War es nur Zufall oder waren es gezielte Anschläge auf die Gesundheit von Kindern? Dieser Frage gehen derzeit die Ermittler der Polizei nach. Innerhalb von nur wenigen Tagen sind schon zwei Mal Rasierklingen im Sand auf zwei Kinderspielplätzen gefunden worden.

Am vergangenen Sonnabend, einen Tag vor den Pfingstfeiertagen, saß eine junge Mutter auf dem Spielplatz an der Pappelallee 74 in Prenzlauer Berg. Ihr kleiner Sohn spielte im Sand, wie viele andere Kinder auch. Plötzlich schreckte die Frau auf. Im Sand entdeckte sie zwei gefährlich scharfe Rasierklingen, in unmittelbarer Nähe eines Spielgerätes.

Wie ein Sprecher der Polizei der Berliner Morgenpost auf Anfrage mitteilte, hat die Frau die Rasierklingen daraufhin in einem Mülleimer entsorgt. Das sei sehr ungünstig gewesen, weil dadurch möglicherweise wichtige Spuren vernichtet wurden, hieß es. Anschließend machte die Frau aber alles richtig. Sie sprach alle Eltern auf dem Spielplatz an und informierte sie über den gefährlichen Fund. Dann alarmierte sie die Polizei und erstattete Anzeige.

Sand wird durchgeharkt

Der Spielplatz wurde daraufhin abgesperrt. Die Kriminalpolizei ermittelt jetzt wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung. Am Dienstagmorgen durchharkten Mitarbeiter des Grünflächenamtes den Sand. Es wurden keine weiteren Rasierklingen gefunden, der Spielplatz ist nun wieder freigegeben. Reste des rot-weißen Absperrbands flatterten aber immer noch an den Pfosten.

Sören Nolte war am Dienstag mit seinem Neffen auf dem Spielplatz. Er ist zu Besuch in Berlin, er kommt aus dem Ruhrgebiet und ist schockiert. „Wer macht so etwas? Das ist verantwortungslos“, sagte er. So etwas habe er noch nie erlebt. Bei ihm zu Hause habe es einen Fall mit Glassplittern von Flaschen auf einem Spielplatz gegeben, aber Rasierklingen seien eine ganz andere Sache.

„Wir können jetzt auch keine Spielplätze vorsorglich absperren“

„Wir können wirklich von Glück reden, dass Eltern die Rasierklingen gefunden haben und keine Kinder verletzt wurden“, sagte der für das Grünflächenamt zuständige Pankower Stadtrat, Jens-Holger Kirchner (Grüne). „Gott sei Dank, dass die Eltern so schnell reagiert haben.“ Nach Angaben Kirchners werden die Spielplätze regelmäßig gereinigt, eine gezielte Absuche nach Rasierklingen sei aber nicht möglich. Bei Sandflächen mit Größen von bis zu 100 Quadratmetern sei das eine nicht lösbare Aufgabe. „Wir können jetzt auch keine Spielplätze vorsorglich absperren.“ Kirchner appellierte an alle Eltern, die Augen offen zu halten, und mahnte zur Vorsicht. In Pankow gibt es ungefähr 220 Spielplätze, im Kernbereich in Prenzlauer Berg sind es ungefähr 40.

Die Leiterin einer Jugendeinrichtung auf dem Spielplatz, Antje Wilbricht, kann sich nicht vorstellen, wer dort Rasierklingen versteckt. Das ist nicht ihre einzige Sorge: „Ich finde es genauso schlimm, dass auf dem Gelände am Wochenende Partys gefeiert werden und die Leute dann ihre Glasflaschen auf dem Spielplatz liegen lassen.“ Das gehe in die gleiche Richtung, sagte sie.

Auf einem Kinderspielplatz am Teutoburger Platz in Prenzlauer Berg waren bereits am Donnerstag vergangener Woche mehrere Rasierklingen gefunden worden. Der Finder rief die Polizei, die den Platz zunächst absperrte und ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt einleitete. Bislang ohne Ergebnis. Der Spielplatz konnte nach einem Einsatz von Mitarbeitern des Grünflächenamtes wieder freigegeben werden.