Bauarbeiten

Karaoke im Mauerpark fällt Baustelle zum Opfer

Die Karaoke-Show wird vorerst nicht genehmigt. Der Mauerpark rutscht durch Bauarbeiten und den Streit um Konzerte tiefer in die Krise.

Slalom zwischen Zäunen und Baggern: Im Mauerpark fällt es in diesem Frühling schwer, einen Ort zur Erholung zu finden. Der Bezirk sorgt sich um die Sicherheit der Karaoke-Fans.

Slalom zwischen Zäunen und Baggern: Im Mauerpark fällt es in diesem Frühling schwer, einen Ort zur Erholung zu finden. Der Bezirk sorgt sich um die Sicherheit der Karaoke-Fans.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Ein deplatziertes Rollfeld? Ein neuer Radweg? Eine Straße mitten auf der großen Liegewiese? Die neue, mehrere hundert Meter lange Asphaltbahn im Mauerpark lässt in diesen Tagen so manchen rätseln. So viel ist klar: Die Trasse wurde von den Berliner Wasserbetrieben erbaut. Und soll so bald wie möglich wieder verschwinden.

Aber in der ohnehin geschundenen Grünanlage am Rande von Prenzlauer Berg weckt das graue Band Ängste, dass der Erholungscharakter nun endgültig verloren geht. Auf zwei Baustellen im schmalen Park drehen sich nun Bagger. Bauzäune und Gruben zwingen Radfahrer und Spaziergänger zum Slalom.

Jetzt steht fest: Auch die international bekannte Karaoke-Veranstaltung des Iren Joe Hatchiban fällt in Folge des Baugeschehens monatelang aus - in dem Jahr, wenn der Mauerpark sein 25-jähriges Bestehen feiert.

Wie das Bezirksamt Pankow auf Anfrage der Berliner Morgenpost bestätigt hat, wird die beliebte Konzertveranstaltung, die in den vergangenen Jahren dank einer Ausnahmegenehmigung an 23 Sonntagen im Jahr stattfinden konnte, vorerst nicht gestattet. „Wir können für die Sicherheit nicht garantieren“, erklärte die Sprecherin von Baustadtrat Vollrad Kuhn (Grüne). Frühestens im Juli, wenn die Bauarbeiten im Bereich des Amphitheaters beendet seien, könnte die erste Karaoke-Show in diesem Jahr starten.

Wasserbetriebe halten den Ausfall des Karaoke für unnötig

Verantwortlich für die Arbeiten seien aber die Berliner Wasserbetriebe, heißt es aus der Abteilung von Stadtrat Kuhn. Deren Sprecher Stephan Natz hält allerdings fest, dass man nicht darauf bestanden habe, das Karaoke ausfallen zu lassen. „Wir sehen dafür keine Notwendigkeit“, sagt Natz auf Nachfrage. Das Baugeschehen entlang der neuen Fahrbahn auf der Liegewiese des Parks solle so schonend ablaufen, wie möglich.

„Ja, es gibt eine neue Baustraße, aber nur vorübergehend“, stellt Natz klar. Die provisorische Fahrbahn sei nötig, damit Bagger, die entlang des neuen unterirdischen Stauraumkanals von oben Belüftungsöffnungen setzen, im morastigen Boden nicht einsinken. An insgesamt 19 Stellen entlang des 654 Meter langen Tunnels, der bei starken Regenfällen Schmutzwasser auffängt, seien solche Öffnungen geplant, berichtet Natz. Er sagt: Hätte man auf die Asphaltpiste für die Bagger verzichtet, würden sie die Wiese in ein „Schlachtfeld“ verwandeln.

Auch wenn die Großbaustelle des neuen Stauraumkanals Mauerparkbesucher noch einmal Nerven kostet und Fans des Karaoke verärgert – noch in diesem Jahr soll das 20 Millionen Euro teure Projekt enden. Im Sommer wollen sich die Wasserbetriebe aus dem meistbesuchten Abschnitt des Mauerparks am Amphitheater zurückgezogen haben. Und schon in der kommenden Woche werde die Baustelleneinmündung an der Eberswalder Straße schrittweise abgebaut.

