Es gab einmal einen Hermannplatz ohne Karstadt, aber dafür mit Straßenbahnen, wo heute die Verkaufsstände des Wochenmarktes stehen. Das monumentale Kaufhaus-Gebäude am Hermannplatz in Neukölln wurde erst ab 1927 gebaut. Zuvor standen dort Wohnhäuser.
Der Blick zurück in die Vergangenheit begeistert Michael Morsbach. „Ich war schon immer geschichtsinteressiert. Wenn man nur auf die Gegenwart schaut, sieht man die Dinge nur, wie sie derzeit sind, da fehlt das Wissen über die Entwicklung.“ Vor allem die Heimatgeschichte hat es ihm angetan: „Man hat einen ganz anderen Blick auf die Stadt, wenn man ihre Entwicklung kennt und weiß, wann und warum Dinge verschwunden oder hinzugekommen sind.“ Naheliegend also, dass Morsbach aktiv im Neuköllner Heimatverein ist.
Ein Verein, der mit Mitgliederschwund zu kämpfen hat. Wie viele andere auch. Derzeit treffen sich die zehn Mitglieder einmal im Monat. „Wir sind überaltert, unser Altersdurchschnitt liegt bei über 60“, so Morsbach. Er selbst ist 70 Jahre alt. Den Verein, der laut Morsbach keine Förderung erhält und heute „ums Überleben kämpft“, gibt es bereits seit 1920. Nach dem Krieg erschien monatlich ein Magazin.
Wandel des Bezirks: So hat sich Neukölln verändert
Auch heute recherchiert das Team zu heimatgeschichtlichen Themen aus Neukölln. Dafür suchen die Mitglieder sowohl im Internet als auch in Museen und Bibliotheken nach Informationen. Doch wie erreichen sie damit auch diejenigen, die nicht per se als Geschichts-Liebhaber durchgehen?
„Wichtig ist, sich auf Überraschendes zu fokussieren, mit dem die Leute nicht rechnen. Wussten Sie etwa, dass die Mondlandung in Britz begonnen hat?“ Beschrieben werden die zarten Anfänge der Karriere eines Neuköllner Forschers, der später tatsächlich wesentlicher Teil des NASA-Entwicklungsstabs wurde, in einem Magazin, das der Verein anlässlich der 650-Jahr-Feier in Britz herausgab.
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Wichtig sei auch, immer wieder Anknüpfungspunkte zwischen Vergangenem und der Gegenwart zu schaffen: „Schon der Magistrat der Stadt Rixdorf hat über Hitzetote diskutiert. Ein Thema, das auch uns heute beschäftigt“, so Morsbach, der neben seinem Engagement im Verein auch Bezirksverordneter für die Neuköllner SPD ist. Und wie bewertet er die Entwicklung Neuköllns über die Jahre?
„Der Bezirk ist immer städtischer geworden. Grünflächen und landwirtschaftliche Betriebe mussten Neubauten weichen, das ist schlecht für die Artenvielfalt. Der Wohnraum ist durch den hohen Zuzug von Nicht-Berlinern in die Stadt trotzdem noch knapp. Auch immer mehr Einzelhandelsgeschäfte verschwinden. Aber immerhin wurde bei den Veränderungen die Infrastruktur immer mitgedacht.“
Info: Die Vereinsmitglieder treffen sich jeden zweiten Montag im Monat um 17 Uhr in der Seniorenfreizeitstätte Bruno Taut, Fritz-Reuter-Allee 50. Interessierte sind willkommen.






