Verkehr

Pollerradweg für Hermannstraße - Parkplätze weichen Busspur

Etliche Parkplätze müssen zudem einer extra Busspur in der Hermannstraße weichen. Baustart in Neukölln soll Anfang 2021 sein.

Die Hermannstraße bekommt eine Bus- und Fahrradspur.

Die Hermannstraße bekommt eine Bus- und Fahrradspur.

Foto: BM

  • In Neukölln wird die Hermannstraße ab Anfang 2021 umgebaut.
  • Die Hermannstraße soll eine Busspur und eine sogenannte Protected Bike Lane bekommen
  • Dafür werden viele Parkplätze an der Hermannstraße wegfallen.
  • Kritik an den Umbauplänen kommt von der FDP.

Berlin. Die Hermannstraße, eine der meistbefahrenen Straßen Neuköllns, bekommt eine Bus- und Fahrradspur. Das teilte nun das Bezirksamt auf Nachfrage mit. Die Hermannstraße wird für Autos und Lkw dann in beide Richtungen nur noch einspurig sein. Zudem werden voraussichtlich etliche Parkplätze entlang der Straße dem Bus- und Fahrradweg weichen müssen. Die Bauarbeiten sollen Anfang 2021 beginnen. Derzeit befände man sich noch in der Planungsphase, sagte ein Sprecher des Bezirksamts.

In einem ersten Bauabschnitt soll ab der Juliusstraße bis zum S- und U-Bahnhof Hermannstraße auf einer Länge von rund 600 Metern eine Busspur inklusive Fahrradweg errichtet werden. Bisher hat die Hermannstraße in jede Richtung eineinhalb Fahrbahnen. Diese sollen im Rahmen der Umbaumaßnahmen deutlich verschmälert werden.

Neukölln: Hermannstraße bekommt Busspur und Protected Bike Lane

Künftig soll Autofahrern dann nämlich nur noch eine Fahrspur zur Verfügung stehen. Auf der restlichen Breite wird links und rechts dann eine Fahrbahn für Busse erstellt, auf der auch Radfahrer fahren dürfen. Außerdem werden wegen der Baumaßnahmen unzählige Parkplätze entlang der Hermannstraße zurückgebaut. Um wie viele genau es sich handelt, konnte das Neuköllner Bezirksamt aber nicht mitteilen.

Der zweite Bauabschnitt soll dann vom S- und U-Bahnhof Hermannstraße bis zum Hermannplatz reichen. Hier wird beidseitig eine sogenannte „Protected Bike Lane“, also ein geschützter Radfahrstreifen, errichtet. Diese soll durch Markierungen, aber auch durch Poller kenntlich gemacht werden. Neben dauerhaft aufgestellten Pollern soll es zudem auch flexible geben, die beispielsweise von Feuerwehr, Notarzt oder Polizei bei Bedarf schnell abgebaut werden können. Eine Busspur ist auf diesem Streckenabschnitt indes nicht nötig, da hier keine Busse fahren.

Autofahrer haben auf Hermannstraße in Neukölln nur noch eine Spur pro Richtung

Aber auch in diesem Bauabschnitt fallen entlang der Hermannstraße etliche Parkplätze zugunsten des neuen Radwegs weg – und auch hier ist die genaue Zahl noch unklar. Ebenfalls werden die Fahrbahnspuren beidseitig künftig nur noch einspurig sein. Insgesamt wird die Hermannstraße auf 2,6 Kilometern umgebaut. Nach ersten groben Schätzungen des Bezirksamts belaufen sich die Baukosten auf rund 2,2 Millionen Euro.

Der Sprecher des Bezirksamts betonte gegenüber dieser Zeitung, dass man sich noch am Anfang der Planung befände. Erst Mitte Februar sei mit der Fertigstellung eines konkreten Konzepts zu rechnen. Dann wolle man in Gespräche mit Anwohnern und Gewerbetreibenden treten. Denn von dem Wegfall der Parkplätze seien die ganz besonders betroffen. Hier sollen gemeinsam allgemeinverträgliche Lösungen gefunden werden. Zudem sollen Liefer- und Ladezonen eingerichtet werden.

