Wenn man die künstliche Intelligenz fragt, wofür die katholische Kirche steht, antwortet diese: „Die katholische Kirche versteht sich als von Jesus Christus gegründete weltweite Glaubensgemeinschaft, die Glauben bewahrt, Sakramente feiert und Dienst am Nächsten tut“ – der letzte Punkt, ist der, auf den ich hinaus will. Weiter zählt die KI unter anderem soziale Verantwortung, Gemeinwohl, Gerechtigkeit und Frieden als Kernelemente der kirchlichen Soziallehre auf. Soweit nicht überraschend.

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Diese katholische Kirche, genauer das Berliner Erzbistum, hat kürzlich ein Neuköllner Miethaus (22 Wohnungen, rund 60 Mieterinnen und Mieter) an den Höchstbietenden, einen luxemburgischen Investor, verkauft. Auch die Mietendengemeinschaft hatte dem Erzbistum zwei Angebote gemacht. Das erste war dem Erzbistum zu gering, das zweite (über 3,8 Millionen Euro) sei eingegangen, als man bereits „Exklusivität“ mit dem Käufer vereinbart hatte.

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Neukölln-Reporterin Miriam Schaptke © Sergej Glanze | Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Nun kann man sagen, die Kirche hält sich eben an ihre Absprachen. Aber: Warum hat das Erzbistum nicht von Anfang an eine sozialverträgliche Lösung gesucht? Eine Genossenschaft? Eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft? Warum ist das Erzbistum nicht von vornherein mit seinen Verkaufsabsichten auf die Mietenden zugekommen? Hat ihnen keine faire Chance zum Kauf geboten? Sich nicht ihrer Sorgen angenommen?

Kirche fördert durch Verkauf Verdrängung im Kiez

Die Kirche, und hier stellvertretend das Erzbistum Berlin, hat eine soziale Verantwortung. Nicht nur weltweit, sondern auch direkt vor Ort. Wie in diesem Fall, mitten in Neukölln, nahe des Hermannplatzes. In einer Gegend, der ohnehin oft das Image eines Brennpunkts zugeschrieben wird. In einem Bezirk, in dem viele arme Menschen leben, dem Bezirk mit der höchsten Kinderarmutsrate (34 Prozent). Hier trägt die katholische Kirche weiter zur Verdrängung bei.

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Das Erzbistum verweist auf seine „treuhänderische Pflicht“ und darauf, dass Vermietung nicht zu seinen „Kernkompetenzen“ zähle. Der Verkaufserlös fließe direkt in kirchliche und soziale Aufgaben. So die Rechtfertigungen des Bistums. Doch viele Menschen vererben Immobilien an die Kirche, in dem Glauben, dass diese in guten Händen bleiben. Doch wenn Häuser zum Höchstpreis veräußert werden, ohne soziale Weitsicht, ohne moralische Leitplanken, zahlen am Ende die Mieterinnen und Mieter – und es geht auf Kosten der sozialen Durchmischung des Kiezes.