„Musik und das Singen sind für mich nicht einfach nur ein Hobby, es ist meine Leidenschaft“, sagt die 10-jährige Emily. Eigentlich will die Schülerin aus Neukölln unbedingt bei „The Voice Kids“ mitmachen, doch ihre Eltern finden, noch sei sie zu jung, um an der TV-Talentshow für junge Stimmen teilzunehmen. Ihrer Leidenschaft geht Emily aber jetzt schon nach: Dafür kommt sie einmal wöchentlich zur Chorprobe der „Vokalhelden“, einem Berliner Chorprogramm für Kinder und Jugendliche.

Auch interessant

Etwa 400 Kinder und Jugendliche nehmen das kostenlose Angebot in der Hauptstadt derzeit wahr. Berlinweit finden die Chorproben der Vokalhelden an verschiedenen Standorten statt, darunter etwa Moabit, Schöneberg Nord und Neukölln.

Spenden für die „Schöne Bescherung“

Um die Kinder- und Jugendhilfe in Berlin zu unterstützen, startet der Verein Berliner helfen zum 23. Mal die Spendenaktion „Schöne Bescherung“. Einrichtungen und Vereine, die sich für Kinder und Jugendliche in Berlin engagieren sind auf Spenden angewiesen, da sie vielfach ohne oder nicht ausreichende öffentliche Förderung aber mit großem Engagement arbeiten. Sorgen Sie für eine Schöne Bescherung!

Spenden Sie an: Berliner helfen e. V., Stichwort: „Bescherung“.
IBAN: DE73 3702 0500 0003 3071 00, BIC: BFSWDE33XXX.
Durch einen Klick auf die IBAN-Nummer können Sie direkt online spenden oder auf Betterplace

Weitere Infos unter Tel. 030 8872–77844 oder per E- Mail an: kontakt@berlinerhelfen.de

Für Salome Beber, Geschäftsführerin der Vokalhelden, macht vor allem die Niedrigschwelligkeit des Angebots die Chorproben der Vokalhelden besonders: „Oft bedarf es für eine Teilnahme im Chor ein Vorsingen. Das ist bei uns anders, hier können alle Kinder mitsingen, wir sortieren nicht aus.“ Das erfordere jedoch auch ein besonderes Maß an Betreuung. Jede Probe beginnt mit einem Warm-up, mit Body Percussions und einem Lockern der Stimme. „Und dann geht es für die Chorleiter darum, die Kinder da abzuholen, wo sie zu diesem Zeitpunkt an dem Tag stehen, wie wach und motiviert sie sind.“

Denn in vielen Fällen finden die Chorproben an Berliner Schulen statt, als Teil der Nachmittagsbetreuung. Eine Win-Win-Situation, für die Schulen auf der einen Seite, die die Kinder nach Schulschluss betreut wissen und für die Vokalhelden auf der anderen Seite, die über die Proben an den Schulen möglichst viele Kinder und Jugendliche auf ihr Angebot aufmerksam machen. „Uns geht es ja auch darum, diejenigen zu erreichen, die von Zuhause aus vielleicht noch keinen Zugang zu einem Chor bekommen haben“, so Beber.

Berliner Vokalhelden: Chor für alle Kinder und Jugendlichen in der Hauptstadt

Je nach Standort führen die Vokalhelden auch Wartelisten, sagt die Geschäftsführerin. Gerne würde sie das Angebot auch noch auf andere Standorte ausweiten. Dies ist aber auch von den finanziellen Mitteln abhängig, die Kosten belaufen sich derzeit laut Beber jährlich auf etwa 300.000 Euro. Denn auch wenn die Vokalhelden, die 2013 als Teil des Education Programms unter dem Dach der Berliner Philharmoniker gegründet wurden, im Jahr 2021 zum gemeinnützigen Verein wurden, sind dort anders als in den meisten Vereinen nicht hauptsächlich Ehrenamtliche tätig. Zu dem 25-köpfigen Team gehören zehn Honorarkräfte, die es zu bezahlen gilt.