Neue Ampelanlage wird am Anita-Berber-Park errichtet

Im Zuge der Baumaßnahmen soll zudem eine neue Ampelanlage an der Hermannstraße auf Höhe der Thomasstraße errichtet werden. Gerade erst wurde hier eine provisorische Ampel in Betrieb genommen.

Vom Hermannplatz aus wird man zukünftig sicher mit dem Fahrrad weiter Richtung Bergmann- und Graefekiez fahren können. Denn hier wurde bereits im vergangenen Jahr zwischen Südstern und Hermannplatz eine „Protected Bike Lane“ eröffnet. Der rund einen Kilometer lange geschützte Radweg hatte eine Millionen Euro gekostet und ist ebenfalls durch Poller vom Autoverkehr getrennt und mit grüner Farbe markiert.

Kritik an dem geplanten Pollerradweg kommt indes von der FDP-Fraktion aus dem Abgeordnetenhaus. Der Fraktionsvorsitzende Sebastian Czaja sagte, dass gegen eine Bus- und Fahrradspur zwar im Prinzip nichts einzuwenden sei. Es gleiche aber bei einer der meistbefahrenen Straßen Neuköllns an „kompletten Realitätsverlust“. Czaja erklärte weiter: „Hier fördert es kein intelligentes Verkehrsmanagement, sondern führt zur Verschärfung der ohnehin schon bestehenden Stauproblematik.“

Bezirk baut derzeit an 14 Radverkehrsmaßnahmen

Insgesamt treibt der Bezirk Neukölln die Verkehrswende weiter voran, derzeit wird an 14 Radverkehrsmaßnahmen gebaut. Das größte Projekt ist der Umbau der Weserstraße, die zur längsten Fahrradstraße Berlins umgebaut wird. Auf rund 2,5 Kilometern länge wird die Parallelstraße der Sonnenallee ausgebaut. Dieses Jahr startet der erste von drei Bauabschnitten – bis 2022 soll die Fahrradstraße dann komplett fertig sein.

Eine weitere Fahrradstraße wird voraussichtlich auch noch in diesem Jahr in der Oderstraße eingerichtet. Dazu soll die Fahrbahn der Oderstraße zwischen Grüner Weg (südlicher Eingang Tempelhofer Feld) und Emser Straße asphaltiert werden. Anschließend wird dann die Oderstraße zwischen Herrfurthstraße und Siegfriedstraße zu einer Fahrradstraße ausgeschildert. Außerdem gibt es im Bezirk mehr als 2000 Fahrradbügel.

Abgeordnetenhaus wegen Mobilitätsgesetz in der Kritik

2018 beschloss das Berliner Abgeordnetenhaus das Mobilitätsgesetz. Dieses gibt dem Umweltverbund aus ÖPNV, Rad- und Fußverkehr Vorrang vor dem Autoverkehr. Dazu sind dort unter anderem ein Ausbau der Radwege und ein Programm für sichere Kreuzungen verankert. Darüber hinaus sollen an allen Hauptverkehrsstraßen ausreichend breite Radwege angelegt werden, auf denen sich Radfahrer gefahrlos überholen können. Außerdem sind 100 Kilometer Radschnellwege, mehr Abstellanlagen für Räder sowie neue Fahrradparkhäuser geplant.

Doch das Abgeordnetenhaus ist wegen des Gesetzes immer wieder in der Kritik. Grund: Der Umbau Berlins zur Fahrradstadt geht nur langsam voran. Zu den Kritikern gehört unter anderem der Verein Changing Cities. „In den ersten 1,5 Jahren seit Verabschiedung des Mobilitätsgesetzes wurden – wohlwollend geschätzt – etwa fünf Kilometer neue oder qualifizierte Radinfrastruktur errichtet“, hieß es in einer Erklärung Ende 2019. Nötig sei jedoch eine Verbesserung der Fahrradinfrastruktur auf rund 3100 von 5600 Straßenkilometern in Berlin.