Gegen die Neuköllner Kulturkneipe Bajszel gibt es erneut antisemitische Drohungen. Rund um das Lokal in der Emser Straße sind Flugblätter mit impliziten Gewaltaufrufen gegen die drei Inhaber des Bajszel aufgetaucht. „Wir waren erstmal schockiert“, sagt Alexander Carstiuc, einer der drei Bajszel-Inhaber, unserer Redaktion. Wie er berichtet, hätte ein Nachbar sie am Mittwochmittag auf die Flugblätter aufmerksam gemacht. Insgesamt seien sieben in der Umgebung der Bar entdeckt und entfernt worden. Zudem wurde Anzeige bei der Polizei gestellt.

Auf den Flugblättern sind Fotos der Bajszel-Inhaber abgebildet, die mit roten Dreiecken gekennzeichnet sind – dem Symbol, mit dem die Hamas ihre Feinde bedroht. Für Carstiuc eine klare Drohung, die ihn an ähnliche Vorfälle etwa gegen proisraelische Journalisten erinnert. Sein Team veröffentlichte ein Foto des Flugblatts auf Instagram – jedoch mit gepixelten Fotos. „Wir wollen nicht als Opfer dargestellt werden“, sagt Carstiuc.

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Drohungen gegen Bajszl-Inhaber: „Wir wollen, dass diese drei für immer schweigen“

Im Text des Flugblatts werfen die unbekannten Autoren den Inhabern vor, im Bajszel „offen ihre Unterstützung für den Kolonialstaat Israel“ zu „propagieren“, der einen „Genozid“ an dem palästinensischen Volk in Gaza verüben würde. Zudem sollen die drei Betreiber auch an einer proisraelischen Demonstration am 5. Oktober beteiligt sein. Carstiuc verneint dies im Gespräch, sagt aber, dass er nun an der Kundgebung vor dem Rathaus Neukölln teilnehmen werde.

Bajszel Kulturbar Neukölln Betreiber Alex Carstiuc, Andrea Reinhardt, Alexander Renner
Die drei Bajszel-Inhaber Alex Carstiuc, Andrea Reinhardt und Alexander Renner (v.l.n.r.)© Hannah Köllen | Hannah Köllen

Auf dem Flugblatt werden die Bajszel-Inhaber zudem explizit bedroht: „Wer sich während eines Völkermordes auf die Seite der Täter stellt, sollte sich nirgendwo sicher fühlen. Wir wollen, dass diese drei für immer schweigen und als Warnung für alle Zionisten in Berlin und Neukölln gelten können.“ Das Flugblatt endet mit der als strafbar angesehenen Parole „From the river to the sea, Palestine will be free“.

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Immer wieder Angriffe gegen das Bajszel

Laut Carstiuc reihen sich die Flugblätter in einer Reihe von Angriffen gegen das Bajszel ein. Regelmäßig wird das Lokal mit Pflastersteinen beworfen und auch einen Brandanschlag gab es schon. Und auch er persönlich wurde bereits attackiert: „Vor zehn Tagen wurde ich auf dem Weg zum Bajszel auf der Straße angegriffen“, berichtet er. Aufgrund der Attacken wacht seit April 2024 rund um die Uhr die Polizei vor dem Lokal und sei auch schon häufiger eingeschritten. Doch „leider passieren viele Bedrohungen unterschwellig unter dem Level der Strafbarkeit, weshalb die Polizei nicht immer einschreiten kann“, sagt er.

Carstiuc erfreut deswegen die hohe Solidarität, die es für das Lokal gibt: Mittwochabend stellte Neuköllns Integrationsbeauftragte Güner Balcı dort ihr Buch „Heimatland“ vor – mit großen Andrang. Auch an vielen anderen Tagen gibt es im Bajszel Lesungen, Vorträge und Diskussionen. Häufig geht es dabei um jüdische Geschichte, Antisemitismus und Israel – aber auch der Ukraine-Krieg oder queere Themen werden thematisiert. Doch auch unabhängig von den Veranstaltungen lädt Carstiuc ein, ins Bajszel zu kommen: „Ein voller Laden schreckt viele ab.“