Posse in Prenzlauer Berg

Wände um 50 Zentimeter gekürzt: Parklet ist eröffnet

Das erste Parklet für die Schönhauser Allee ragte auf den Radweg und fiel bei der Abnahme durch. Nun wurde nachgebessert.

Premiere für das gestutzte Parklet: Luisa Lorentz-Leder, Horst Wohlfarth von Alm und Vollrad Kuhn glauben an die Zukunft des "Multifunktionstools."

Premiere für das gestutzte Parklet: Luisa Lorentz-Leder, Horst Wohlfarth von Alm und Vollrad Kuhn glauben an die Zukunft des "Multifunktionstools."

Foto: Thomas Schubert / BM

Auf die Länge kommt es sehr wohl an. Das haben die verantwortlichen Verkehrsplaner erfahren, als sie Mitte Oktober mit einem halben Jahr Verspätung das erste Parklet für die Schönhauser Allee platzieren ließen. Statt den geforderten zweieinhalb Metern waren die Seitenwänden aber drei Meter lang. Und ragten dadurch gefährlich nah an den Radweg heran. So fiel das 50.000 Euro teure Stadtmöbel, das Rad- und Fußverkehr fördern soll, bei der Abnahme am Vortag der Präsentation durch. Das Bezirksamt Pankow wollte es nicht verantworten, dass ein Radfahrer womöglich in die lange hölzerne Kante fährt. Von „Verkehrsgefährdung“ sprach der zuständige Stadtrat Vollrad Kuhn (Grüne).

Noch am gleichen Tag, an dem das Fiasko bekannt wurde, war klar: die Seitenwände des Parklets müssen gekürzt werden. Aber wie viel kürzer sollen sie sein? Sieben Zentimeter, hieß es von der Senatsverwaltung für Verkehr. Dies sei der erforderliche Mindestabstand für Aufbauten neben einem Radweg. Aber warum müssen nur sieben Zentimeter abgetragen werden, wenn die Wände doch ganze 50 Zentimeter länger ausgefallen sind als geplant? Es gab offensichtlich auch in den Verwaltungen verschiedene Auffassungen darüber, wie kurz die Kante künftig sein muss. Durchgesetzt haben sich nun jene, die 50 Zentimeter forderten.

Seit Montag sind die überarbeiteten, deutlich zurückgestutzten Wände montiert. Nun schließt das Parklet, das auf zwei Parktaschen auf dem Seitenstreifen der Schönhauser Allee steht, auch bündig mit dem Bordstein ab. Aber damit ist die Verwandlung des Problem-Parklets nicht zu Ende. Es ist nun auch mit weißen Reflektorstreifen ausgestattet – und mit rot-weißen Warnbaken an den Kanten, die dem motorisierten Verkehr zugewandt sind. Offenbar, weil auch aus dieser Richtung Kollisionen zu befürchten waren.

Drei weitere Parklets haben von Anfang an verkürzte Wände

Am Dienstag wurde das Ergebnis des Umbaus offiziell präsentiert. Das erste Parklet ist das erste von vier Exemplaren, die auf der Schönhauser Allee erprobt werden sollen. Noch im November werden die anderen drei dieser „Multifunktionstools“ postiert. So bezeichnet die Stadtmöbel Horst Wohlfarth von Alm, der Referatsleiter der Senatsverwaltung für Umwelt. Er sagt: „Sie sollen sich den Jahreszeiten anpassen und werden im Herbst und Winter als Fahrradabstellplätze genutzt. Und im Sommer rüsten wir um und werden die Parklets mit Sitzbänken ausstatten, wie man sie aus Kreuzberg kennt.“

Bedenken zur Verkehrssicherheit sollen nun der Vergangenheit angehören. Die drei folgenden Parklets für Prenzlauer Berg vor dem Blumencafé und vor der Kinderkunstgalerie Klax werden von vorn herein verkürzte, 2,50 Meter lange Seitenwände haben. Allerdings finden in den Kästen nur wenige Fahrradbügel Platz – maximal acht Stangen sind möglich. Zur Übergabe des ersten Parklets vor den Schönhauser Allee Arcaden konnte man aber nur vier Halterungen zählen. Daneben erstrecke sich eine leere Fläche. Was war geschehen?

„Das geschieht, damit wir zur Eröffnung ein wenig Bewegungsfreiheit haben“, gab Dorothee Winden von der Senatsverkehrsverwaltung eine Erklärung. Vier weitere Fahrradbügel werden folgen. Andere Gäste der Eröffnungsfeier wunderten sich dann doch über meterweise verschwendeten Platz. „50.000 Euro für vier Fahrradbügel scheinen mir ziemlich teuer. Auch wenn es später acht werden, ist das zu viel“, meinte die Radfahrerin Saskia Walter.

Auch der Bund der Steuerzahler konnte den Parklets in Berlin bislang keine günstige Bilanz aufstellen. Die beiden Parklets in der Kreuzberger Bergmannstraße zum Preis von insgesamt 119.000 Euro stehen im aktuellen Schwarzbuch des Bundes als Beispiel für Geldverschwendung in den Bezirken. Die Vertreter des Senats halten dagegen, dass es durchaus einen Nutzen gibt: die Aufenthaltsqualität werde deutlich gesteigert, hieß es bei am Dienstag. „Verkehrssicherheit geht vor Schnelligkeit“, kommentierte Stadtrat Kuhn zur verzögerten Eröffnung des ersten Prenzlauer Berger Parklets. Im kommenden Jahr sollen weitere, herkömmliche Fahrradabstellanlagen rund um den Bahnhof Schönhauser Allee folgen.

Acht Parkbuchten fallen weg

Jedes der vier Parklets belegt zwei Parkbuchten auf dem Seitenstreifen der Schönhauser Allee und wird zum Teil aus dem Projekt „Klimaschutz im Radverkehr“ des Bundesumweltministeriums finanziert, zum Teil aus den Kassen des Landes Berlin. Ein Jahr lang will der Bezirk die neuen Stadtmöbel testen – und dann ein Resümee ziehen. Damit sich Beschwerden über nächtlichen Lärm und Vermüllung, wie es sie in Kreuzberg gab, an der Schönhauser Allee nicht wiederholen, wird Stadtrat Kuhn eine Vereinbarung mit den Gewerbetreibenden an der Allee abschließen. Dann liegt der Erfolg des Projekts in den Händen von Radfahrern, Passanten und Händlern. Als Patin des ersten Parklets meldete sich Luisa Lorentz-Leder, die Centermanagerin der Schönhauser Allee Arcaden. Sie hofft, dass sich der Holzkasten als Erfolgsmodel durchsetzt.

Offen bleibt, wie problematisch sich der Aufstellungsort der neuen Parklets hinter dem Fahrradweg auswirkt. Wer sie erreichen will, muss den Streifen zu Fuß überqueren und dabei den Radfahrern ausweichen. Verkehrsplaner Dirk Bartel arbeitet bereits an einer Lösung: „Wenn die Parklets im kommenden Sommer zu Sitzecken umgewandelt werden, wollen wir Warnzeichen auf den Radweg aufbringen.“ Dann heißt es vor den Schönhauser Allee Arcaden: Für den Fußverkehr bitte bremsen.

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