Städtebau

Ein Hochhaus für das Pankower Tor

Bei ihrer „Tour de Pankow“ fordern die Grünen Visionen für das Quartier mit 2000 Wohnungen. Die Elisabeth-Aue soll ein Acker bleiben.

Sie wollen das Pankower Tor als urbanes Quartier entwickeln: Cordelia Koch, Martin Aarts, Antje Kapek und Almuth Tharan (v.l.).

Sie wollen das Pankower Tor als urbanes Quartier entwickeln: Cordelia Koch, Martin Aarts, Antje Kapek und Almuth Tharan (v.l.).

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Hier der Güterbahnhof Pankow, das urbane Neubauviertel von morgen, dort die Elisabeth-Aue in Blankenfelde, ein weites Feld für Landwirtschaft und Erholung. Pankow ist mit mehr als 400.000 Einwohnern jetzt schon der einwohnerstärkste, vielleicht auch der vielseitigste unter den Berliner Bezirken. Und die Grünen suchen hier die Balance zwischen dem wachsendem Wunsch nach neuen Wohnungen und freien Wiesen.

Mitten in den Herbstferien haben sie bei einer „Tour de Pankow“ mit ihrer Fraktionsvorsitzenden Antje Kapek neue, zum Teil überraschende Forderungen aufgestellt. Sie betreffen vor allem das aktuellste der großen Wohnungsbauprojekte im Bezirk: Das Pankower Tor auf der Güterbahnhof-Brache an der Granitz-Straße, wo der Investor Kurt Krieger 2000 Wohnungen, zwei neue Möbelmärkte und eine Schule errichten möchte.

Wichtiges Vorhaben zur Bekämpfung der Wohnungsnot

„Wir wünschen uns ein Hochhaus auf dem Dach des Sconto-Markts“, sagte nun die Fraktionsvorsitzende in der Bezirksverordnetenversammlung, Cordelia Koch. Und Antje Kapek setzte mit Blick auf die platzraubende Bauweise hinzu: „Wenn wir solch einen Möbelmarkt akzeptieren, dann nur mit einer sinnvollen Nutzung auf dem Dach.“ Seit Jahren schon ärgert es die Grünen, dass Krieger die zwei neuen Märkte am Pankower Tor neben den Wohnhäusern in Szene setzen will. Das haben der Senat, der Bezirk und der Investor im Frühling bereits in der Absichtserklärung zum Bau der 2000 Wohnungen schriftlich festgehalten.

Für die Berliner Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke), die selbst in Pankow wohnt, ist das Großprojekt ein Kernvorhaben zur Bekämpfung der Berliner Wohnungsnot. Spätestens im Frühjahr 2019 sollte die Änderung des Flächennutzungsplans für ein Wohnquartier abgeschlossen sein, sagte sie im Frühling. Parallel könne der Bezirk bereits mit einem Bebauungsplanverfahren beginnen.

Bezirksamt soll zur Not das Baurecht verweigern

Aber die Pankower Grünen sind mit der Vereinbarung unzufrieden. Sie halten die Verkehrsbelastung im neuen Stadtviertel am Bahnhof Pankow-Heinersdorf für zu hoch. Die neuen Möbelmärkte stehen laut Cordelia Koch im Widerspruch zu einem lebendigen, urbanen Stadtquartier. Schon im August wollte der Pankower Bundestagsabgeordnete Stefan Gelbhaar mit Krieger über eine Weiterentwicklung der Absichtserklärung diskutieren. Doch als das Programm bekannt gegeben wurde, sagte der Gast kurzfristig ab. Dem Vernehmen nach war die Veranstaltung zu kritisch konzipiert.

Jetzt verfolgen die Grünen eine neue Strategie. Statt mit dem Investor öffentlich zu streiten, präsentieren sie die neue Idee. Bei dem Hochhaus auf dem Dach des Sconto-Marktes soll es sich laut Cordelia Koch um ein Hotel handeln. „Die Investition muss sich schließlich für Krieger lohnen“, erklärt Kapek. Auch bei einer zweiten Forderung wollen die Grünen Krieger entgegenkommen. Für den historischen Rundlokschuppen in Heinersdorf schlagen sie nun eine kommerzielle Nutzung vor. Womöglich könne man ein Fahrradkaufhaus einrichten, meint die Bezirksverordnete Almuth Tharan. Eine Nachfrage zu den Vorstellungen, ein Hochhaus zu bauen und ein Kaufhaus im Lokschuppen unterzubringen, wollte die Krieger Grundstück GmbH am Donnerstag nicht beantworten.

An der Ruine des Schuppens wird der jahrelange Interessenskonflikt besonders deutlich. Krieger möchte die Bahnanlage am liebsten abreißen lassen, die Politik dringt auf eine Sanierung. Grünen-Stadtrat Vollrad Kuhn hatte bereits angedroht, den Verfall des Gebäudes mit eigenen Mitteln zu stoppen – und die Arbeit Krieger dann in Rechnung zu stellen.

"Schaufenster für Berliner Bauern"

Ausdrücklich drohen möchte Antje Kapek Krieger zwar nicht mehr. Sie sagt aber: „Das Baurecht liegt beim Bezirk.“ Sollte sich also bei den Verhandlungen über das 550-Millionen-Euro-Projekt nicht das erhoffte Ergebnis erzielen lassen, könnte Stadtrat Kuhn das Baurecht verweigern. Der Absichtserklärung zum Trotz. Man müsse jetzt ohnehin neu verhandeln, betont Kuhn. Denn in den bisherigen Planungen sei die neue Schule für das Quartier viel zu klein bemessen – „wir brauchen dafür drei Hektar. Die Schule passt nicht auf den vorgesehenen Platz.“

Tatsächlich liegt die Verantwortung für das Bauprojekt auf der 34 Hektar großen Brache zwischen den Bahnhöfen Pankow und Pankow-Heinersdorf derzeit beim Bezirk. So sieht es auch die von den Linken geführte Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Die Änderung des Flächennutzungsplans könne man erst dann durchführen, wenn eine Verkehrsuntersuchung, eine Verträglichkeitsuntersuchung zur Einordnung des Einzelhandels und ein städtebaulicher Wettbewerb durchgeführt sind, erklärt Sprecherin Katrin Dietl. Sie bekräftigt noch einmal die Vereinbarung mit Krieger und sagt: „Es soll ein neues, vitales und lebendiges Wohnquartier mit Gemeinbedarfseinrichtungen entstehen.“ Das Zentrum von Pankow solle durch zusätzlichen Einzelhandel gestärkt werden.

Von einer solchen Bebauung bleibt die Elisabeth-Aue verschont. Dort, wo der schwarz-rote Senat 5000 Wohnungen platzieren wollte, sehen die Grünen und die Linken auch künftig nur einen Acker. Der könnte laut Antje Kapeck aber aktiver bespielt werden. Als Schaufenster für Berliner Bauern.

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