Grundwasser

Blumenviertel: Anwohner müssen selbst Pumpenanlagen kaufen

2,3 Million Euro gibt Senat für Grundwasser-Projekte in ganz Berlin. Warum Bewohner des Blumenviertels darüber enttäuscht sind.

Enttäuschung im Blumenviertel: Der Senat stellt dem Neuköllner Kiez keine Extra-Gelder in Aussicht.

Enttäuschung im Blumenviertel: Der Senat stellt dem Neuköllner Kiez keine Extra-Gelder in Aussicht.

Foto: Sergej Glanze

Berlin. Jahrelang wurde gestritten, vor rund drei Wochen sogar der Anwalt eingeschaltet und eine Klage vorbereitet. Mittelpunkt des Disputs: Das Neuköllner Blumenviertel und die Frage, wer hier für die Trockenlegung der Häuser verantwortlich sei. Die werden nämlich durch das Eindringen von Grundwasser immer wieder nass.

Nun hat die Landesregierung im neuen Haushalt für die Jahre 2020/21 Gelder im Millionenhöhe bereitgestellt für Grundwasserprojekte – allerdings in ganz Berlin. Die betroffenen Anwohner im Blumenviertel hatten jedoch auf eine Extra-Zuwendung und die Beilegung des Streits gehofft – vergeblich, wie sich nun zeigt.

Mehrere Millionen Euro für Grundwasserprojekte in ganz Berlin

Für die Jahre 2020 und 2021 stehen insgesamt 2,3 Millionen Euro für Grundwasserprojekte bereit. Zuvor berichtete der „Tagesspiegel“, dass das Geld ausschließlich für das Neuköllner Blumenviertel sei.

„Die für den Haushalt 20/21 erwähnten Mittel sind für ganz Berlin, also auch für das Blumenviertel, gedacht“, erklärte Jan Thomsen, Sprecher des Senatsverwaltung für Umwelt, dieser Zeitung. Außerdem solle mit dem Geld eine Sachbearbeiterstelle geschaffen werden.

Hausbesitzer sollen mit Geld bei Planung unterstützt werden

Damit die Keller im Blumenviertel trocken bleiben, benötigen die betroffenen Haushalte Pumpenanlagen. Da sich Anwohner und Land jahrelang nicht auf einen Weiterbetrieb der bestehenden Brunnenanlage einigen konnten, müssen jetzt die betroffenen Hausbesitzer selbst Pumpenanlagen auf ihren Grundstücken installieren.

„Kleine dezentrale Grundwasserabsenkungsanlagen“ seien laut Thomsen hierfür die praktikabelste, ökonomisch und ökologisch nachhaltigste Lösung. Hierfür seien sowohl die Investitionen, die Betriebskosten als auch der Abstimmungsaufwand überschaubar.

Bewohner zeigen sich enttäuscht über die Haushaltsmittel

Mit den nun im Haushalt 2020/21 bereitgestellten Geldern sollen Hausbesitzer unterstützt werden, „die fachliche und zentrale Steuerung modelltechnischer Berechnungen von solchen dezentralen Brunnenanlagen zu planen und Ingenieurbüros mit der Erstellung der Planungsunterlagen zu beauftragen“ erklärte Thomsen weiter. Hausbesitzer müssten dann auf Grundlage der Planungsunterlagen eine Brunnenbaufirma zur Errichtung beauftragen. „Der Aufbau und Betrieb der Anlage ist dann in Eigenleistung zu tragen“, so Thomsen.

Bewohner des Blumenviertels zeigten sich derweil enttäuscht über den Beschluss, Gelder für ganz Berlin zur Verfügung zu stellen – und nicht extra für den Neuköllner Kiez. Man hatte gehofft, dass der jahrelange Streit nun endlich beigelegt werden könnte und der weitere Betrieb der Brunnenanlangen gesichert werden könnte, hieß es von Betroffenen.

Senat und Hausbesitzer schieben sich gegenseitig Schuld zu

Hintergrund des jahrelangen Streits ist der Vorwurf des Vereins Siedlungsverträgliches Grundwasser in Berlin (SVG) und des Verbands Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN), dass das Land 27 Brunnenanlagen, die Keller im Blumenviertel in Rudow trocken halten, widerrechtlich abschalten würden – und damit erhebliche Schäden an den Häusern in Kauf nehmen.

Der Senat hingegen sieht die Verantwortung bei den Hauseigentümern und will die Brunnenanlage nicht dauerhaft finanzieren. Die Vereine SVG und VDGN bereiten deshalb derzeit eine Klage gegen das Land vor.

Thomsen beteuerte derweil, man wolle mit den 2,3 Millionen Euro „Hilf zur Selbsthilfe“ leisten, „die zu einer merklichen finanziellen Entlastung und einer Vereinfachung der Prozesse führt.“