Hermannplatz

Karstadt in Neukölln - Grüne lehnen "Ka-De-We-isierung" ab

Ein Karstadt-Neubau im Stil der 1920er-Jahre sollte entstehen. Schmidt will aber kein "Bikini-Haus à la Neukölln oder Kreuzberg".

So soll es irgendwann mal wieder aussehen, wenn es nach den Plänen der Eigentümer geht: das Karstadt-Haus am Hermannplatz.

So soll es irgendwann mal wieder aussehen, wenn es nach den Plänen der Eigentümer geht: das Karstadt-Haus am Hermannplatz.

Foto: ChipperfieldArchitects

Berlin. Einen Neubau von Karstadt in Neukölln lehnen die grünen Baustadträte aus Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln, Florian Schmidt und Jochen Biedermann, weiterhin ab. Das erklärten beide bei einer gemeinsamen Podiumsdiskussion am Dienstagabend in Neukölln. Der Karstadt am Hermannplatz, der – geht es nach dem Willen seiner Eigentümer –, neu gebaut werden soll, liegt nur wenige Gehminuten entfernt.

Rund 200 Berliner waren der bezirksübergreifenden Einladung der Grünen aus Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg in das Gemeindezentrum Refugio gefolgt. Mit auf der Bühne saßen Kreuzbergs Grünen-Fraktionssprecher Julian Schwarze sowie die Neuköllner Abgeordnete Susanna Kahlefeld. Auch sie äußerten sich kritisch gegenüber den Neubauplänen von Signa.

Der geplante Karstadt-Neubau im Stil der 1920er-Jahre soll schätzungsweise 450 Millionen Euro kosten. Die Gewerbefläche im Haus soll um rund 30 Prozent erhöht werden. Kritiker des Projekts befürchten daher sowohl steigende Gewerbe- wie auch Wohnungsmieten in den angrenzenden Kiezen.

Florian Schmidt (Grüne): „Keine KaDeWe-isierung des Hermannplatzes“

Schmidt erklärte, er fürchte, dass der Karstadt-Eigentümer Signa am Hermannplatz ein „Bikini-Haus à la Neukölln oder Kreuzberg“ bauen wolle. Heute habe man hier einen „Karstadt der kleinen Leute“, erklärte der Kreuzberger Baustadtrat weiter. Eine „KaDeWe-isierung“ des Hermannplatzes lehnte Schmidt aber ab. Auch Biedermann sagte, er könne sich kaum vorstellen, dass bei einer 450-Millionen-Euro-Investition danach nicht die Mieten steigen würden. Auf dem Gebäude laste schließlich ein enormer Refinanzierungsdruck.

Unterstützung erhielt Schmidt von seiner Parteikollegin Kahlefeld. Auch sie erklärte, dass sie sich nicht vorstellen könne, dass sich das umliegendes Gewerbe durch einen Neubau positiv entwickeln werde – insbesondere durch die Konkurrenz, die im Kaufhaus ansässig sei. „Da landet ein Ufo, das die anliegenden Geschäfte platt macht“, so Die Grünen-Politikerin.

Karstadt-Neubau: Kein „Monumentalbau“ in Kreuzkölln

Auf Kreuzberger Seite hat das Neubau-Projekt seinen schärfsten Kritiker in Baustadtrat Schmidt. Im Spätsommer 2019 hatte er dem Neubau eine klare Absage erteilt. Zu teuer und zu groß: Der „Monumentalbau“ würde nicht nach Kreuzberg und Neukölln passen, so Schmidt im August. Dieses „Nein“ vom Baustadtrat hat Bestand.

Gegenüber der Berliner Morgenpost erklärte Schmidt nun, dass er an diesem Standpunkt nach wie vor festhalte. „Es liegen keine neuen Planungen vor, die zu einer Neubewertung der Situation führen könnten. Insofern sehe ich weiterhin kein Planerfordernis.“

Für ihn stelle sich die Frage, ob Karstadt tatsächlich ein „Mega-Investment“ brauche, um am Standort bestehen zu bleiben. Diese betriebswirtschaftlichen Analysen müsse Karstadt vorlegen. „Welchen Preis sind wir – die Anwohner, aber auch die Politik – bereit zu bezahlen, damit uns Karstadt als Nahversorger hier erhalten bleibt?“

Weiter enge Zusammenarbeit zwischen Bezirken

Obwohl das Kaufhaus in Kreuzberg liegt, will Schmidt sich auch weiterhin eng mit seinem Kollegen Biedermann zu dem Projekt absprechen. „Einen Bebauungsplan müsste die BVV Friedrichshain-Kreuzberg beschließen, da kommt man nicht drum herum.“ Auf der fachlichen Ebene wolle man aber weiterhin mit Neukölln zusammenarbeiten.

In Richtung Neukölln und dem Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) forderte Schmidt, dass dieser seine positive Haltung zum Neubau-Projekt fachlich unterlegen solle. „Die Einschätzungen aus dem Fachbereich Stadtplanung gehen in dieselbe Richtung wie die aus Friedrichshain-Kreuzberg. Es gibt auch in Neukölln eine große Skepsis gegenüber dem Projekt.“