Berliner helfen: Vokalhelden Neukölln
Die Berliner Vokalhelden: Geschäftsführerin Salome Beber (von links), die ehrenamtlichen Helferinnen Valmira Schöner und Lorena Barton und Chorleiter Linus Hohlweg.© FUNKE Foto Services | Florian Boillot

Dafür nutzt der Verein unter anderem die freiwilligen Elternbeiträge, aber auch Spenden wie etwa die von Berliner helfen, die im Rahmen der Jubiläumsaktion zum 25-jährigen Bestehens des Vereins vergeben wurden. Beber schätzt das Angebot an Kinderchören in der Hauptstadt generell als „nicht ausreichend“ ein. „Anders kann ich mir den Zulauf bei uns nicht erklären.“ Eltern seien teilweise zu weiten Fahrstrecken bereit, damit ihre Kinder bei den Vokalhelden mitsingen können.

Gesungen werden alle Genres, von Kinderliedern bis hin zu Pop-Musik. „Das hängt immer auch davon ab, worauf die Kinder Lust haben“, so Beber. Mitmachen können Kinder ab dem Grundschulalter, die Erst- und Zweitklässler bilden die „Minis“, danach folgen Level 1 (Dritt- und Viertklässler) und Level 2 (5. und 6. Klasse). Der Jugendchor, für Jugendliche zwischen 13 und 14 Jahren, probt am Tiergarten, die anderen Gruppen sind jeweils an den einzelnen Standorten vertreten. „Uns ist die Kieznähe sehr wichtig“, so Beber.

Bald vielleicht Auswahl-Ensemble bei den Berliner Vokalhelden

Grundsätzlich arbeiten die Chorleiter der Vokalhelden „prozessorientiert“ – das gemeinsame Singen steht also im Vordergrund, nicht so sehr die Vorbereitung auf ein bevorstehendes Konzert. Denn: „Das Singen im Chor ist etwas Soziales: hierbei geht es um ein Miteinander. Die Gruppe schafft etwas zusammen, hat ein gemeinsames Ziel und die Kinder konzentrieren sich für die Dauer einer Probe auf etwas anderes als das Handy“, beschreibt Beber die Effekte des gemeinsamen Singens, das sie auch als „verbindende Aktivität“ bezeichnet.

Berliner helfen: Vokalhelden Neukölln
Chorleiter Linus Hohlweg bei der Probe der Vokalhelden mit den Kindern an der Hugo Heimann Schule in Neukölln.© FUNKE Foto Services | Florian Boillot

Doch die Chorkinder haben trotzdem immer wieder die Chance auf einen Auftritt. So nehmen die Vokalhelden zwei Mal jährlich an den Mitsingkonzerten für Kinder in der Berliner Philharmonie teil, etwa 80 Kinder des Vereins stehen dann dort auf der Bühne, sie werden von rund 2000 Schulkindern von den Zuschauerplätzen aus begleitet. „Das ist natürlich riesig für die Kinder, dort aufzutreten“, sagt Beber. Wer dabei sein will, muss im Vorfeld zusätzliche Proben besuchen.

„Immer wieder sehen wir in den Chören auch Kinder und Jugendliche, die ein besonderes Talent und Begeisterung fürs Singen mitbringen und entwickeln“, so Beber, die die Geschäftsführung seit 2021 innehat. Deshalb sei man gerade in Überlegungen, ein Auswahl-Ensemble für diese Gesangstalente zu eröffnen, um sie besonders gut fördern zu können.

Es komme auch vor, dass Kinder über Jahre Teil der Vokalhelden bleiben, sie durchlaufen dann die einzelnen Alterslevel. Vielleicht wird das auch bei Emily so sein, die Fünftklässlerin ist schon seit einem Jahr dabei. „Im Musikunterricht singen wir nur ganz selten, da lernen wir vor allem verschiedene Musiker kennen. Hier im Chor singen wir viel und auch Lieder, die wir selbst aussuchen dürfen, das ist toll“, so die 10-Jährige. Ihren Traum, bei „The Voice Kids“ mitzumachen, hat sie noch nicht aufgegeben. Vielleicht erlauben es ihr ihre Eltern ja bald. Bis dahin freut sie sich jede Woche auf die Chorprobe der Vokalhelden.

Mehr Neuigkeiten aus Berlin-Neukölln finden Sie hier.