Eine mutmaßliche Vergewaltigung in einem Neuköllner Jugendclub soll vertuscht worden sein, um die muslimischen mutmaßlichen Täter vor Stigmatisierung zu schützen. Der Fall aus der Einrichtung in der Wutzkyallee hat Anfang des Jahres Menschen weit über die Bezirksgrenzen und Berlin hinaus erschüttert. Kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe trat eine unabhängige Kommission ihre Arbeit an, um die Vorfälle aufzuarbeiten.

Jetzt liegen die Ergebnisse vor. Und die sind ziemlich erschreckend: Zwar hat die Kommission keine konkreten Anhaltspunkte dafür gefunden, dass die Vergewaltigung bewusst verheimlicht worden sein soll. Doch sie attestiert dem Neuköllner Jugendamt Versagen im Vorgehen rund um den Vorfall. Ein Schutzkonzept fehlte, außerdem vermisst die Kommission eine Dokumentation sowie eine strukturierte Bearbeitung des Falles durch das Amt.

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Doch auch wenn die Ergebnisse nicht gerade das Vertrauen in die Behörden stärken: Es ist gut, dass der Befund der Kommission nun vorliegt. Der kommt mit allerlei Empfehlungen daher, von Supervisionen für Fachkräfte über eine Klärung der Meldeketten für Kinderschutzfälle bis hin zur Erarbeitung eines Schutzkonzepts für die betroffene Einrichtung. Es gilt jetzt, diese Verbesserungsvorschläge zu prüfen und umzusetzen. Dabei spielt ein gründliches Vorgehen eine entscheidende Rolle.

Aber mindestens genauso wichtig ist Tempo: Denn derzeit ist der Jugendclub geschlossen, sehr zum Leidwesen vieler Kinder und Jugendlicher in der Gropiusstadt. Für viele ist die Einrichtung wie ein „zweites Zuhause“, wie die Kommissionsmitglieder in Gesprächen erfahren haben. Diesen Ort müssen sie zurückbekommen. Doch vorher braucht es ein verlässliches Jugendamt. Damit sich solche Vorfälle nicht wiederholen können.