Die Lage wird aber dadurch erschwert, dass im Mauerpark zeitgleich noch eine zweite Baustellen Platz frisst und eine dritte bevorsteht. Schon jetzt laufen auf der Fläche des Trödelmarkts die Arbeiten zur Schaffung der Erweiterungsflächen des Parks, die für eine Verdoppelung der Erholungsfläche sorgen. Laut Derk Ehlert, dem Sprecher der Senatsverwaltung für Umwelt, soll die Erweiterung des Mauerparks in Regie der Grün Berlin Stiftung voraussichtlich im Sommer 2020 beendet sein. „Je nach Baufortschritt kann gegebenenfalls bereits im Herbst 2019 schon eine Teilfläche der Öffentlichkeit übergeben werden“, kündigt Ehlert an. Wer nun meint der, Flohmarkt auf der Erweiterungsfläche müsse in diesem Frühling ebenso wie das Karaoke ausfallen, liegt falsch. Die Umweltverwaltung verspricht: Trotz der Bauarbeiten findet der Markt statt.

Drei Baustellen im Mauerpark schränken die Fläche ein

Und dann ist da noch die bevorstehende Sanierung des „alten“ Parks. Dank Fördergeldern wollen der Senat und das Bezirksamt Pankow dem bisherigen Mauerpark eine frische Anmutung und ein günstigeres Wegenetz verschaffen. Im vergangenen Jahr konnten Anwohner bei einem Beteiligungsverfahren ihre Wünsche angeben. Geht es danach, wird der Mauerpark künftig, grüner, sauberer und ruhiger.

Mittelfristig soll der Park, der seine Fläche auf 15 Hektar verdoppeln wird, also von denjenigen Maßnahmen profitieren, die in dieser Saison zu Entbehrungen führen. „Tiefe Narben ziehen sich quer durch den Park, der in wenigen Monaten seinen 25. Geburtstag feiern soll“, beschreibt Alexander Puell die Lage. Als Vorsitzender des Vereins Freunde des Mauerparks kämpfen Puell und seine Mitstreiter in diesem Frühling mehr denn je dafür, dass der Grünzug möglichst vielen Besuchern gefällt. Denn Baustellen gibt es nicht nur in Sachen Parkstruktur, sondern auch bei der Verträglichkeit für alle Nutzer.

Im Streit um Ruhestörung durch Straßenmusiker im Mauerpark will man mit dem Bezirksamt Pankow in den kommenden Monaten verschiedene Lösungsansätze erproben. Denn anders als für das Karaoke gibt es für andere Konzertveranstaltung offiziell immer noch keine Freigabe. Nun reicht die Spanne der Kompromissvorschläge vom Aufstellen von schallgeschützten „Musikmuscheln“ bis hin zur Reservierung von abgelegenen Parkbereichen für die Musiker. Zwei Lösungen, die Bezirksbürgermeister Benn vergangenes Jahr unter dem Stichwort „Lärminseln“ ins Spiel brachte.

Verein will Ausfall des Karaoke nicht akzeptieren

„Es liegen nun konkrete Vorschläge für Lärmschutz-Maßnahmen vor, die den Betroffenen eine deutliche Entlastung bringen können“, zeigt sich Alexander Puell optimistisch, dass die Experimente den Konflikt beruhigen können. Die Anzahl der tatsächlich durch Park-Lärm geplagten Anwohner sei überschaubar. Und der Bezirksbürgermeister wolle „die einzigartige Kultur im Mauerpark erhalten“, betont Puell.

Dass nun aber die eigentlich gesicherte Karaoke-Veranstaltung monatelang ausfallen muss, nennt Puell „eine Katastrophe.“ Der Vorsitzende der Freunde des Mauerparks will die Situation nicht hinnehmen und „öffentlich auf den Putz hauen.“ Als Kern des Problems sieht Puell die Bauabläufe der Wasserbetriebe, die es zu verbessern gelte. Nur so wäre das Karaoke in diesem Frühling vielleicht noch zu retten.