Baustellen der Stadt

Leiterin der Wohnungsbauleitstelle plant neue Verfahren

Seit fünf Jahren versucht die Wohnungsbauleitstelle des Senats Konflikte zu schlichten. Leiterin Schade will neue Wege gehen.

Grit Schade will neue Wege gehen

Grit Schade will neue Wege gehen

Foto: Thomas Schubert

Berlin.  Wenn Investoren, Behörden und Bürger streiten, braucht es jemanden, der vermittelt. Deshalb gründete die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung 2013 eine Wohnungsbauleitstelle unter der Führung von Grit Schade. Sie kennt die Baustellen der Stadt.

Was hat die Wohnungsbauleitstelle Berlin gebracht?

Grit Schade: Wir sind seit 2013 Ansprechpartner für alle Akteure auf dem Wohnungsmarkt und agieren als Vermittler zwischen den Bezirken, Fachbehörden, Bürgern und Investoren. So eine Koordinierungsstelle gab es vorher noch nicht. Ziel ist es, die nicht immer vermeidbaren Konflikte möglichst einvernehmlich und zügig zu lösen. 2014 haben wir für Wohnungsbauprojekte eine berlinweit einheitliche Verfahrensweise zum Abschluss städtebaulicher Verträge eingeführt, die zusätzlich zum Wohnungsbau die Schaffung von Kitas, Grundschulen, Grünflächen sowie einem Anteil an geförderten Wohnungen sichert. Die Leitstelle begleitet bisher rund 350 Wohnungsbauprojekte. Zu den Aufgaben gehören die Beschleunigung von Planungsprozessen sowie die Beseitigung von Hemmnissen in Genehmigungsverfahren. Wir handeln nicht allein, sondern arbeiten insbesondere mit den Bezirken, bei denen meistens die Zuständigkeit liegt, zusammen.

Wie können Sie vermitteln, wenn Nachbarn gegen ein Bauprojekt in ihrer Nähe Widerstand leisten ?

Wichtig für die Anwohner ist die Teilhabe. Unsere Verwaltung erarbeitet gerade Leitlinien für die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an der Stadtentwicklung, die formelle und informelle Beteiligungsformen umfassen. Grundsätzlich laufen bei allen Bebauungsplanverfahren die gesetzlich vorgeschriebenen Beteiligungsverfahren. Zudem bieten die Bezirke Partizipationsverfahren an, die über den gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen hinausgehen. Bei privaten Bauvorhaben wird darauf Wert gelegt, gemeinsam mit den Bezirken frühzeitig Informationsveranstaltungen durchzuführen. Das begleiten wir als Wohnungsbauleitstelle ebenfalls.

Welche konkreten Strategien wenden Sie denn an, wenn die Front zwischen Behörden und Anwohnern verhärtet ist?

Als ein Beispiel möchte ich das Projekt Michelangelostraße benennen – kein ganz einfaches Projekt. Wir arbeiten dort seit Monaten mit den Anwohnern, Eigentümern und dem Bezirksamt zusammen und beschreiten einen völlig neuen Weg. Von einem Bürgergremium wurden vier städtebauliche Konzepte erarbeitet. Wir diskutieren jetzt die Vor- und Nachteile der Entwürfe. Ziel ist es, für das Bebauungsplanverfahren einen weitgehenden Konsens zu gewinnen. Eine solch aktive Beteiligung gab es in Berlin bisher noch nicht.

Allerdings ist das Projekt Michelangelostraße doch auch wegen Anwohnerprotesten seit Jahren im Verzug. Ist das nicht von Nachteil?

Ja, es sind durch solche Verfahren längere Prozesszeiten nötig. Das ist uns bewusst. Es mag zwar länger dauern, aber die Akzeptanz für das Projekt wird steigen. Dem Projekt ist nicht geholfen, wenn wir das Vorhaben gegen den Widerstand der Bevölkerung vorantreiben.

Was halten Sie denn von der Idee, Werbekampagnen einzusetzen, um die Akzeptanz für neue Wohnungsbauvorhaben zu steigern?

Ja, das kann tatsächlich ein Baustein eines Kommunikationskonzeptes sein. Wir sollten alles unternehmen, um für Akzeptanz von Wohnungsneubau zu werben. Aber ich glaube, das alleine reicht nicht. Jedes Wohnungsbauprojekt hat seine Besonderheiten, mit denen man sich ganz konkret auseinandersetzen muss. Es ist wichtig, Win-win-Situationen zu schaffen. Es braucht die Zustimmung der Bewohner, die schon da sind – aber auch die Berücksichtigung der Interessen derjenigen, die künftig hier wohnen werden. Das ist auch häufig das Manko bei Beteiligungsverfahren. Man hört zwar die Ansichten derjenigen, die schon vor Ort sind, aber die künftigen Bewohner sind nicht vertreten. Das müssen wir mitbedenken.