3000 Teilnehmer

Illegale Party in der Hasenheide sorgt für Kopfschütteln

Rund 3000 Menschen feierten in der Nacht zu Sonntag in dem Neuköllner Park. Erst nach Stunden war die Grünanlage geräumt.

In der Hasenheide wurde am Sonntag bis in die frühen Morgenstunden gefeiert.

In der Hasenheide wurde am Sonntag bis in die frühen Morgenstunden gefeiert.

Foto: Morris Pudwell

Berlins Clubs sind seit mehr als vier Monaten geschlossen. Trotzdem lassen sich vor allem junge Menschen das Feiern und Tanzen nicht nehmen. Immer wieder weichen sie dabei in die Parks der Hauptstadt aus. Vor allem die Hasenheide in Neukölln zieht Woche für Woche das Partyvolk an. In der Nacht zu Sonntag nahm das jedoch neue Dimensionen an. Laut Polizei feierten dort rund 3000 Personen auf „mehreren nicht genehmigten Musikveranstaltungen“.

Dilek Kalayci über Hasenheide-Partys: „Ich verstehe diese Menschen nicht“

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci rechnet mit Konsequenzen. Sie gehe fest davon aus, dass der Bezirk Ordnungswidrigkeiten verfolge, sagte die SPD-Politikerin am Montag im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses. Die Partys bezeichnete Kalayci als „nicht hinnehmbar“ und „illegal“, etwa mit Blick auf den Schutz der Grünanlagen und den Immissionsschutz.

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Die Veranstalter, die das Equipment dorthin brachten, müssten ausfindig gemacht werden. Alle Verstöße zusammengerechnet, ergebe sich eine „beträchtliche Summe“, sagte sie. Dies gelte es durchzusetzen. Über die Partyteilnehmer sagte sie: „Ich verstehe diese Menschen nicht.“ Sie schauten wohl keine Nachrichten oder bekämen vom Weltgeschehen nichts mit. „Pandemiezeit ist keine Partyzeit“, bekräftigte sie. Nicht umsonst seien die Clubs als erstes geschlossen worden.

Auch mehrere Mitglieder des Berliner Gesundheitsausschusses prangerten am Montag das Verhalten mancher Menschen in der Corona-Krise an. Der SPD-Politiker Thomas Isenberg etwa sagte, für „Partyexzesse“ wie zuletzt in der Hasenheide habe er nur Kopfschütteln übrig. Von Erwachsenen hätte er demnach rationaleres Verhalten erwartet. Alle müssten sich einschränken. Weitere Ausschussmitglieder monierten außerdem, dass etwa in der Gastronomie und quer durch die Gesellschaft Corona-Regeln nicht eingehalten würden und es zu wenige Kontrollen gebe.

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Illegale Party in der Hasenheide: Polizei rückt mit 70 Einsatzkräften an

Die Beamten rückten in der Hasenheide an, nachdem sich am Sonnabendabend gegen 22.20 Uhr mehrere Anwohner über den Lärm beschwert hatten. „Wir haben den Park begangen und mit Einsatzwagen ausgeleuchtet“, sagte eine Polizeisprecherin. Nachdem man sich ein Lagebild verschafft habe, hätte gegen zwei Uhr morgens die Räumung begonnen. Man habe die Feiernden zunächst gezielt angesprochen und sie auch über Lautsprecher zum Gehen sowie zum Einhalten des Mindestabstands aufgefordert, so die Sprecherin weiter. „Dem wurde zum größten Teil gefolgt.“ Platzverweise habe man nur vereinzelt erteilen müssen. Erst um fünf Uhr sei der Einsatz erfolgreich beendet und die Hasenheide vollständig geräumt gewesen.

Ein Reporter vor Ort berichtete davon, dass die Feiernden den Park zunächst nicht verlassen hätten, sondern lediglich in andere Teile ausgewichen seien. Das bestätigte die Polizeisprecherin nicht. Ein entsprechendes „Katz-und-Maus-Spiel“ habe es nicht gegeben. „Es dauert eben eine gewisse Zeit, bis 3000 Menschen einen Park verlassen.“

Die Polizei war insgesamt mit 70 Kräften sowie sieben Hunden im Einsatz. Am Ende wurden fünf Musikanlagen beschlagnahmt und fünf Ermittlungsverfahren wegen illegalen Lärms eingeleitet – eine Ordnungswidrigkeit. Laut der Sprecherin wurde ein Einsatzfahrzeug der Polizei beschmiert. Der Park selbst wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Auf den zertrampelten Wiesen fand sich überall Müll.

Senat sucht nach Orten für Open-Air-Veranstaltungen

Bis zum 24. Oktober sind aufgrund der Corona-Pandemie Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen verboten. Da Clubs und Diskotheken als Orte gelten, in denen die Ansteckung vieler Menschen gleichzeitig sehr wahrscheinlich ist, wurden sie Mitte März auf unbestimmte Zeit geschlossen. Mit dem Beginn des Sommers und der Lockerungen der Eindämmungsverordnung wird häufig in Berlins Parks gefeiert. Zuletzt forderte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) die Bezirke auf, geeignete Frei- und Grünflächen, Straßen und Plätze und womöglich auch Sportaußenanlagen für Open-Air-Veranstaltungen zu öffnen. Dort ist man eher skeptisch.

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Die Dachorganisation der Berliner Clubs, die Clubcommission, hat bereits einige infrage kommende Orte zusammengetragen. Dazu zählen etwa ein Areal am Juliusturm (Spandau) der Britzer Hafensteg (Neukölln) oder der Volkspark Jungfernheide (Charlottenburg-Wilmersdorf).