Club-Sterben

Kaum noch Chancen für Griessmühle in Neukölln

Das Club-Sterben in Berlin geht weiter: Die Griessmühle muss Ende Januar wohl schließen. Die Betreiber wollen aber nicht aufgeben.

Schlechte Zeiten für Techno-Fans: Die Griessmühle in Neukölln kämpft ums Überleben.

Schlechte Zeiten für Techno-Fans: Die Griessmühle in Neukölln kämpft ums Überleben.

Foto: Emily Wabitsch / picture alliance / dpa

Berlin. Das Club-Sterben in Berlin geht weiter: Die Griessmühle, einer der bekanntesten Techno-Clubs der Stadt, kämpft ums Überleben. Schon Ende Januar, also in zwei Wochen, laufe der Mietvertrag aus, teilten die Clubbetreiber mit. Und es kommt noch dicker: Bereits am 31. Januar muss das Gelände, zu dem neben dem Club auch noch eine Kantine, ein Musik-Aufnahmestudio sowie ein Bürogebäude zählen, geräumt sein. Den mehr als 100 Mitarbeitern wird dann vermutlich gekündigt werden.

David Ciura hatte vor acht Jahren den Club eröffnet, der inzwischen Gäste aus aller Welt anlockt. Vor vier Jahren kaufte dann die SIAG Property II GmbH das Grundstück an der Sonnenallee 221 in Neukölln. Seitdem bekam die Griessmühle nur noch befristete Mietverträge, immer auf ein halbes Jahr begrenzt.

Griessmühlen-Gelände wurde vor vier Jahren verkauft

Anfang November 2019 wurde schließlich die Baugenehmigung für das ehemalige Industriegebäude erteilt. „Der aktuelle Eigentümer möchte das Gelände nun zügig weiterverkaufen“, so die Betreiber der Griessmühle.

Ein neuer Eigentümer sei bisher noch nicht bekannt. Es gebe somit auch keine Möglichkeit, über einen Verbleib zu verhandeln, berichten die Techno-Klub-Betreiber weiter. „Mehrere Investoren, die uns einen Weiterbetrieb für die nächsten sieben bis zehn Jahre zusichern würden, haben sich bereits im September 2019 an die S IMMO Germany GmbH gewandt – aber wurden bisher nicht berücksichtigt.“

Club droht das gleiche Schicksal wie KitKat oder Sage

Bereits in zwei Wochen könnte der beliebte Club in Neukölln also schließen. Damit könnte die Griessmühle das gleiche Schicksal ereilen wie das White Trash oder das Jonny Knüppel auf der Lohmühleninsel – diese Clubs mussten schon schließen. Dem Sage und dem KitKat-Club droht ebenfalls das Aus.

Doch die Griessmühlen-Betreiber geben nicht auf, versuchen nun durch die Kampagne #saveourspaces gegen die Schließung zu demonstrieren. „Die Kampagne #saveourspaces wird in den kommenden Wochen mit einer Petition und einer Medienkampagne weiter ausgebaut, um weiterhin an den Eigentümer zu appellieren“, so die Betreiber der Griessmühle. Der Bezirk Neukölln hat bereits seine Hilfe angeboten. Die Sitzung des Ausschusses für Bildung, Schule und Kultur findet daher am Dienstag in dem Club statt.

Wirtschaftssenatorin meldet sich zu Wort

Zwar bekräftigen nun Bezirks- und Landespolitiker, den Club in seinem Kampf ums Überleben unterstützen zu wollen. So teilte beispielsweise Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) über den Kurznachrichtendienst Twitter mit: „Die Griessmühle war und ist eine Bereicherung für unseren Bezirk und für ganz Berlin. Sie muss bleiben!“

Und auch Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) meldete sich über den Kurzmitteilungsdienst Twitter zu Wort. Pop schrieb: „Die Griessmühle prägt die Berliner Clubszene, ihre Kunst- Kulturangebote sind von großer Bedeutung für den Kiez. Wir appellieren an den neuen Eigentümer, den Standort der Griessmühle zu sichern. Stadtentwicklung und der Erhalt kultureller Orte müssen Hand in Hand gehen.“

Griessmühle - Eigentümer des Geländes verweigert Kontakt zum Bezirksamt

Doch der Neuköllner Kultur-Ausschuss, der am Dienstag extra aus dem Rathaus in die Griessmühle verlegt wurde, zeichnete ein wenig hoffnungsvolles Bild. Kulturstadträtin Karin Korte (SPD) erklärte im Ausschuss, dass die Griessmühle zwar sowohl als Club wie auch als Kulturstandort wichtig sei für den Bezirk. Doch das Gelände sei bereits vor Jahren verkauft und eine neue Baugenehmigung erteilt worden. Außerdem verweigere der Eigentümer – SIAG Property II GmbH –, der das Gelände, auf dem früher einmal eine Nudelfabrik stand, gekauft habe, den Kontakt zum Bezirksamt.

Noch deutlicher wurde Clemens Mücke von der Neuköllner Wirtschaftsförderung. Auch er sprach im Kultur-Ausschuss. Mücke erklärte, dass man die Verkaufsverhandlungen mit neuen Investoren stören müsse. „Wir versuchen, Unruhe reinzubekommen“, sagte er. Mücke vermutet, dass die SIAG Property II GmbH das Gelände an der Sonnenallee meistbietend verkaufen möchte – und das gehe nun mal am besten, wenn Gelände geräumt und unbenutzt sei.

Griessmühle hat keinen Alternativ-Standort

Einen Alternativ-Standort gebe es indes nicht, teilte Club-Sprecherin Michaela Krüger am Dienstag dem Kultur-Ausschuss mit. Die neue Location sollte im S-Bahn-Ring liegen und bezahlbar sein. „Es ist super schwer, etwas Neues zu finden in Berlin“, so Krüger.

Die Griessmühle prägt seit Jahren nicht nur die Berliner Clubszene, sondern hat sich auch durch ihr breites Kunst- und Kulturangebot – von Ping-Pong-Abenden über Kinoveranstaltungen bis hin zu Sportprogrammen, den Mühlenmarkt und Symphoniekonzerten – einen Namen gemacht. Zudem befinden sich der Latitude Record Store und das Bistro CC Neukölln auf dem Gelände.

Club-Sterben in Berlin hat auch Auswirkungen auf die Wirtschaft

Doch das Club-Sterben in Berlin hat nicht nur Auswirkungen für Nachtschwärmer. Auch die Berliner Wirtschaft dürfte die Schließung von Tanzlokalen empfindlich treffen. Club-Touristen bescheren der Stadt nämlich Umsätze von 1,48 Milliarden Euro pro Jahr. Drei Millionen Touristen feierten laut einer Studie der Berliner Club-Kommission 2018 in Berliner Diskotheken – nicht eingerechnet die Partygäste, die sowieso in der Stadt wohnen. Vor allem der Hauptstadt-Tourismus profitiert also: Ein Viertel der 13 Millionen Touristen kam laut Studie, um die Nächte durchzufeiern.

Die Studie, in der umfangreich Berliner Veranstalter und Experten befragt wurden, zeigt die Welt hinter der Clubtür: 9040 Beschäftige sind in Berliner Clubs angestellt – allerdings nur 30 Prozent sozialversicherungspflichtig. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr 168 Millionen Euro. Hinzu kamen knapp 50 Millionen Euro indirekte Umsätze, also Geld, das Getränkehändler einnehmen, Handwerksbetriebe oder Hotels, die die DJs beherbergen.