Prenzlauer berg

Rassistischer Übergriff: Mutter sucht Täter auf eigene Faust

Nach dem Übergriff auf einen dunkelhäutiger 17-jährigen Berliner in Prenzlauer Berg sucht die Mutter nach den vier mutmaßlichen Tätern.

Sonja Prinz und ihr Sohn

Sonja Prinz und ihr Sohn

Foto: Alexander Dinger / BM

Mit Aushängen am Ort des Geschehens bittet Sonja Prinz um Hinweise aus der Bevölkerung. „Es kann nicht sein, dass so etwas ungestraft bleibt“, sagte sie der Berliner Morgenpost.

Was war passiert? Ihr Sohn Benjamin (17) war am frühen Samstagmorgen an der Tramstation M10 (Husemannstraße) aus einer Gruppe heraus rassistisch beleidigt worden. Der 17-Jährige war mit einem Freund und einer Freundin auf dem Nachhauseweg von einer Party. An der Tramstation soll ein Mann den 17-Jährigen nach dem Mädchen gefragt haben. Als Benjamin sich nach einer kurzen Diskussion zum Gehen abwendete, soll der Unbekannte den Hitlergruß mit den Worten „So verabschieden wir uns hier in Deutschland“ gezeigt haben. Als Benjamin ihn zur Rede stellen wollte, kam es zum Handgemenge – in der laut Polizei beide Seiten handgreiflich geworden sein sollen.

Benjamin flüchtete, wurde aber eingeholt und getreten, als er bereits am Boden lag. Erst als zwei Radfahrer vorbeikamen, ließen die Männer von ihrem Opfer ab. Der 17-Jährige trug Prellungen und einen komplizierten Schlüsselbeinbruch davon, der am Dienstag operiert werden soll. „ Ich kann mich an nicht mehr viel erinnern. Das, was ich weiß, haben mir meine beiden Freunde erzählt“, sagte Benjamin der Morgenpost.

Mutter des Opfers will nicht auf Fahndung der Polizei warten

„ Mir ist so etwas zum ersten Mal passiert. Vielleicht passte den Leuten nicht, dass ich wie ein Ausländer aussehe. Dabei bin ich doch Deutscher“, so Benjamin weiter. Sonja Prinz hat nun Zettel mit einer Täterbeschreibung angefertigt, die sie im Tatort-Umfeld verteilen möchte. „Vielleicht haben Leute etwas gesehen und können der Polizei Hinweise geben“, sagte sie.

Demnach seien die Tatverdächtigen vier Männer zwischen 25 und 35 Jahre alt gewesen: einer sei sehr klein (1,60 Meter), einer sehr groß (2 Meter) und zwei mittelgroß (1,80 Meter). Der große Mann hat einen Vollbart, kurzes dunkles Haar und soll in der Tatnacht eine Jeans mit schwarzer Jacke getragen haben. Einer der beiden mittelgroßen Männer soll ein London Cap getragen haben und eine Glatze oder sehr kurze Haare haben. „Mehr wissen wir leider nicht. Die Erinnerungen sind sehr bruchstückhaft“, sagte Sonja Prinz, die noch vier weitere Kinder hat.

Bereits am Montag wandte die Berlinerin mit eindringlichen Worten auf der Webseite „New Generation Berlin“ an die Öffentlichkeit. Sie schilderte, wie sie voller Angst zu Hause auf ihren Sohn gewartet habe. „Es muss endlich etwas unternommen werden, solche Menschen müssen bestraft werden – auch rassistische Äußerungen müssen härter bestraft werden“, schrieb sie. Auch ihre jüngste Tochter habe schon Erfahrungen mit Rassismus gesammelt. „ Wenn ein kleines Kind wegen seiner Hautfarbe als Neger bezeichnet wird, läuft etwas schief“, sagte sie.