Es ist schon wieder passiert, diesmal sogar doppelt und zeitgleich: Zwei Freibäder in Berlin wurden am frühen Sonntagabend geräumt. Während es im Sommerbad Neukölln Auseinandersetzungen zwischen Badegästen und Security-Mitarbeitern gab, gab es im Sommerbad Kreuzberg eine Schlägerei zwischen männlichen Badbesuchern. In beiden Fällen schritt die Polizei ein, das Bad wurde zunächst für Besucher gesperrt.
Wie kann es sein, dass es immer wieder Vorfälle in Freibädern gibt, denen die Berliner Bäder-Betriebe (BBB) scheinbar nicht Herr werden? Und welche Konsequenzen drohen Störenfrieden, die rausfliegen? „Am Wochenende haben 135.000 Badegäste bei strahlendem Sonnenschein Berliner Bäder besucht“, teilt eine BBB-Sprecherin mit, „nahezu alle Besucher hatten ein friedliches, schönes Badevergnügen.“
Columbiabad in Neukölln: Streit zwischen zwei jungen Männern

In mehreren Bädern sei es aber wieder zu Zwischenfällen gekommen, man arbeite weiter intensiv daran, die Sicherheitslage in den Bädern zu verbessern. In Neukölln sei nach 16 Uhr die Polizei vom Bad alarmiert und gegen 18 Uhr entschieden worden, das Bad mit Polizei-Unterstützung zu schließen. In Kreuzberg gab es vor allem Streit zwischen zwei jungen Männern im Alter von 17 und 20 Jahren.
Der 20-Jährige soll die jüngere Schwester des 17-Jährigen belästigt haben, daraufhin sei dieser mit mehreren, unbekannt gebliebenen Männern herbeigeeilt und habe auf den 20-Jährigen eingeschlagen. Auch auf seinen 18-jährigen Begleiter wurde eingeschlagen, die Gruppe verließ danach das Freibad, das kurzzeitig gesperrt war. Mit Gesichtsverletzungen kam der 20-Jährige stationär in ein Krankenhaus.
Jugendliche folgen Anweisungen von Sicherheitspersonal und Bademeister nicht

„Die Kooperation mit Polizei und Sicherheitsdiensten hat gut funktioniert“, lobte der BBB-Vorsitzende Johannes Kleinsorg, so seien Eskalationen vermieden und der Badebetrieb aufrechterhalten worden. Die Menge der Vorfälle und das Verhalten einiger Badegäste stellten aber eine extreme Belastung dar. Krankenquoten stiegen dadurch an, Öffnungszeiten in einigen Bädern müssten eingeschränkt werden.
Zuletzt wurden als Reaktion auf Randale Sprungtürme und Rutschen in Pankow und Neukölln gesperrt. Ist das die Lösung? Scheinbar nicht. Bei einem Besuch im Columbiad Ende Juni stellte die Morgenpost fest, dass viele Jugendliche einfach vom Beckenrand sprangen, Bademeister und Sicherheitspersonal schienen sie davon kam abzuhalten können. Auch am Sonntag sollen sie Anweisungen nicht gefolgt sein.
Störenfriede in Freibädern werden oft nicht erkannt
Dabei drohen Störenfrieden durchaus Konsequenzen. „Die BBB sprechen Hausverbote bereits bei Verstößen gegen die Haus- und Badeordnung aus“, teilt eine Sprecherin mit. Die Gültigkeit und die Dauer der Hausverbote sei abhängig von der Schwere des Verstoßes. „Werden Personen in Bädern angetroffen, denen Hausverbote ausgesprochen wurden, stellen die BBB Strafanträge gegen sie.“
Dies scheint eines der Probleme zu sein: Es sind oft identische Personen, die Probleme bereiten, aber sie werden am Einlass nicht erkannt. Das liegt offenbar teils am Personalmangel, teils daran, dass man Freibäder als offene Orte belassen möchte. Genauere Einlasskontrollen würden auch zu noch längeren Schlangen führen. Immerhin behalten Tickets sieben Tage Gültigkeit, wenn man nicht ins Bad kommt.
Weniger Hausverbote in den Berliner Sommerbädern als man denkt
Etwa weil es zu voll ist oder gerade gesperrt wegen Schlägereien. Sicherheitsdienste wie die Firma GSO, die etwa im Columbiabad im Einsatz ist, verweisen bei Nachfragen zu ihrer Praxis auf die BBB. Ebenso die Polizei. „Wenn uns Straftaten bekannt werden, werden sie verfolgt“, teilte eine Sprecherin mit. „Wenn keine Straftaten angezeigt sind, liegt das Hausrecht bei den BBB und Sicherheitsdiensten.“
Zu Hausverboten wegen Gewaltvorfällen kommt es aber seltener als man denkt. Laut einer Anfrage der AfD im Abgeordnetenhaus wurden in den letzten fünf Jahre 1287 Hausverbote in allen BBB-Bädern erteilt, gut die Hälfte davon in Freibädern. Die meisten in den Sommerbädern Pankow (211), am Insulaner (102) und Neukölln (94). Meist wegen Störungen der Haus- und Badeordnung der BBB (621 Fälle) und Leistungserschleichung wie nicht bezahltem Eintritt (191), deutlich seltener wegen Körperverletzung (75).
Was hilft gegen Gewaltvorfälle?
Die Vorfälle nehme ab und wieder zu, 2022 verdoppelte sich die Anzahl der Hausverbote fast im Vergleich zu 2021. Die BBB vermuten, dass es mit unterschiedlich heißen Sommern zusammenhängt, wegen denen auch Besucherzahlen schwanken. Aber egal, ob es die Temperaturen, zu viel Testosteron bei Besuchern oder zu löchrige Kontrollen sind – Gewaltvorfälle, oft an engen Orten im Freibad, wo ohnehin meist Lebenswelten aufeinander treffen, nehmen nicht ab. Ob gesperrte Attraktionen und immer öfter geschlossene Bäder da helfen?


