Asbestplatten nicht unter freiem Himmel liegen. Sie wurden nach jetzigen Erkenntnissen des Bezirksamts Pankow von Unbekannten auf die Halde vor dem baufälligen Bürogebäude, die nur ein Holzzaun vom Schulgelände trennt, illegal entsorgt.

Streit um Entsorgung schwelt seit Wochen

Das blieb weder den Eltern der Kinder noch Schulstadtrat Torsten Kühne (CDU) noch dem Berliner Immobilienmanagement (BIM), der Bauherrin am Gewerk des Plattenbaus neben dem Gymnasium, verborgen. Seit Wochen schwelt ein Streit um die Entsorgung des Materials, das nach Meinung der Eltern krebserregend sein könnte. Und seit Wochen kann niemand sagen, wann die Asbestplatten weggeräumt werden. Und wohin. „Erst nach langem Hin und Her haben wir es hinbekommen, dass wenigstens eine Plane auf den Müllhaufen kam“, beschwert sich Elternvertreterin Vanessa Remy. „Das darf doch nicht wahr sein. Schließlich geht es um die Gesundheit.“

Weil die Forderung nach einer Entsorgung der Platten und des restlichen Schutts neben dem Schulhof nahe des Velodroms unerfüllt blieb, meldeten sich die Eltern bei der Berliner Morgenpost. „Wir Eltern stellen fachlich kompetente Fragen, da wir Fachleute in den eigenen Reihen haben, werden aber beschwichtigt“, heißt es im Beschwerdeschreiben.

Asbestmüll ist Fall für das Landeskriminalamt

Pankows Schulstadtrat Torsten Kühne (CDU) sagt auf Anfrage, alle Verantwortlichen seien bei Bekanntwerden des Fundes in Februar sofort tätig geworden. Bald darauf war die Sache laut Kühne auch ein Fall für das Landeskriminalamt und die Unfallkasse. Der Schulstadtrat beschreibt den Erkenntnisstand wie folgt: „Durch Unbekannte Dritte wurde offenbar illegal Wellblechplatten mit Asbest auf der Baustelle abgeladen. Dieser Müll liegt nun bis zur sachgerechten Entsorgung abgedeckt auf der Baustelle. Solange die Platten aber nicht zerstört werden, geht auch hiervon keine Gefahr aus“, stellt er klar.

Es sei vereinbart, dass die Platten „schnellstmöglich und außerhalb der Schulzeiten abtransportiert werden sollen, um jegliche Gefahr auszuschließen.“ Doch der Vereinbarungen leistete die BIM als Bauherrin des Bürogebäudes vor der Schule bisher nicht Folge. Warum ist es auch nach Wochen nach dem Fund nicht möglich, den Asbestmüll fachgerecht zu entsorgen?

BIM wartet auf Zuweisung einer Mülldeponie

„Man kann solchen Müll nicht von heute auf morgen entsorgen. Man muss warten, bis man eine Deponie zugewiesen bekommt“, erklärt BIM-Sprecherin Johanna Steinke ein Dilemma. Das könnte nun innerhalb von zwei Wochen geschehen. Zunächst habe die BIM Anzeige gegen Unbekannt erstattet – bisher ohne Ergebnis. Steinke räumt ein, „dass in der Ereigniskette einiges schieflief.“

Bei einem „sehr konstruktiven“ Ortstermin am Donnerstag habe man jetzt versucht, das Vertrauen der Eltern zurückzugewinnen und auch eine Einigung erzielt. Das wichtigste Resultat: Bis auf weiteres gilt ein Baustopp, so dass kein weiterer Staub aufgewirbelt wird. „Es passiert nichts mehr, bis wir auf einem gemeinsamen Nenner sind“, sichert Steinke zu. Zum Asbestfund sagt sie: Man sei Opfer einer Situation geworden, wie sie in Berlin häufiger vorkommt. Unbekannte hätten ihren Müll unbefugt auf der Baustelle entsorgt, um Geld zu sparen.

Nach Abschluss der Bauarbeiten soll das frühere Wohnhaus aus der DDR-Zeit eine Büronutzung erhalten. „Wir sind froh, dass das Gebäude nun eine Perspektive hat. Am Ende wird in der Conrad-Blenkle-Straße 34 das Technische Finanzamt untergebracht“, sagt die Sprecherin. Genau wie das Bezirksamt verweist die BIM darauf, dass die baustelleneigenen Schutthalde harmlos sei.

Eine Behauptung, an der Eltern zweifeln. Ein baukundiger Vater in ihren Reihen befürchtet, dass in der herausgebrochenen Teerpappe, die im Gebäude verbaut war, schädliche Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthalten sind. Sie könnte sich bei den Bauarbeiten über das ganze Areal verbreitet haben.

„Es entstand eine enorme Staubwolke auf dem gesamten Schulgelände“, heißt es im Beschwerdeschreiben der Eltern. Sie kommen zu dem Schluss: „Mit der Gesundheit der Kinder und Pädagogen wird auf das Leichtsinnigste gespielt. Das verdient überprüft, aufgeklärt, verfolgt und gestoppt zu werden.“

Eltern fordern Einblick in Schadstoffgutachten

Weil die Eltern Zweifel anmeldeten, ob nicht auch der Bauschutt des Gebäudes Schadstoffe enthält, ließen Bezirksamt und BIM das Material nochmals prüfen. „Das Abbruchmaterial ist unbelastet“, nennt Stadtrat Kühne das Ergebnis. Im Augenblick werde Estrich aus dem Gebäude entfernt, der nachweislich keine Schadstoffe enthalte. Aus Sicht des Bezirksamts sei derzeit keine Gefahrensituation zu erkennen, hält er noch einmal fest – „dass bei Baumaßnahmen Staub- und Lärmbelastungen vorhanden sind, ist unschön, aber nie gänzlich auszuschließen.“

Dabei wollen es die Eltern nicht bewenden lassen. Sie fordern Einsicht in das Gutachten, das die Harmlosigkeit des Schuttmaterials aus dem Bürobau belegen soll. Vanessa Remy und ihre Mitstreiter sehen es zwar als Fortschritt an, dass die BIM die Halde jetzt noch besser abdeckt und auf eine Fortsetzung der Bauarbeiten verzichtet. Aber sie werden nicht eher ruhen, bis der Müll beseitigt ist.

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