Ende der Trockenzeit

Erstmals seit 2006 alle Berliner Schwimmhallen in Betrieb

Mit der Eröffnung des Schwimmbads an der Thomas-Mann-Straße sind alle 37 Hallen offen. Das gab es zuletzt vor über zehn Jahren.

Mit großem Sprung hinein: Etwa 100 Kinder durften als erste in das Becken der sanierten Thomas-Mann-Schwimmhalle springen

Mit großem Sprung hinein: Etwa 100 Kinder durften als erste in das Becken der sanierten Thomas-Mann-Schwimmhalle springen

Foto: Britta Pedersen / ZB

Sie sie sind laut, sie sind ungeduldig: Etwa 100 Kinder sitzen am Donnerstagmorgen rund um den Beckenrand und warten auf den Startschuss. Fünf Jahre lang ist in der Schwimmhalle an der Thomas-Mann-Straße in Pankow niemand mehr ins Wasser gesprungen. Deshalb müssen sich die Grundschüler jetzt auch noch gedulden, bis alle Reden verklungen sind. Der Sportsenator, sein Staatssekretär und die Vorstände der Berliner Bäder-Betriebe sind zur Wiedereröffnung der sanierten Halle gekommen. Denn es gibt noch einen zweiten guten Grund: Erstmals seit 2006 sind alle 37 Schwimmhallen wieder in Betrieb.

Dass die Thomas-Mann-Schwimmhalle noch dazugehört, ist engagierten Anwohnern, Sportlern und Bezirkspolitikern zu verdanken. 2002 stand die damals 25 Jahre alte Halle auf der Liste der zu schließenden Schwimmbäder. Nach Protesten sollte sie schließlich saniert werden. „Doch nachdem Rückübertragungsansprüche auftauchten, flog die Schwimmhalle aus dieser Planung wieder heraus“, sagt Stadtrat Torsten Kühne (CDU). Nach erneuten Protesten kam 2011 die definitive Zusage für eine Sanierung. Noch im selben Jahr wurde die Halle dafür geschlossen.

Mehr als fünf Jahre später steht sie jetzt wieder Schulen und Vereinen zur Verfügung. Neu ist, dass jetzt auch die Frühschwimmer von Montag bis Donnerstag, 6.30 Uhr bis 8 Uhr, ihre Bahnen ziehen können. „Damit ist das Bad seit 15 Jahren erstmals auch wieder für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich“, sagt Sport-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD). Kommenden Montag beginnt der reguläre Badebetrieb.

Halle wurde für fünf Millionen Euro komplett saniert

Zwei Jahre dauerte die Bauzeit an der Thomas-Mann-Straße. Knapp fünf Millionen Euro investierten die Bäder-Betriebe. Damit sei man im Zeit- und Kostenrahmen geblieben, betont Bäder-Vorstand Andreas Scholz-Fleischmann. Die Halle sei komplett saniert worden, nicht nur einzelne Bereiche. Vor der Schließung wurde das Bad von 600 Schulkindern und 150 Vereinsmitgliedern genutzt. Sie mussten zwischenzeitlich in die Hallen nach Buch oder an die Landsberger Allee ausweichen und teilweise eine Stunde durch die Stadt fahren. Die „Kinderlandverschickung“ sei jetzt vorbei, so Stadtrat Kühne, alle könnten jetzt wieder zurückkehren.

Seit zehn Jahren läuft das Bäder-Sanierungsprogramm vom Senat, 75 Millionen Euro wurden bereits investiert. Der gleiche Betrag soll in den nächsten Jahren noch einmal in die Bäder fließen. Als Nächstes stehen das Paracelsusbad in Reinickendorf, das Bad am Spreewaldplatz in Kreuzberg, die Schwimmhallen in Buch und das Stadtbad Tiergarten an.

Das Abgeordnetenhaus hat bereits 60 Millionen Euro für den Bau von zwei modernen Multifunktionsbädern in Pankow und Buch bewilligt. In vier bis fünf Jahren sollen die Spaß- und Familienbäder eröffnen. „Die Schwimmhallendichte ist sehr groß in Berlin“, sagt Sportsenator Andreas Geisel (SPD). Man müsse aber Schritt halten mit der Entwicklung der Stadt. Da reiche es nicht, sich mit dem Bestand zufriedenzugeben. Derzeit gebe es eine aufgeregte Diskussion über die Notwendigkeit von Videokameras. Schwimmbäder und Freizeiteinrichtungen seien im Zweifelsfall aber viel wichtiger, „weil sie dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche funktionierende soziale Orte haben und eben nicht auf die schiefe Bahn geraten.“

Im vergangenen Jahr haben 6,1 Millionen Gäste die Berliner Bäder genutzt. Das sind 300.000 weniger als im Jahr zuvor. Den Rückgang erklärt Bäder-Vorstand Scholz-Fleischmann mit der Abhängigkeit vom Sommerwetter. Allein im August 2016 gab es mit 544.000 Besuchern knapp 400.000 weniger als im vergleichbaren Vorjahresmonat (August 2015: 939.000 Besucher). Bis zu 80 Prozent der insgesamt verfügbaren Wasserflächen lägen unter freiem Himmel. „Das ist gut für unsere Hochsommerwochen, wie im August 2015, und weniger gut, wenn das Wetter nicht mitspielt“, so Scholz-Fleischmann. Dennoch lasse die Besucherbilanz kein Defizit in den Geschäftsbilanzen der Bäder-Betriebe erwarten. Die leichten Verluste würden an anderer Stelle ausgeglichen. „Aber nicht beim Personal“, sagt Bäder-Sprecher Matthias Oloew. In der Vergangenheit mussten immer wieder Bäder zeitweise geschlossen werden, weil es nicht genügend Mitarbeiter gab. Andreas Scholz-Fleischmann hatte die Misere mit einem Fachkräftemangel erklärt. Für den Betrieb der 37 Hallen sei aber jetzt genügend Personal da, versichert Oloew.