Tierhospiz in Pankow

Böller am Gartenzaun: Hund Mickey vor Schreck gestorben

Trauriger Start ins neue Jahr: Ein Altenheim für Tiere in Blankenburg beklagt ein Todesopfer – und sammelt Spenden für den Umzug.

Bereit für den Umzug: Altenheim-Gründer Dirk Bufé und Geldhauben-Kakadu Bella.

Bereit für den Umzug: Altenheim-Gründer Dirk Bufé und Geldhauben-Kakadu Bella.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Eine Beerdigung zum Start ins neue Jahr – für Hartmut Benter und Dirk Bufé, die beiden ehrenamtlichen Betreiber des Altenheims für Tiere, beginnt 2019 mit Trauer und Wut. Als die beiden Postboten zu Silvester ihre Gläser erheben wollten, da herrschte noch Vorfreude auf den baldigen Umzug, auf die Verlegung des Gnadenhofs aus der Blankenburger Einfamilienhaussiedlung in ein Gewerbegebiet nach Buchholz. Es wäre die Rettung nach jahrelangem Zittern um das Überleben des Heims. Doch dann explodierte direkt vor dem Gartenzaun ein Böller, angeblich ein „Polenböller.“ Und Mickey, ein 17 Jahre alter Terriermischling, den die Feuerwerke schon seit dem Morgen in Angst versetzt hatten, fiel einfach um. „Es war ein Schlaganfall“, sagt Benter. Er ist sich sicher: Der Schrecken hat einen der scheuesten Bewohner des Heims dahingerafft – „es war, als wäre eine Bombe geplatzt.“

Aber warum zündet jemand einen illegalen Knaller ausgerechnet vor einem Haus voller wimmernder Hunde? Benter und Bufé haben dafür nur eine Erklärung: Böswilligkeit. Hass auf Tiere. „Die Abartigkeit kennt keine Grenzen, Es ist Silvester, und man denkt, es ist Krieg. Alle Vierbeiner zittern, selbst die Vögel schreien, und unser geliebter Mickey bekommt einen Schlaganfall und überlebt es nicht“, schrieben sie auf ihrer Facebook-Seite. Und erhielten innerhalb weniger Stunden fast eintausend Reaktionen.

Altenheim für Tiere zieht in ein Gewerbegebiet

„Rest in Peace, kleiner armer Mickey. Mit dir sind so unendlich viele Seelchen in den Himmel geflogen“, schrieb eine Frau, die an etliche Fälle erinnert, bei denen sich Tiere zu Silvester zu Tode erschrecken. Zoo- und Tierpark-Direktor Andreas Knieriem hatte vor dem Jahreswechsel öffentlich darum gebeten, das Zünden von Feuerwerkskörpern aus Rücksicht auf die Gesundheit von Tieren zu unterlassen. Auch der Berliner Tierschutzverein schloss sich dieser Bitte an. Während ein Zoo Tiere in geschlossenen Behausungen fernab von öffentlichen Plätzen vor Lärm und Staub schützen kann, ist dies für eine kleine, private Einrichtung in Blankenburg aber kaum zu schaffen.

Abneigung gegen alte Tiere schlug dem Gnadenhof schon entgegen, als im Jahre 2016 ein Umzug in den Pankower Bürgerpark in Aussicht stand. Hier beschwerte sich eine Anwohnergruppe so lange, bis die Verlegung platzte. Auch am bisherigen Standort in der Burgwallstraße darf das Tierhospiz nicht bleiben, weil die gesetzlichen Anforderungen an ein Wohngebiet dies verbieten. Erst im vergangenen Jahr war klar: Der Gnadenhof ist gerettet.

Das Bezirksamt Pankow und das Berliner Immobilienmanagement (BIM) fanden nach langer Suche doch noch ein Ersatzgrundstück in einem Gebiet, wo Papageien-Rufe und Hundegebell niemanden stören. Noch in diesem Jahr sollen die 300 Vögel, 33 Hunden und 15 Katze ins Gewerbegebiet Am Posseberg in Französisch Buchholz ziehen. Voraussichtlich im Frühjahr werden die Formalitäten zwischen dem Betreiberverein des Altenheims und der BIM besiegelt sein. Ein Unternehmen, das sich auf Tierbehausungen spezialisiert hat, wird dann in Absprache mit dem Verein einen 4000 Quadratmeter großen Neubau errichten – in einer abgeschiedenen Gegend, in der vermutlich niemand Silvester feiert.

"Es dauert manchmal drei Tage, bis sich die Tiere wieder beruhigen können“

Ob man böse Geister zum Jahreswechsel durch Feuerwerk vertreiben sollte? Für Tierfreunde wie Hartmut Benter ist die Sache klar: Wo Hunde, Katzen oder Vögel leben, sollte man auf Knallkörper und Raketen verzichten. „Unsere Bewohner, die das Ganze schon kennen, verkriechen sich bereits am Silvestermorgen – und es dauert manchmal drei Tage, bis sie sich wieder beruhigen können“, berichtet Benter.

Mickeys Tod soll auch eine Lehre sein. Die beiden Postboten nehmen den Trauerfall zum Anlass, den nächsten Jahreswechsel mit ihren Schützlingen in ruhigeren Gefilden zu verbringen. Damit der Neuanfang nicht an Geldproblemen scheitert, hat das Altenheim für Tiere jetzt beim Online-Portal „Betterplace“ eine Kampagne gestartet. Das vorläufige Spendenziel: 9950 Euro.